Griechenland hofft auf Hilfe aus Russland

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Griechenlands Premier Tsipras will offenbar den Kreml um Hilfe bitten. foto: afp

schuldenkrise . Brüssel/Athen – Griechenland kämpft gegen die Pleite.

Während die Verhandlungen mit den Geldgebern stocken, wendet sich Athen laut einem Medienbericht nun an Russland. Wie „Spiegel Online“ schreibt, will Griechenland Russland bitten, seiner angeschlagenen Wirtschaft zu helfen. Die EU sei aufgrund der Annäherungsversuche an Russland alarmiert.

Die Regierung von Alexis Tsipras wolle in Moskau um eine Senkung der Erdgaspreise für griechische Haushalte ersuchen, heißt es in dem Bericht. Zudem soll erreicht werden, dass griechische Produkte wie etwa Obst vom seit Sommer geltenden Importverbot für EU-Waren ausgenommen werden. Der griechische Energieminister Panagiotis Lafazanis und Syrizas Parlamentssprecher Thanasis Petrakos sollen die Bitte bei ihrem am Montag beginnenden, zweitägigen Besuch in Moskau übermitteln, schreibt das Online-Magazin. Ministerpräsident Tsipras will dann am 8. April selbst nach Moskau reisen. Eine für Mai angesetzte Reise werde damit um einen Monat vorgezogen. Beobachter erwarten, dass Tsipras auch anklopfen will, ob der Kreml seiner Regierung mit Krediten helfen könne, schreibt „Spiegel Online“.

Die Gläubiger-Institutionen sind indes Medienberichten zufolge mit der jüngsten griechischen Reform- und Sparliste bei weitem nicht zufrieden. „Die Grundlage der Vorschläge wird nicht akzeptiert, umso weniger die Einzelheiten“, schrieb die griechische Zeitung „To Vima“ am Sonntag. Der Sender Mega meldete, die Gläubiger pochten auf „härtere Maßnahmen“. Regierungschef Tsipras sagte dennoch, er rechne mit einer raschen Lösung.

Experten des griechischen Finanzministeriums waren am Freitagabend nach Brüssel gereist, um am Wochenende eine neue Reformliste abzustimmen. Sie soll Mehreinnahmen von drei Milliarden Euro bringen und das Wachstum auf 1,4 Prozent treiben. Die Gläubiger-Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) müssen davon überzeugt werden, dass die Vorschläge die Finanzlage tatsächlich stabilisieren. Anschließend ist noch grünes Licht der Euro-Finanzminister notwendig, damit das pleitebedrohte Griechenland frische Notkredite aus dem verlängerten Rettungsprogramm erhalten kann. Tsipras Links-rechts-Regierung hatte mehrfach akute Zahlungsschwierigkeiten eingeräumt, will die Forderungen der Euro-Partner aber offenbar noch nicht ganz erfüllen. Strittig seien insbesondere die geplante Reform der Sozialversicherung sowie die Anhebung des Renteneintrittsalters, berichtete der griechische Sender Mega.

In Brüssel werde nun in „Marathon-Verhandlungen“ daran gefeilt, dass Athen seinen Gläubigern am Montag schließlich doch eine „Liste mit verlässlichen und vollständigen Reformen“ vorlegen könne, meldete die halbamtliche griechische Nachrichtenagentur Ana. Die Verhandlungen würden das ganze Wochenende andauern. Tsipras sagte der Zeitung „Realnews“, es gebe in Europa „Mächte“, die einen „Bruch“ wollten. Letztlich würden sich aber diejenigen durchsetzen, die für einen „ehrlichen Kompromiss“ eintreten.

Die Ratingagentur Fitch sieht Athens Staatsfinanzen unter „extremem Druck“ und senkte die Bonitätsnote für das Land nochmals um zwei Stufen auf „CCC“. Durch die stockenden Verhandlungen habe sich das Pleiterisiko weiter erhöht.  mm/afp

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare