Ein Haferl Kaffee schadet nicht

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Die gute Nachricht für Kaffeetrinker: Eine gelegentliche Tasse Kaffee ist gesundheitlich unbedenklich. Problematisch ist allerdings der hohe Acrylamid-Gehalt, vor allem in Robusta-Bohnen.

Wochenmarkt-Spezial

Von Heidrun Schubert*

Ein Haferl Kaffee schadet der Gesundheit nicht – nur der Acrylamidgehalt macht nach wie vor etwas Sorgen. Der potenziell krebserregende Stoff entsteht unter anderem beim Rösten stärkehaltiger Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide, aber auch Kaffee.

Tendenziell enthalten geröstete Arabica-Bohnen weniger Acrylamid als Robusta-Bohnen. Instant- und Ersatzkaffees auf Getreidebasis weisen deutlich höhere Acryl-amidgehalte auf. Nun wurde aktuell eine neue Verordnung zur Reduktion des krebserregenden Stoffes herausgegeben. Die Richtwerte sind relativ streng, bis auf den des Kaffees: Der liegt 43 Prozent höher als der deutsche Signalwert von 2010.

Öle bleiben bei Filterkaffee im Filter

Während des Röstvorganges verlieren die Kaffeebohnen Wasser und „blähen“ sich auf. Zudem finden chemische Reaktionen statt, die für das typische Kaffeearoma verantwortlich sind. Jede Kaffeebohne enthält natürliche Öle, deren Anteil sich im Laufe des Röstvorganges nicht verändert. Während bei handelsüblichem Filterkaffee die Öle im Filter zurückgehalten werden, gehen sie beim Espresso in das Getränk über und sind dort als die typische Crema zu finden. Werden täglich ein bis fünf Tassen – bei uns etwa ein bis drei Haferl – getrunken, sinkt angeblich die Gefahr, frühzeitig an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben, so eine Studienauswertung der amerikanischen Harvard- Universität. Demnach wären die Kaffeetrinker gegenüber denen, die gar keinen Kaffee trinken, im Vorteil.

Laut Studie positiver Herz-Kreislauf-Effekt

Welche Inhaltsstoffe für die positive Wirkung verantwortlich sind, ist nicht geklärt. Koffein ist es auf jeden Fall nicht. Deshalb habe auch die Koffein-frei-Fraktion Chancen, länger zu leben, so die Studie. Zudem soll ein moderater Kaffeekonsum das Risiko für Leberkrebs senken.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung lieferte erst kürzlich dafür einen Erklärungsansatz. Sie fanden im Blut von Viel-Kaffee-Trinkern einen Biomarker mit entzündungshemmender und zellschützender Wirkung – wenn das keine willkommene Botschaft ist.

Pro Sekunde sagen in Deutschland 2300 Kaffee-Liebhaber: „Jetzt brauch ich erst einmal einen Kaffee.“ Sollte auch die gesamte Ernährungs- und Lebensweise des Menschen den entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit haben, ein gemäßigter Kaffeekonsum könnte durchaus einen positiven Einfluss auf das momentane Wohlbefinden haben.

Koffein sorgt für höheren Blutdruck

Durch etwas Koffein lässt sich ein schwacher Blutdruck zu etwas Aufschwung verhelfen, die körperliche und geistige Leistung steigern, der Stoffwechsel anregen, die Magensaftproduktion ankurbeln und sogar die Bronchien leicht entspannen. Koffein wird mitunter auch bei der medikamentösen Therapie von Migräne und chronischen Kopfschmerzen eingesetzt. Sportler nutzen nicht selten die leistungssteigernde Wirkung des Koffeins. Der Stoff galt lange Zeit als Dopingmittel. Es wurde erst 2004 von der Welt-Antidoping-Agentur und dem Internationalen Olympischen Komitee von der Dopingliste gestrichen.

Unterschied zwischen Kaffee und Espresso

Espresso hat einen kräftigeren Geschmack und ein intensiveres Aroma als herkömmlicher Kaffee. Das liegt daran, dass für Espresso die Bohnen länger und dunkler geröstet werden als für normalen Röstkaffee. Während dieses Vorgangs bauen sich die in den Rohkaffeebohnen enthaltenen Säuren ab. Espresso ist dadurch schonender für empfindliche Mägen.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Art der Zubereitung. Espresso entsteht, wenn heißes Wasser mit hohem Druck durch ein Sieb mit Espressopulver gedrückt wird. Weil sich bei dieser Methode das Aroma in etwa 25 Sekunden aus dem Pulver löst, sollte es fein gemahlen sein.

Bei Filterkaffee, der minutenlang brüht, ist das Kaffeepulver eher grobkörnig. Sowohl für Kaffee als auch für Espresso werden Arabica- und Robusta-Kaffeebohnen verwendet. Die Sorte Robusta enthält mehr Kaffeeöle, die beim Espresso die Bildung einer feinen Schaumschicht, der sogenannten Crema unterstützen. Sie hält flüchtige Aromen länger in der Tasse.

Gewöhnungseffekt bei häufigem Konsum

Wer regelmäßig koffeinhaltigen Kaffee in höherer Dosierung zu sich nimmt, wird feststellen, dass die aufmunternde Wirkung im Laufe der Zeit abnimmt. Es stellt sich eine gewisse Toleranz beziehungsweise ein Gewöhnungseffekt zu Koffein ein. Eine Person, die unter der Woche größere Mengen Kaffee trinkt und am Wochenende zurückhaltend ist, wird sich möglicherweise in dieser Zeit etwas schlapp fühlen oder gar unter Kopfschmerzen leiden. Denn der Wachmacher Koffein hat als Gegenspieler die körpereigene Substanz Adenosin. Verliert das Koffein seine Wirkung, siegt mit Hilfe von Adenosin die Müdigkeit. Ein Koffeinentzug alleine über die Nachtphase kann trotz ausreichend Schlaf zu Ermüdungserscheinungen am Morgen führen. Der Ruf nach Kaffee ist geprägt von Abhängigkeit, Ritual und Genuss.

Kaffee-Tiramisu

(für zwei Personen)

Zutaten: 250 Gramm Sahnequark, 150 Gramm Naturjoghurt (3,5 Prozent Fett), zwei Esslöffel sehr starken Espresso, ein Esslöffel Zucker, Orangenlikör, 50 Gramm Amarettini, Kakaopulver.

Zubereitung: Quark, Joghurt, Espresso und Zucker verrühren. Amarettini in zwei Gläser zerbröseln, mit Orangenlikör beträufeln, darüber die Creme geben, mit Kakaopulver bestäuben.

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