IG-Metall kritisiert Seehofers Haltung beim Airbus-Kahlschlag

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Jürgen Wechsler,IG-Metall-Chef, fordert mehr Einsatz für Airbus. Foto: K. Haag

Gewerkschaften München – Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler geht im Zusammenhang mit dem Kahlschlag bei Airbus in Manching, wo 1010 von 4000 Stellen gestrichen werden sollen, hart mit der bayerischen Staatsregierung ins Gericht.

„Wir haben einen Ministerpräsidenten, der in Ordnung findet, was da läuft“, sagte er. Seehofer hatte den Stellenabbau vorher als unumgänglich bezeichnet. Und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sei „immer rasch zur Stelle, wenn es Termine mit Fernsehkameras gibt“, sagte Wechsler. Doch konkrete Schritte folgen nicht.

Dabei sieht die Gewerkschaft durchaus Chancen, etwas für Manching zu tun. Selbst wenn es nicht gelingen sollte, die Entwicklung und Produktion militärischer Luftfahrzeuge in Bayern aufrechtzuerhalten, müsse man überlegen, ob man etwas aus dem Bereich der zivilen Luftfahrt ansiedeln könnte, etwa einen Technologiepark. „Wir haben an diesem Standort in Bayern wichtige Kompetenzen und Innovationskraft“, sagte Wechsler. Und die Beschäftigten seien hochqualifiziert.

Auch an anderen Krisenherden im Freistaat vermisst der Gewerkschaftsboss die Unterstützung der Regierung. Etwa bei Loewe. Vor der Wahl habe Seehofer Hilfe versprochen und nach der Wahl gesagt, dass er nicht helfen könne. In Zeiten der schwarz-gelben Koalition habe die CSU immer den liberalen Wirtschaftsminister Martin Zeil vorgeschoben. Doch jetzt habe sie die Verantwortung allein.

Auch mit dem Airbus-Management rechnet Wechsler ab. Es habe zwar Stellenstreichungen bekanntgegeben, aber nicht gesagt, „wie das gehen soll“. Er forderte den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Das sei „das Mindeste“.

Dagegen zeigt sich Wechsler mit der neuen Bundesregierung zufrieden. Er begrüßte den geplanten Mindestlohn, der bei der bayerischen IG Metall aber nur Wäscherei-Dienstleistungen betrifft und die Rente mit 63 für Beschäftigte mit 45 Versicherungsjahren. Die Debatte darüber hält er für „schäbig“. Es handle sich „um Menschen, die mehr in das Sozialsystem eingezahlt haben, als die jemals herausbekommen werden“.

Die Beschäftigten der Metallindustrie können sogar noch eher in Rente gehen. Mit 60 oder 61 Jahren. Das ermöglicht die tarifliche Vorruhestandsregelung in diesem Bereich. Vier Prozent der Beschäftigten nutzen derzeit diese Möglichkeit. Das sind mehr, als im Alter von über 60 noch arbeiten: drei Prozent von allen Beschäftigten.

Die Gewerkschaft selbst blickt stolz auf das abgelaufene Jahr 2014 zurück. Mit einem Gehaltszuwachs von 3,4 Prozent 2013 und weiteren 2,2 Prozent 2014 sei in der Metall- und Elektroindustrie erneut ein realer Einkommenszuwachs erreicht worden. Und dieser entspreche, so Wechsler, dem gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs. Das ist der Maßstab, den die Gewerkschaft selbst an Lohnerhöhungen ansetzt. Auch eine andere Zahl macht Wechsler zuversichtlich: Der Mitgliederschwund der Gewerkschaften ist offenbar nachhaltig gestoppt. Denn seit drei Jahren nimmt die Mitgliederzahl der IG Metall in Bayern Jahr für Jahr zu. 2013 um 0,7 Prozent auf 369 421. Seit 2010 waren es 4,2 Prozent. In der Altersgruppe der bis zu 27-Jährigen beträgt der Zuwachs 1,8 Prozent (2013) oder 13 Prozent (seit 2010). Trotz ihrer gerwachsenen Basis, droht die Gewerkschaft in diesem Jahr nicht mit einem großen Arbietskampf. In der Metall- und Elektroindustrie in Bayern herrscht bis Januar 2015 Friedenspflicht.

Martin Prem

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