Die große Freiheit auf vier Rädern

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Mit Blick aufs Meer: Die Zahl der Urlauber, die mit Wohnmobil unterwegs sind, steigt in Deutschland. Ein Reisemobil zu mieten, ist heute einfach – damit aber gut und bußgeldfrei durch den Urlaub zu kommen, ist ein anderes Thema. panthermedia

Einfach losfahren im Wohnmobil oder mit dem Wohnwagen und anhalten, wo man Lust hat – diese Reiseart umweht ein Hauch von Abenteuer. Allerdings muss man sich auch hier an Regeln halten: Wir klären, was es in Deutschland zu beachten gilt.

regeln für wohnwagen und Wohnmobil

von lars becker

Ungefähr drei Millionen Urlaubsreisen werden pro Jahr mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil unternommen, dazu kommen noch einmal vier Millionen Kurzurlaubsreisen. Diese Zahlen hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (FUR) in ihren „Urlaubsreisetrends 2017“ veröffentlicht. Langfristig ist die Zahl der Caravaning-Urlauber gestiegen (Marktanteil rund vier Prozent). Für das Wachstum sind vor jüngere Kunden verantwortlich. Für die Zukunft interessieren sich sogar elf Prozent (2006: acht Prozent) der Deutschen für eine Reise im Wohnmobil, acht Prozent (2006: 7,5 Prozent) erwägen einen Urlaub mit Wohnwagen.

Doch auch wer die große Freiheit auf Rädern erleben will, muss sich an Regeln halten. Wir klären – mit Unterstützung der Stiftung Warentest und anwalt.de – die für Deutschland gültigen Gesetze. Bei Fahrten im Ausland, sollte man sich vor Reiseantritt über die Regelungen für Caravan-Fans informieren.

Parken von Wohnmobilen

Man darf auch mit Wohnmobilen und Wohnwagen überall dort parken, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Allerdings sollte man genau auf die Beschilderung achten. „Nur für Pkw“ schließt Wohnmobile aus, die mit ihren mehr als 2,8 Tonnen und oft außergewöhnlichen Dimensionen in einer anderen Kategorie unterwegs sind. Auf normalen Parkplätzen sind Camper willkommen, die Reisemobile dürfen allerdings nicht über vorgezeichnete Parkflächen ragen.

Auch darf man es sich nicht mit Campingtisch und Stühlen auf der Parkfläche bequem machen – das gilt als Sondernutzung und ist verboten. Im Inneren des Wagens kann man seine Campingausstattung natürlich benutzen. Auch auf privaten Parkplätzen (wie denen von Supermärkten) darf man in der Regel für den Einkauf parken – allerdings nicht übernachten.

Übernachten im Reisegefährt

Auf Campingplätzen mit separaten Wohnmobil-Stellplätzen ist das überhaupt kein Problem – hier gibt es meist auch einen Stromanschluss für die Elektrogeräte im Reisemobil. Auf einigen kann man sogar die mobile Toilette leeren. Natürlich muss dann für das Übernachten und Sonderleistungen eine Gebühr bezahlt werden.

An öffentlichen Straßen darf man auch einmal übernachten, es sei denn, es ist ausdrücklich verboten. Das einmalige Ruhen und Übernachten dient dann dem Zweck der Wiederherstellung der körperlichen Fahrtüchtigkeit und ist erlaubter Gemeingebrauch. Zwei Nächte darf man allerdings nicht an der gleichen Stelle schlafen – das wäre genehmigungspflichtige Sondernutzung. Genauso übrigens wie das Herausstellen von Campingmöbeln, der Aufbau eines Vorzelts, das Herausdrehen einer Markise oder das Grillen am Straßenrand.

Auf nicht öffentlichen Straßen oder Wegen können zum Beispiel natur- und landschaftsschutzrechtliche Regelungen einen Aufenthalt für Reisemobile verbieten. Das muss aber durch Beschilderungen erkenntlich sein. Zudem können Städte spezielle Park- und Übernachtungsplätze für Wohnmobile ausweisen. Für München findet sich die Liste unter folgendem Link: http://www.muenchen.de/dienstleistungsfinder/muenchen/1078439/n0/

Dort ist zum Beispiel nur für die Oktoberfest-Zeit ein spezieller Parkplatz in München-Riem ausgewiesen.

Abstellen von Wohnwagen und Co

Für Besitzer von Wohnmobilen oder Anhängern ist das Abstellen ihres Reisefahrzeugs zwischen den Urlauben manchmal ein Problem. Generell gilt: Wohnwagen dürfen nicht unbegrenzt auf öffentlichen Straßen geparkt werden. Laut § 12 Abs. 3b der Straßenverkehrsordnung (StVO) darf ein vom Zugfahrzeug abgekoppelter Wohnwagen nicht länger als zwei Wochen auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellt werden. Wer gegen die Regel verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Mit Zugfahrzeug verbundene Wohnwagen und Wohnmobile dürfen allerdings unbegrenzt abgestellt werden.

Reisemobile als Gästezimmer

Laut Straßenverkehrsordnung ist es nicht erlaubt, Reisemobile als ausgelagerte Gästezimmer zu nutzen. Wenn Gäste im Wohnwagen oder Reisemobil schlafen, gilt das als Sondernutzung des Straßenraums. Dafür bräuchten Besitzer laut Stiftung Warentest theoretisch eine offizielle Erlaubnis. In der Praxis dürfte aber kaum eine Stadt oder Gemeinde eingreifen, solange es sich nur um eine Nacht handelt.

Zweitwohnsteuer für Reisemobile

So verrückt es klingt – wer in seinem Wohnmobil oder Wohnwagen abseits seines Erstwohnsitzes lebt, muss möglicherweise eine Zweitwohnungssteuer zahlen. So heißt es in § 2 Abs. 1 der entsprechenden Satzung der Stadt München: „Wohnung im Sinne dieser Satzung ist jeder umschlossene Raum, der zum Wohnen oder Schlafen benutzt werden kann. Als Wohnung gelten auch Mobilheime, Wohnmobile, Wohn- und Campingwagen, die nicht oder nur gelegentlich fortbewegt werden.“ Dabei gilt die Zeit von drei Monaten binnen eines Jahres als maßgeblich.

Der Bayerische Verfassungsgerichtshof (BayVerfGH) hat laut anwalt.de in einem Urteil klargestellt, dass die Erhebung der Zweitwohnungssteuer durch kommunale Satzungen durch Art. 3 Abs. 1 Kommunalabgabengesetz (KAG) gedeckt ist. Eine Zweitwohnungssteuer muss natürlich nur in den Städten und Gemeinden gezahlt werden, in denen es eine entsprechende Regelung gibt.

Tempolimits für Reisemobile

Eigentlich sollte man im Urlaubsmodus ja Zeit haben. Für die Schnellfahrer gelten folgende Vorschriften: Wohnmobile bis 3,5 Tonnen werden in Deutschland genauso wie Pkw behandelt. Also sind außerhalb geschlossener Ortschaften 100 km/h zulässig, auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbeschränkung kann man so schnell fahren, wie man will.

Reisemobile von 3,5 bis 7,5 Tonnen dürfen auf Landstraßen maximal 80 km/h und auf Autobahnen maximal 100 km/h schnell bewegt werden. Fahrer von Wohnmobilen über 3,5 Tonnen müssen sich auch an Durchfahrts- und Überholverbote für Lkw mit diesem Gewicht halten. Reisemobile über 7,5 Tonnen sind auf 60 km/h (Landstraßen) und 80 km/h (Autobahnen) limitiert. Für PKW-Wohnmobil-Kombinationen gilt generell Tempo 80. Nur unter bestimmten Regeln (zum Beispiel: ABS beim Zugfahrzeug, Gesamtmasse nicht über 3,5 Tonnen, hydraulische Radstoßdämpfer beim Wohnwagen, Bremse und Reifen nicht älter als sechs Jahre) dürfen 100 km/h gefahren werden. Dafür gibt es eine spezielle Plakette, die von einem Sachverständigen/Prüfingenieur ausgegeben und am Wohnwagen angebracht werden muss.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare