Hugendubel: Streit um Kirchengelder

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Um möglichst viele Arbeitsplätze bei Weltbild zu retten, gewährt die Kirche ein Darlehen von 20 Millionen Euro. Doch Weltbild-Partner Hugendubel will die Gelder offenbar dazu verwenden, die eigenen Filialen zu retten und diese aus dem Verbund mit Weltbild zu lösen. Jetzt wird verhandelt, doch das Sanierungskonzept dürfte nur schwer zu halten sein.

Hugendubel will nicht in den Strudel der Weltbild-Pleite geraten und streitet nun mit der Kirche. Es geht um Millionen, mit denen eigentlich möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze gerettet werden sollten.

Buchhandel

Hugendubel will nicht in den Strudel der Weltbild-Pleite geraten und streitet nun mit der Kirche. Es geht um Millionen, mit denen eigentlich möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze gerettet werden sollten.

von thomas magenheim-hörmann

München – Die Insolvenz der Augsburger Weltbild-Holding wird für den Münchner Buchhandelspartner Hugendubel zunehmend bedrohlich. Beide Konzerne sind über ihre gemeinsame Tochter DBH eng miteinander verbunden. Dort ist ihr Filialgeschäft mit diversen Marken gebündelt. Hugendubel und Weltbild halten je die Hälfte der DBH mit ihren insgesamt 3100 Beschäftigten. Um nicht in den Strudel der Weltbild-Pleite gezogen zu werden, will das Familienunternehmen seine 77 Hugendubel-Filialen mit 1700 Mitarbeitern aus dem DBH-Verbund lösen, braucht dazu aber finanzielle Hilfe. Die hat das Erzbistum München-Freising als einer der kirchlichen Weltbild-Eigner zugesagt.

Nun gibt es aber Streit. Mit den 20 Millionen Euro, die das Erzbistum Hugendubel als Darlehen geben will, sollte die Familie nicht nur sich selbst retten, sondern auch möglichst viele derjenigen 320 Filialen, die unter dem DHB-Dach als Weltbild und Jokers mit 1400 Beschäftigten firmieren. Davon aber will die Buchhändlerfamilie nun offenbar nichts mehr wissen, sagen mehrere Quellen. Deshalb stelle die Kirche nur noch zehn Millionen Euro Darlehen bereit, was für Hugendubel nicht reicht, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Nun wackelt das ganze Konzept. Hugendubel will sich nicht äußern. Man stehe mit der Kirche in konstruktiven Gesprächen, heißt es nur.

Ein Insider malt indessen ein für die Münchner bedrohliches Bild. „Hugendubel braucht das Geld der Kirche, um sich selbst über Wasser zu halten“, sagt er. Bei DBH seien weniger die Weltbild-Filialen das Problem sondern die der Münchner, die sich mit teueren Innenstadtlagen übernommen hätten. Mit Blick auf die Weltbild-Pleite sei Hugendubel nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems. Damit droht vor allem mit Blick auf die Beschäftigung eine massive Ausweitung des Debakels. Von der Weltbild-Insolvenz betroffen sind bislang nur die 2200 Beschäftigten des Augsburger Stammhauses, nicht aber die 3100 DBH-Filialmitarbeiter. Kirche und Hugendubel stehen damit unter erheblichem Druck, sich zu einigen, soll die Pleite nicht noch massiv ausufern.

Der Sprecher des Erzbistums, Bernhard Kellner, erklärte auf Anfrage, der Sachverhalt sei komplex. Der Münchner Generalvikar und Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer führe derzeit Gespräche. Beer sei guter Dinge, dass sie zu einem positiven Ausgang geführt werden können.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kämpft indessen um den Erhalt der insolventen Weltbild-Teile. Das Amtsgericht Augsburg stellt dazu einen Kreditrahmen von 100 Millionen Euro bereit. Geiwitz geht auch fest davon aus, dass die von kirchlichen Weltbild-Eignern zugesagten 65 Millionen Euro Massekredit fließen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Betriebsräte bleiben jedoch skeptisch: „Wir glauben es erst, wenn das Geld auf dem Tisch liegt und ausgegeben ist“, sagt Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck. Die Weltbild-Mitarbeiter können in dieser Lage nur beten, dass sich Kirche und Hugendubel rasch einigen und 65 Millionen Euro Massekredit kommen.

Ein Unternehmen wie Weltbild gilt unter Sanierungsexperten in der Insolvenz als schwer rettbar, weil ständig neue Ware bestellt werden muss und Lieferanten um die Bezahlung ihrer Rechnung fürchten. Geiwitz hat indessen erste Gespräche mit ungenannten Interessenten geführt. Deren heiße und entscheidende Phase steht aber noch aus, räumt ein Sprecher ein. Illusionen machen sich alle den Rettungsbemühungen Beteiligten nicht. Alles zu retten, sei kaum drin. Das gelte vor allem für Teile des Filialgeschäfts, ist die vorherrschende Meinung.

237 Läden zählen zu Weltbild, 77 zu Hugendubel. Nicht zur DBH gehören die 60 Weltbild-Geschäfte in Österreich und in der Schweiz.

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