Hoffnungs-Signale für Europas Sorgenkinder

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Seit zwei Jahren steckt die Eurozone in der Rezession. Zugleich ist die globale Wachstumsdynamik seit 2010 rückläufig. Das kommende Jahr soll nun die Wende bringen.

ausblick 2014 – Teil 1

Seit zwei Jahren steckt die Eurozone in der Rezession. Zugleich ist die globale Wachstumsdynamik seit 2010 rückläufig. Das kommende Jahr soll nun die Wende bringen.

von Gerd Hübner

München – Um es vorwegzuschicken: Über den Berg ist die Eurozone noch nicht. Die Staatsverschuldung der Peripheriestaaten wächst noch immer und die Arbeitslosigkeit befindet sich nahe ihrem Rekordstand bei 12,1 Prozent. Dennoch gibt es Signale der Hoffnung.

Exporte

So läuft der Export in den Krisenländern inzwischen wieder. In Spanien und Irland kletterten die Ausfuhren in 2013 um sieben Prozent, in Portugal um vier Prozent. Zudem wuchs die Wirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal 2013, wenn auch nur um 0,3 Prozent, zum ersten Mal seit rund zwei Jahren wieder. Dazu kommt, dass der von den Marktforschern der Firma Markit erhobene Einkaufsmanagerindex für den Euroraum wieder bei über 50 Punkten notiert. Werte über 50 deuten auf Wachstum hin. 2014 könnte es also aufwärtsgehen.

Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Wachstum von einem Prozent für den Euroraum nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung. Diese positive Entwicklung fußt vor allem auf einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Wie die Experten der Bank M.M. Warburg feststellen, sind die Lohnstückkosten in Spanien, Irland sowie in Portugal zuletzt gesunken. Über dem Durchschnitt der Eurozone, nämlich bei 1,4 Prozent, soll das Wachstum in Deutschland im nächsten Jahr liegen.

Motor Deutschland

„Deutschland wird damit einmal mehr Motor der europäischen Entwicklung sein“, stellt Burkhard Wagner von der Partners Vermögensmanagement GmbH fest. Dabei ist es derzeit nicht nur der Export, der auf Hochtouren läuft, sondern vor allem der Binnenkonsum. Laut der Dezember-Umfrage der GfK Gesellschaft für Konsumforschung ist die Anschaffungsneigung der Bundesbürger auf ein Sieben-Jahres-Hoch geklettert. „Entscheidend für die deutsche Wirtschaft werden aber weder der Binnenkonsum noch die politische Entwicklung sein, sondern vielmehr die globale Konjunkturdynamik“, erläutert Markus Steinbeis von der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. Und auch von dieser Seite sieht es laut den Prognosen des IWF gut aus. Denn der erwartet erstmals seit dem Jahr 2010 wieder einen Anstieg der weltweiten Dynamik.

Weltwirtschaft

Vier Jahre hintereinander ging das globale Wirtschaftswachstum stetig von 5,2 bis auf 2,9 Prozent in diesem Jahr zurück. 2014 soll die weltweite Wirtschaftsleistung aber endlich wieder zulegen. Der Zuwachs soll 3,6 Prozent betragen. Dazu dürften vor allem die Vereinigten Staaten beitragen. Deutlichstes Zeichen dafür, dass es dort derzeit aufwärtsgeht: Im Dezember reduzierte die amerikanische Notenbank Fed ihre Käufe von US-Staatsanleihen von 85 auf 75 Milliarden Dollar pro Monat.

Geldpolitik

Die amerikanische Notenbank begründete ihre extrem expansive Geldpolitik in den vergangenen Jahren damit, dass sich der Arbeitsmarkt nicht ausreichend stabilisiert habe. Dass sie nun offenbar damit beginnt, aus dieser ultralockeren Geldpolitik auszusteigen, könnte aus konjunktureller Sicht ein positives Signal sein. Dazu kommt, dass sich auch der seit der Finanzkrise angeschlagene Immobilienmarkt sich langsam erholt. Eine wichtige Voraussetzung, damit die US-Konsumenten wieder optimistischer werden. Der IWF jedenfalls rechnet in den USA mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in 2014 – das wäre der höchste Wert seit 2010. Und schließlich ist auch der Ausblick für die Schwellenländer nicht so schlecht. Die Experten von M.M. Warburg rechnen nach nur 4,5 Prozent Zuwachs in diesem Jahr für 2014 mit einem Plus von fünf Prozent. „Es gilt bei all dem aber zu bedenken, dass wir uns derzeit in keinem normalen Konjunkturzyklus befinden“, wie Experte Steinbeis zu bedenken gibt. „Normalerweise ist der Zins das wichtigste Regulativ in einer Volkswirtschaft, der aber wird durch die Politik der Notenbanken derzeit außer Kraft gesetzt.“ Wie stabil der aktuelle, noch sehr zarte Aufschwung ist, wird sich deshalb erst zeigen, wenn die Notenbanken zumindest ihre Staatsanleihekäufe einstellen. Denn dann dürften die Renditen am Anleihemarkt steigen, was die Konjunktur negativ beeinträchtigen könnte. Dass dagegen die Leitzinsen noch längere Zeit niedrig bleiben werden, daran zweifelt derzeit kaum ein Experte. Der Grund ist, dass dafür auch die Argumente fehlen. Die Wirtschaft wächst zwar, aber sie ist noch zu schwach. „Und auch ein stärkerer Anstieg der Inflationsrate ist derzeit nicht in Sicht“, meint Steinbeis. Notenbank-Chef Ben Bernanke jedenfalls geht davon aus, dass die Teuerungsrate auch im kommenden Jahr in den USA nicht über zwei Prozent ansteigen wird.

„An der Politik der niedrigen Leitzinsen wird sich deshalb auch 2014 nichts ändern“, meint Steinbeis. Mit größeren konjunkturellen Überraschungen ist also nicht zu rechnen. Moderates Wachstum, niedrige Zinsen und eine Inflationsrate, die unter Kontrolle ist.

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