Haushüter: Wer haftet wofür?

Haushüter gießen Blumen und leeren den Briefkasten während die Hausbesitzer verreist sind. Entstehen Schäden im Haus, haften freiwillige Helfer in den meisten Fällen nicht.
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Haushüter gießen Blumen und leeren den Briefkasten während die Hausbesitzer verreist sind. Entstehen Schäden im Haus, haften freiwillige Helfer in den meisten Fällen nicht.

Viele Wohnungen und Häuser stehen in den Ferien für ein paar Wochen leer. Nachbarn und Freunde gießen Blumen und leeren Briefkästen, während die Besitzer verreist sind. Die Frage ist: Wer haftet, wenn die teure Blumenvase zu Bruch geht, die Goldfische eingehen oder ein Einbrecher das Haus ausräumt?

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Viele Wohnungen und Häuser stehen in den Ferien für ein paar Wochen leer. Nachbarn und Freunde gießen Blumen und leeren Briefkästen, während die Besitzer verreist sind. Die Frage ist: Wer haftet, wenn die teure Blumenvase zu Bruch geht, die Goldfische eingehen oder ein Einbrecher das Haus ausräumt?

von Wolfgang Büser

Wer in den Sommerferien verreist, der möchte bei der Rückkehr daheim am liebsten alles so vorfinden wie zuvor. Die Lösung können Angehörige, Freunde oder Nachbarn sein, die während der Abwesenheit nach dem Rechten sehen, Blumengießen und die Wohnung lüften – Haushüter, die das Ganze auch professionell betreiben könnten.

Das dicke Ende für die Heimkehrer könnte kommen, wenn sie feststellen, dass die wertvolle Blumenvase nur noch aus Scherben besteht. Oder der Teppich seinen Glanz verloren hat, weil er zwischendurch unter Wasser stand. Oder, schlimmer noch, die Wohnung tatsächlich zum Teil leer geräumt ist, da die freundliche Nachbarin einmal vergessen hatte, die Terrassentür abzuschließen.

Keine Haftung bei Fehlern aus Versehen

Wer haftet dann für die Schäden? Regelmäßig nicht diejenigen, die sich als kostenlose Helfer verdient machen wollten, dabei aber Fehler gemacht haben oder einfach ungeschickt waren. Denn wer einem anderen aus Gefälligkeit zur Seite steht, der rechnet natürlich nicht damit, dass er für Schäden aufkommen muss, die er versehentlich angerichtet hat. So haben die Gerichte regelmäßig entschieden. Ob aus moralischen Gründen doch Ersatz geleistet wird, ist die eine Frage. Und ob die zwischenzeitlich Ausgeflogenen diesen Ersatz überhaupt annehmen, eine andere.

Davon abzugrenzen sind Situationen, in denen die Helfer zwar nicht vorsätzlich, aber doch grob fahrlässig Schäden verursacht haben. So könnte ein Gericht durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass ein Urlauber nicht damit rechnen muss, dass der Nachbar vergisst, den Wasserhahn zuzudrehen, was die Überschwemmung der kompletten Wohnung zur Folge hat. Oder dass er über Stunden die Wohnungstür offen stehen lässt, während er abgelenkt im eigenen Garten werkelt, was Dieben die Arbeit leicht macht, sich an Nachbars Schätzen zu bereichern.

Private Haftpflicht bei Fahrlässigkeit

Wohl dem, der als Haushüter für solche Fälle auf eine private Haftpflichtversicherung zurückgreifen kann, die dann einspringen wird. Wenn dem Haushüter nämlich kein Vorwurf grober Fahrlässigkeit gemacht werden könnte, müsste auch der Versicherer nicht leisten, weil es dann ja keine Schuld gäbe, die zu begleichen wäre. Allerdings bieten einige Versicherer auch für solche Fälle Deckungsschutz an – gegen Aufpreis, versteht sich.

Und was passiert, wenn der Hund der ausgeflogenen Nachbarn daheim geblieben, aber dem Haushüter nicht immer freundlich gesinnt ist – sprich: ihn beißt? Handelt es sich um ein Nutztier, das beispielsweise den Hof bewacht, so käme es darauf an herauszufinden, wer Schuld an dem Desaster trägt, ob der Vierbeiner zum Beispiel nicht richtig angeleint war. Ansonsten wäre es ein Luxustier, wofür Frauchen oder Herrchen generell einzustehen haben – oder ihre Tierhalter-Haftpflichtversicherung.

Professionelle Haushüter haften nicht nur bei grober Fahrlässigkeit für ihre Fehler – sie werden schließlich für einwandfreie Arbeit bezahlt. Das ist so wie in jedem anderen Beruf auch.

Urteile rund ums Thema Gefälligkeit

-Auch erstickte Kois sind versichert:

Eine Frau, die versehentlich die asiatischen Karpfen („Kois“) ihres Schwagers erstickt hat, kann von ihrer privaten Haftpflichtversicherung erwarten, dass sie den Schaden reguliert. In dem Fall vor dem Landgericht Magdeburg ging es um rund 15 000 Euro, die die Versicherung ersetzen muss. Die Frau hatte während der urlaubsbedingten Abwesenheit ihres Schwagers dessen Blumen gegossen und dabei versehentlich einen Knopf auf einer Fernbedienung gedrückt, die zu einer Anlage gehört, die den Fischteich im Winter an einer Stelle eisfrei hält, damit die Kois nicht ersticken. Weil der Teich hier schließlich zufror, verendeten die Tiere. Die Versicherung wollte nicht zahlen, weil es sich beim Blumengießen um eine Gefälligkeit gehandelt hatte, für die eine Haftung im Regelfall ausgeschlossen ist. Weil die Versicherte aber eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen hatte und nicht wollte, dass sie auch (quasi unschuldig) auf einem Schaden sitzen blieb, müsse der Versicherer zahlen (LG Magdeburg, 10 O 81/12).

-Wasserschaden wegen defekter Leitung:

Reinigt die Mutter einer Hauseigentümerin während deren Abwesenheit das (hier leer stehende) Gebäude „aus Gefälligkeit“ und vergisst sie, den Hauptwasserhahn wieder zu schließen, so kann die Tochter keinen Schadenersatz von ihr verlangen (hier in Höhe von 42 500 Euro), wenn die Leitungen wegen eines Defekts nicht automatisch schließen und einen Wasserschaden verursachen (OLG Koblenz, 5 U 570/01).

-Keine Haftung bei leichter Fahrlässigkeit:

Lässt sich eine Autofahrerin von einem hilfsbereiten Autofahrer helfen, ihren batterielahmen Wagen wieder flottzubekommen, verwechselt der aber die Pole, so dass ein Schaden an der Elektronik in Höhe von 2500 Euro entsteht, so muss er dafür nicht aufkommen. Die Haftung bei Gefälligkeitshandlungen ist bei leichter Fahrlässigkeit ausgeschlossen, wenn zuvor nichts anderes vereinbart wurde (AmG Kaufbeuren, 3 C 1194/00).

-Bei Gefälligkeiten muss nichts ersetzt werden:

Versorgt eine Frau während der Abwesenheit ihrer Nachbarin deren Blumen, so kann sie den von ihr bereits geleisteten Ersatz (hier 3000 Euro) nicht von ihrer Privat-Haftpflichtversicherung erstattet verlangen, wenn sie Wasser über einen Laptop geschüttet hat, der dadurch unbrauchbar wurde. Bei Gefälligkeiten besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, einen Schaden zu ersetzen – und damit auch für die Versicherung nicht (AmG Hannover, 568 C 18481/00).

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