Wie Germanwings die Lufthansa retten soll

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Neue Farbe, größere Flotte: Die Flieger der Lufthansa-Tochter Germanwings übernehmen einen Großteil des Europaverkehrs der Lufthansa. Lufthansa-Chef Franz will so klassenlosen Billigfliegern wie Ryanair Konkurrenz machen. foto: dpa

Lufthansa überträgt einen großen Teil ihres Europaverkehrs auf die Tochter Germanwings. Die hat Kostenvorteile, muss aber auch ihr Billig-Image abstreifen. Von Juli an hebt sie mit neuem Konzept ab.

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Lufthansa überträgt einen großen Teil ihres Europaverkehrs auf die Tochter Germanwings. Die hat Kostenvorteile, muss aber auch ihr Billig-Image abstreifen. Von Juli an hebt sie mit neuem Konzept ab.

von christian ebner

Frankfurt/Köln – Nicht viel weniger als die Rettung des Lufthansa-Konzerns steht im Pflichtenheft des Germanwings-Chefs Thomas Winkelmann. Rund 200 Millionen Euro Ergebnisverbesserung im Jahr soll der Manager bringen, wenn der Direktverkehr der Lufthansa auf die Tochter in Köln verlagert worden ist. Das Projekt ist der dickste Batzen im konzernübergreifenden Programm „Score“, mit dem Lufthansa ihren operativen Jahresgewinn um 1,5 Milliarden Euro steigern will.

Früher mussten Passagiere der Germanwings für jede Semmel extra zahlen. „No Frills“ (keine Kinkerlitzchen) nennen das die Airliner. Von Montag (1. Juli) an will das schon zuvor leicht gewandelte Unternehmen nun ein differenziertes Angebot mit drei Tarifen verwirklichen, das den Billigtouristen ebenso zufriedenstellt wie den Businesskunden. Das Angebot reicht vom reinen Sitz (ab 33 Euro) bis zum Komforttarif „Best“, der Essen unter anderem à la carte, freien Nachbarsitz und mehr Beinfreiheit sowie Lounge-Zugänge und schnelles Check-in beinhaltet – dafür aber auch mindestens 199 Euro kostet.

Gut zahlende Geschäftskunden sind auf den kurzen Strecken der Lufthansa sehr rar geworden, zumal viele nichts mehr dabei fanden, sogar mit ausgesprochenen Billig-Carriern ihre Flugziele zu erreichen. Die Folge für Lufthansa mit hohen Stückkosten waren regelmäßige Verluste im Europa-Verkehr im dreistelligen Millionenbereich. Die neue Germanwings ist die Antwort des Lufthansa-Chefs Christoph Franz und seines Passagechefs Carsten Spohr auf die Herausforderung von Ryanair und Co.

Lufthansa rüstet den 1997 gegründeten Billigflieger Germanwings mächtig auf, um künftig alle Verbindungen in Deutschland und Europa zu fliegen, die nicht über die Drehkreuze München oder Frankfurt gehen. Die bisherige Flotte von 38 Airbus A 319 hat Germanwings bereits auf das neue, freundlichere Erscheinungsbild mit den Hausfarben Gelb und Brombeer umlackieren lassen. Sie werden schrittweise ergänzt mit 23 kleineren Bombardier-Jets der weiterhin bestehen bleibenden Lufthansa-Tochter Eurowings und etwa 30 Airbus-Maschinen aus dem Bestand der Lufthansa selbst.

Die Standorte Köln und Stuttgart sind bereits umgestellt, gerade ist Hamburg dran und Berlin folgt im Winterflugplan. Angeblich steigen bereits die Buchungszahlen und die Durchschnittserlöse. Komplett abgeschlossen sein soll die Operation Ende 2014, wenn auch in Düsseldorf nur noch die Langstrecke von der Lufthansa bedient wird.

Die Kosten der Germanwings pro Passagierkilometer liegen zwischen 20 und 30 Prozent unter denen der Lufthansa-Classic. Nicht zuletzt das schlechter bezahlte Personal trage dazu bei, sagt der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Nun kämen zusätzliche Belastungen auf die Flugbegleiter zu, etwa in der aufwendigen Betreuung der Best-Kunden. „Die Lufthansa verdoppelt bis verdreifacht den Personalschlüssel in der Business-Klasse, bei Germanwings soll es das alte Team richten.“

Die Gewerkschaft verlangt Ausgleich und Zulagen, während Lufthansa erst einmal die schwarzen Zahlen erreichen will. Nur wenige Tage nach Start der neuen Germanwings könnte daher bereits der erste Streik ins Haus stehen: Ufo hat bereits die Urabstimmung eingeleitet, die Anfang Juli ausgezählt wird.

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