Gebühren fürs Geldabheben

Nicht mehr kostenlos: Einige Sparkassen berechnen ihren Kunden jetzt Gebühren, wenn diese Geld an ihren Automaten abheben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa
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Nicht mehr kostenlos: Einige Sparkassen berechnen ihren Kunden jetzt Gebühren, wenn diese Geld an ihren Automaten abheben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa

Einige Sparkassen haben nach einer Untersuchung das kostenlose Geldabheben am Automaten eingeschränkt. Bei über 40 der knapp 400 Institute fallen je nach Kontomodell Gebühren von bis zu einem Euro an. Das ergab eine Untersuchung des Finanzportals Biallo.

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von horst biallo

Vor 20 Jahren haben die Sparkassen ihren Kunden die gebührenfreie Geldversorgung über ihr Sparkassen-Netz ermöglicht. Doch jetzt müssen Kunden wieder Gebühren zahlen, wenn sie an ihr Geld kommen wollen.

In einer 60-seitigen, sicher nicht ganz billigen Hochglanzbroschüre, die an alle Haushalte per Post versandt wurde, feiert die Sparkasse Erding-Dorfen sich selbst. Gleich auf der zweiten Seite verweisen die Vorstände auf einen Test der Tageszeitung „Die Welt“. Die hatte ihr die Gesamtnote „sehr gut“ gegeben. Für die Kundenberatung sowie die „günstigen Preise und Konditionen“.

Da haben die Tester versäumt, sich einmal das Preis-Leistungsverzeichnis näher anzusehen. Denn die Preise für die Girokonten, Überziehung und andere Leistungen sind im Vergleich zu anderen Sparkassen höchstens mittelmäßig. Und was noch schwerer wiegt: Wer sich als Kleinverdiener für das Kontomodell „Giro Klassik“ entscheidet, für den ist es mit der uneingeschränkten kostenlosen Bargeldversorgung an Geldautomaten dieser Sparkasse im Norden von München genauso vorbei wie an den rund 27 000 anderen Geldautomaten der übrigen knapp 400 Sparkassen in Deutschland.

Wer sich am Schalter Geld auszahlen lässt, bekommt das nur zweimal im Monat kostenlos. Danach sind jedes Mal 29 Cent zu zahlen. An den Geldautomaten sind vier Abhebungen frei. Dann wird der gleiche Betrag fällig. Bei den Kunden sorgt das für Ärger. Sparkassen-Kunde Oliver Pyttlik etwa, der das Kontomodell „Klassik“ hat, sagt: „Mir war noch gar nicht klar, dass da extra kassiert wird. Das ärgert mich. Da steht ein Gespräch mit der Kundenberaterin an. Notfalls kündige ich das Konto.“

Gebühren werden bei 43 Sparkassen fällig

Das regionale Institut ist aber kein Einzelfall. Das Finanzportal Biallo hat in den vergangenen Wochen die Gebühren aller knapp 400 Sparkassen Deutschlands genau unter die Lupe genommen. 23 davon gehen wie die Erdinger vor. Sie gewähren ihren Kunden im Monat zwischen zwei und fünf kostenlosen Abhebungen am Geldautomaten. Danach muss gezahlt werden. Und noch einmal 20 Sparkassen sind noch kunden-unfreundlicher und kassieren gleich beim ersten Mal. Dafür vier Beispiele:

-Die Sparkasse Wittgenstein gewährt ihren Kunden zwar einerseits fünf kostenlose Bargeldabhebungen am Automaten. Danach wird jedoch jedes Mal ein Euro fällig.

-Die Sparkasse Rottach-Inn erlaubt ihren Kunden nur zweimal im Monat den kostenlosen Service am Automaten. Danach kostet das Geldabheben immer 50 Cent.

-Sofort 50 Cent verlangen die Sparkassen in Grebenstein und Bad Sachsa.

Mehr als zehn Prozent aller deutschen Sparkassen kassieren also bereits, wenn ihre Kunden über den Automaten an ihr Geld wollen. Die Zahl der roten Geldhäuser jedoch, die immer dann Gebühren abgreifen, wenn der Kunde am Schalter an sein Geld will, ist noch deutlich höher.

Verbraucherschützer üben Kritik

Ist das erst ein Anfang? Werden die anderen nachziehen? „Das ist zu befürchten“, meint Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. Deshalb sei es wichtig, dass dieses Verhalten nicht kritiklos hingenommen wird. Und ihr Kollege aus Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, meint lakonisch: „Die Banken scheinen immer kreativer zu werden, um Preiserhöhungen mit Verweis auf die angeblich politisch gewollte Niedrigzinsphase durchsetzen zu können.“ Biallo hat einige der betreffenden Sparkassen kontaktiert. Eine wichtige Frage war: „Zeigen Ihre Geldautomaten bei Bargeldabhebungen Ihrer Kunden diese neue Gebühr eigentlich an?“ Damit diese gewarnt sind, wie dies seit einigen Jahren bei Geldabhebungen mit der EC-Karte bei fremden Kreditinstituten in Deutschland Pflicht ist. Keine der neun angeschriebenen Sparkassen reagierte laut Biallo auf die Anfrage.

Gebühren variieren je nach Kontomodell

Der Sparkassen- und Giroverband betont seinerseits: „Das Abheben an einem der rund 25 000 Geldautomaten der Sparkassen ist für Kunden der Sparkassen natürlich nach wie vor kostenlos.“ Nur wer ein entsprechendes Kontomodell wähle, zahle wie bei anderen Instituten auch Gebühren für Abbuchungen.

Verbraucherschützerin Heyer meint, dass hier „die Politik gefordert“ sei. Und was sagt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz zu diesen Gebühren, die nach 20 Jahren nun fröhlich Wiederauferstehung feiern? „Es obliegt selbstverständlich jedem Kunden und jeder Kundin, nach einer Erhöhung von Entgelten selbst zu entscheiden, ob der Wechsel zu einer anderen Bank für sinnvoll erachtet wird“, so dessen Pressesprecherin Josephine Steffen.

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