Haus gegen Leibrente

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Markus KühnRechtsanwalt, FinanzökonomGrafing

Angelika V. : „Ich habe vier Kinder und möchte einem meiner Kinder mein Haus auf Leibrente geben.

Dieses Kind würde sich dann um mich kümmern. Ich bin 83 Jahre alt. Könnten die anderen drei, falls ich innerhalb von zehn Jahren sterbe, einen Pflichtteil oder sogar 3/4 des Wertes (zirka 60 0000 Euro) des Hauses verlangen? Natürlich sollen die anderen Kinder nicht leer ausgehen. Jeder bekommt 60 000 Euro.“

Leser Fragen – Experten AntworTEn

Angelika V.: „Ich habe vier Kinder und möchte einem meiner Kinder mein Haus auf Leibrente geben. Dieses Kind würde sich dann um mich kümmern. Ich bin 83 Jahre alt. Könnten die anderen drei, falls ich innerhalb von zehn Jahren sterbe, einen Pflichtteil oder sogar 3/4 des Wertes (zirka 60 0000 Euro) des Hauses verlangen? Natürlich sollen die anderen Kinder nicht leer ausgehen. Jeder bekommt 60 000 Euro.“

Ich verstehe Ihre Angaben so, dass das Haus einen Wert von 240 000 Euro hat und Sie zumindest noch 180 000 Euro sonstiges Vermögen besitzen, das Sie den anderen drei Kindern geben wollen, wobei Sie nicht schreiben, ob dies jetzt als Schenkung oder erst im Erbfall (zum Beispiel als Vermächtnis) erfolgen soll. Einen Pflichtteilsanspruch hat ein Kind nur, wenn es enterbt wird. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Sie das Kind, das das Haus erhält, als Alleinerben einsetzen und damit die anderen drei enterben. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, hier also für jedes Kind 1/8 (vorausgesetzt, es gibt nicht noch einen erbberechtigten Ehegatten). Damit nicht durch lebzeitige Schenkungen das Pflichtteilsrecht ausgehöhlt werden kann, gibt es aber noch den sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch, den Sie in Ihrer Frage ja schon andeuten. Danach werden Schenkungen innerhalb von zehn Jahren vor dem Erbfall zur Berechnung des Pflichtteils dem Nachlass wieder fiktiv zugerechnet. Für jedes Jahr seit der Schenkung wird der Wert allerdings um ein Zehntel gekürzt. Wenn Sie nach einer Schenkung an das erbende Kind beispielsweise nach fünf Jahren versterben, würde noch die Hälfte des Wertes der Schenkung zugerechnet.

Allerdings ist es hier so, dass Sie das Haus ja nicht verschenken, sondern gegen eine Leibrente zumindest teilweise verkaufen. Der Wert der Gegenleistung, quasi der Kaufpreis, den Ihr Kind bezahlt, bestimmt sich nach der Höhe der Leibrente multipliziert mit einem Aufzinsungsfaktor, der sich nach Ihrer statistischen Lebenserwartung bestimmt. Nur die Differenz zwischen dem Wert des Hauses und dem „Kaufpreis“ wäre also eine Schenkung, für die ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Betracht käme. Wenn Sie den anderen drei überdies je 60 000 Euro schenken oder per Vermächtnis zuwenden, müssen sich diese die Zuwendungen auf einen Pflichtteils(ergänzungs)anspruch anrechnen lassen, sodass sie gegebenenfalls auch keine Pflichtteils(ergänzungs)ansprüche haben. Ich empfehle Ihnen, sich anwaltlich beraten zu lassen.

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