Gerade für Kinder dürfen es Aktien sein

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Sparen für Kinder ist in den allermeisten Fälle langfristig angelegt. Damit am Ende ein hübsches Sümmchen zusammenkommt, sollten es nicht nur kaum verzinste Spargelder sein. Diese gleichen nicht einmal die Inflation aus. panthermedia

Viele Eltern oder Großeltern überlegen, wie sie für Kinder und Enkelkinder finanziell vorsorgen können. Zum Beispiel, damit zum 18. Geburtstag eine lange Reise, ein Zuschuss zum Studium oder der Führerschein drin sind. Wir erklären, welche Anlagen sinnvoll sind.

sparen

von Caroline Benzel

Kinder sind nicht nur ein Geschenk für Eltern, Großeltern und den Rest der Familie. Kinder kosten im Laufe ihres Heranwachsens auch viel Geld. Auslandsaufenthalte, Sprachkurse, Studium, Ausbildung – all das muss bezahlt werden. „Der beste Zeitpunkt, Geld für Kinder anzulegen, ist direkt nach der Geburt“, sagt Ralf Scherfling, Finanz-Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Je länger die Laufzeit ist, desto geringer kann die Sparrate sein und umso eher kann man Renditechancen auf Aktienmärkten nutzen.“

Indexfonds

„Wer frühzeitig Geld anlegt und eine gute Rendite erzielen will, ist mit der Anlage in Indexfonds gut beraten“, so Scherfling. Indexfonds (ETFs) bilden Aktienindizes wie den Dax oder Dow Jones nach. Um das zu erreichen, investieren die Fonds in die dem Index zugrunde liegenden Wertpapiere im gleichen Verhältnis wie der Index. Der Vorteil von Indexfonds: Sie müssen nicht aktiv verwaltet werden, weshalb die Gebühren für die Anleger überschaubar sind. Außerdem erlauben solche Fonds eine sehr breite Streuung, die das Risiko einzelner Aktien stark vermindert. So investiert zum Beispiel der Aktienindex MSCI All World in 10 600 Aktien aus 23 Industrieländern.

Robo-Advisor

Eine interessante Alternative zu Indexfonds sind sogenannte Robo-Advisor. Das sind Programme, die anhand eines Algorithmus Anlageentscheidungen treffen. Die Verwaltungskosten sind mit weniger als einem Prozent der Anlagesumme sehr gering. Die Geldanlage folgt einem einfachen und standardisierten Muster. Der Anleger wird auf den Internetseiten der Unternehmen unter anderem nach Risikoneigung, Alter, Zielrenditen und finanziellen Verhältnissen gefragt. Aus den Daten ermittelt der Computer dann das Anlageprofil und schlägt die Investmentprodukte vor. Je höher der Aktienanteil, umso höher die Renditechancen. Im Jahr 2017 konnte beispielsweise Visualvest mit „VestFolios“ eine Rendite von 11,38 Prozent bei einer Aktienquote von 75 Prozent erzielen.

Eltern oder Großeltern, die direkt nach der Geburt Geld für ihre Kinder anlegen, sollten deshalb ruhig chancenorientiert, mit einer hohen Aktienquote anlegen. Wichtig ist nur, das Geld wenige Jahre vor der gewünschten Auszahlung in eine sichere Geldanlage umzuschichten. Einige der automatisierten Anlageberater haben spezielle Depots für Kinder im Angebot. Dazu gehören Ginmon, Liqid, Scalable Capital und Visualvest. Sparpläne zwischen fünf und 100 Euro im Monat bieten zudem Whitebox, Vaamo, Fintego und Quirion an.

Bausparen

Wenn Kinder zwischen 16 und 25 Jahre alt sind, ist ein Bausparvertrag empfehlenswert. Der Grund: In diesem Alter haben Sparer Anspruch auf die staatliche Wohnungsbauprämie und können nach der Zuteilung frei über das Guthaben verfügen, ohne dass sie ein Immobiliendarlehen aufnehmen müssten. Das geht aber nur einmal und nur bei Bausparern unter 25 Jahren. Der maximal geförderte Sparbeitrag liegt bei 512 Euro pro Jahr. Darauf zahlt der Staat eine Prämie von 8,8 Prozent. Wer 43 Euro im Monat spart, bekommt eine 13. Einzahlung im Jahr als Prämie dazu, nämlich 45 Euro. Einige Anbieter offerieren jungen Leuten zusätzliche Bonuszinsen oder verzichten auf eine Abschlussgebühr.

Versicherungen

Bei Versicherungslösungen für Kinder ist es oft wie in der Lebensmittelindustrie: Nur weil „Kind“ draufsteht, bedeutet es nicht, dass das Produkt auch gut ist. Von Ausbildungs- und Rentenversicherungen für Kinder ist grundsätzlich abzuraten. Die Produkte sind viel zu teuer und unflexibel, als dass sie als Anlageform geeignet wären. Eltern sollten lieber selbst eine Risikolebensversicherung abschließen, damit ihre Kinder im Unglücksfall abgesichert sind.

Sparkonten

Im momentanen Zinsumfeld sind Sparkonten zum Vermögensaufbau nicht geeignet, wohl aber dazu, kleine Geldgeschenke anzulegen. Dazu kommen Giro-, Spar- und Tagesgeldkonten infrage. Bei Giro- und Tagesgeldkonten können Kinder jederzeit Geld abheben. Bei Sparbüchern und Sparkonten gibt es unterschiedliche Regelungen. Beim Tagesgeld lohnt sich ein Vergleich der Angebote verschiedener Banken besonders.

Festgeld

Festgeldkonten kommen infrage, wenn Eltern oder Großeltern einen bestimmten Betrag für eine bestimmte Zeit (zwischen einem Monat und zehn Jahren) anlegen wollen. Derzeit ist aber nicht empfehlenswert, Geld lange anzulegen, weil man damit die derzeit niedrigen Zinsen auf einen langen Zeitraum festschreibt. Experten gehen davon aus, dass sich die Niedrigzinszeiten allmählich dem Ende zuneigen. Länger als zwei Jahre sollte man deshalb kein Sparprodukt abschließen. Festgeld gilt zwar als sehr sicher, doch man sollte beachten: Damit lässt sich derzeit nicht einmal die Inflationsrate schlagen. Es gibt also einen Kaufkraftverlust.

Inhaberfrage

Bleibt die Frage, auf wessen Namen das Geld für einen Minderjährigen angelegt werden soll. Gerade wenn Verwandte und Freunde auch Geld für das Kind einzahlen möchten, ist es sicherer, das Konto oder Sparprodukt auf den Namen des Kindes zu eröffnen. Damit ist gewährleistet, dass das Geld dem Kind zur Verfügung steht und nicht etwa von den Eltern angegriffen werden kann. Andererseits besteht das Risiko, dass Kinder das Geld anders ausgeben, als sich die Verwandtschaft das wünschen würde.

Als Kompromiss können Eltern einen Teil des Geldes auf den Namen des Kindes, den anderen auf den Namen der Eltern anlegen. Was für eine Geldanlage auf den Namen des Kindes spricht: Die Kapitalerträge werden auf mehrere Personen verteilt, sodass auch jeder einzeln den Sparerpauschbetrag von jährlich 801 Euro geltend machen kann.

Mehr Informationen

zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 50 (1 Minute = 0,62 Euro/ sechs Seiten) bis 16. März. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Oder senden Sie einen mit 0,85 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Geldanlage für Kinder“ an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf

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