Hausgeräte Mit Mykie und Alexa in die digitale Zukunft

Digitale Helfer im Haushalt: Europas führender Hausgerätekonzern BSH will bald den digitalen Küchenassistenten Mykie auf den Markt bringen. foto: dpa
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Digitale Helfer im Haushalt: Europas führender Hausgerätekonzern BSH will bald den digitalen Küchenassistenten Mykie auf den Markt bringen. foto: dpa

Hausgeräte sind intelligent geworden. Vernetzt werden sie per Sprachsteuerung, Internet und über digitale Assistenten, die wissen, was ihre Besitzer wollen. Nebenbei werden jede Menge Daten gesammelt.

Hausgeräte

Mit Mykie und Alexa in die digitale Zukunft

von thomas magenheim-hörmann

München – Die Zahl passt, findet Karsten Ottenberg. Rund 50 Millionen Kühlschränke, Geschirrspüler oder Waschmaschinen habe Europas führender Hausgerätekonzern BSH 2016 verkauft, freut sich der Firmenchef. Und dieses Jahr feiere die Münchner Tochter des Stuttgarter Bosch-Konzerns ihr 50-jähriges Bestehen. Wenn es nach seinen Plänen geht, ist der Verkauf von Geräten aber nicht mehr lange das alleinige Maß der Dinge für einen Hersteller weißer Ware. Denn die Digitalisierung von Küche und Haus eröffnet bezahlten Dienstleistungen per Internet das Tor und da will BSH das Sagen haben. Als eine Art Trojanisches Pferd zur Eroberung der digitalen Küche dienen könnte dabei Mykie, den Ottenberg als persönlichen Küchenassistenten beschreibt.

Noch ist Mykie im Findungsstadium. Seine digitalen Augen starren einen aus einem Mondgesicht an, das auf einen etwa 50 Zentimeter hohen Kegel aufgesetzt ist. „Hallo Mykie, ich habe Hunger auf etwas mit Schokolade“, sagt eine BSH-Mitarbeiterin. Der Hightech-Küchenassistent grüßt akustisch zurück und projiziert 17 Rezepte an die Wand. Ein Schoko-Kuchen soll es sein. Mykie wirft einen digitalen Blick in den Kühlschrank, sagt, welche Zutaten vorhanden sind und bietet an, Fehlendes online zu ordern. Geliefert würde binnen zwei Stunden. Kurz davor heizt Mykie das Rohr vor. Wann der digitale Haushaltshelfer zu kaufen ist und die Küche der Zukunft steuert, mag Ottenberg noch nicht sagen. Auch was der digitale Geselle dann alles kann, ist im Detail noch geheim. Man sei dabei herauszufinden, welche digitalen Dienste man Verbrauchern verkaufen könne. Eines aber sei jetzt schon klar. „Alle Daten, die Mykie hat, bleiben bei uns“, betont der BSH-Chef. Denn der Assistent bietet nicht nur an, er hört auch zu und lernt die Gewohnheiten seiner Besitzer. Dieses Wissen ist Geld wert.

Die digitale Schwester von Mykie, die bereits über ihre Besitzer Daten sammelt, heißt Alexa und wird vom Versandriesen Amazon vertrieben. Auch Alexa versteht Sprache und kann das digitale Haus sowie dessen Geräte von der Jalousie über den Fernseher steuern. Seit Ende 2016 ist Alexa zudem mit der BSH-Plattform Home Connect verlinkt und steuert über sie Hausgeräte. Sprachsteuerung gilt als der Eisbrecher schlechthin beim Begehren, Hausbewohner und deren vier Wände zu digitalisieren. Das wiederum bedeutet nichts anderes, als möglichst viele individuelle Daten über sie und ihre Vorlieben zu sammeln, um daraus personalisierte Dienstleistungen zu zimmern.

Noch stehen Hausgerätebranche und Internetkonzerne dabei am Anfang. Von den 50 Millionen Geräten, die BSH 2016 verkauft hat, waren „einige hunderttausend“ intelligent und internetfähig, so Ottenberg. Es ist also noch ein Nischengeschäft. Ab jetzt solle ihre Zahl aber jährlich verdoppelt werden und bis 2025 eine „signifikante Dimension“ erreichen. Bis dahin will BSH global gut 20 Milliarden Euro Umsatz machen. 2016 wurden die Erlöse um 3,5 Prozent auf gut 13 Milliarden Euro gesteigert. Seit Ottenberg 2013 den Chefsessel übernommen und die neue Digitalstrategie ausgerufen hat, ist BSH im Schnitt 7,5 Prozent jährlich gewachsen.

Auch vor dem anstehenden Zusammengehen der Konkurrenten General Electric (USA) und Haier (China) bei Hausgeräten ist Ottenberg nicht bange. Mit rund 15 Milliarden Euro addiertem Umsatz würde das Duo BSH zwar vom zweiten Rang der weltweit führenden Hausgeräteriesen verdrängen. Aber sowohl GE wie auch Haier und der Weltmarktführer Whirlpool würden im Gegensatz zu BSH stetig Marktanteile verlieren, so Ottenberg. Ohne große Zukäufe fahre man in einer sich technologisch gerade am Rande einer Innovationswelle stehenden Branche besser, findet der BSH-Chef. Mit den 14 Marken im Konzern bediene BSH alle relevanten Kundengruppen und Besonderheiten der großen Weltregionen zielgruppengerecht. Den Rest soll künftig Mykie erledigen.

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