Gaspreise bleiben trotz Ukraine-Krise stabil

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Die Gaspreise kannten bislang meist nur eine Richtung: nach oben. foto: Dpa

Trotz der sich zuspitzenden Ukraine-Krise bleiben die Einkaufspreise für deutsche Gasanbieter auf dem Weltmarkt bislang erstaunlich stabil. Russisches Gas wurde jüngst sogar billiger – doch bei Bayerns Kunden kommt davon einstweilen nichts an.

Energie

Trotz der sich zuspitzenden Ukraine-Krise bleiben die Einkaufspreise für deutsche Gasanbieter auf dem Weltmarkt bislang erstaunlich stabil. Russisches Gas wurde jüngst sogar billiger – doch bei Bayerns Kunden kommt davon einstweilen nichts an.

Von tobias lill

München – Die Meldungen aus dem Osten der Ukraine werden von Tag zu Tag immer bedrohlicher: Mit dem angeblichen Eingreifen russischer Truppen in den Krieg, droht sich auch der Konflikt zwischen Russland und dem Westen weiter zuzuspitzen. Seit Monaten warnen Analysten vor den Folgen der wechselseitig zwischen Europa und Russland verhängten Wirtschaftssanktion und der zunehmenden Marktunsicherheit – groß war bislang vor allem die Angst vor steigenden Gaspreisen. Schließlich importiert die Bundesrepublik mehr als ein Drittel ihres Gases aus dem einstigen Zarenreich.

Doch die Furcht vor einem Gasstreit hat sich bislang als unbegründet erwiesen. Die Preise, zu denen deutsche Unternehmen den Rohstoff auf dem Weltmarkt einkaufen, sind stabil und waren zum Teil jüngst sogar deutlich gesunken. Insgesamt bezahlte Deutschland im ersten Halbjahr 2014 gut 12 Milliarden Euro für Gas aus allen ausländischen Quellen; im Vorjahreszeitraum waren es 14,5 Milliarden Euro. Der Importpreis ist auf den niedrigsten Stand seit 2010 gefallen.

So verbilligten sich russische Gaslieferungen zuletzt sogar deutlich. Denn diese sind langfristig vereinbart und die Preisformel sieht vor, dass man sich mit einiger Verzögerun gan den Preisen für Öl und Ölprodukten orientiert. Doch das gilt nicht mehr ohne Einschränkung. Zu Beginn des Jahres senkte Gazprom den Preis für Gaslieferungen ins Ausland um elf auf 272 Euro je 1000 Kubikmeter, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die deutschen Abnehmer von Gazprom haben schon mehrfach in Nachverhandlungen Preissenkungen erreicht, weil der Gazprom-Preis andernfalls nicht mehr marktgerecht gewesen wäre.

Entlastend auf den deutschen Gasmarkt wirkt auch: Der Verbrauch des Brennstoffs ging durch den milden Winter im ersten Halbjahr gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um fast ein Fünftel zurück. Die Gasspeicher sind derzeit zu 88 Prozent gefüllt. Und auch der Boom des Flüssiggases sorgt für stabile Importpreise.

Beim Verbraucher ist davon jedoch noch nicht viel angekommen, die Preise für Privatkunden hatten sich vor den Sommerferien kaum noch bewegt. „Jedes Unternehmen hat seine eigene Beschaffungsstrategie und damit sind auch die Spielräume unterschiedlich“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID. „Aber warum sollte jemand etwas tun?“ Für die Unternehmen ist es eine angenehme Situation, wenn die Kosten sinken und die Erlöse gleich bleiben. Die Verbraucher müssen sich Wiek zufolge derzeit immerhin nicht vor steigenden Preisen fürchten. Außerdem haben laut dem Online-Portal „preisvergleich.de“ aktuell knapp zwei Dutzend deutsche Gasanbieter angekündigt, die Preise für den Endkunden im September oder Oktober senken zu wollen. Die Firma SÜC Energie und H2O aus Coburg verbilligt ihren Preis sogar um stolze 11,5 Prozent – weitere Anbieter aus dem Freistaat sind jedoch nicht unter den Unternehmen, die ihre Preise bereits in diesem Jahr absenken wollen.

Auch bei einer Umfrage unserer Zeitung unter in Oberbayern besonders aktiven Unternehmen, wollte sich kein Anbieter auf eine Preisgarantie oder sogar Senkung für das kommende Jahr festlegen. So teilten etwa die Stadtwerke München mit, über Preisanpassungen entscheide man „marktnah“. Ähnlich äußerte sich Eon, das nach wie vor besonders viele Gaskunden in Oberbayern hat. Eine Konzernsprecherin verwies allerdings darauf, dass Eon bis Ende des Jahres keinesfalls die Preise erhöhen werde. Dazu, ob eine baldige Preissenkung angedacht sei, wollte sie sich nicht äußern.

Kunden, die eine Preisgarantie bis März 2017 wollten, könnten sich diese durch einen Sondervertrag sichern. Preiserhöhungen seien dann auch ausgeschlossen, wenn durch die Krise in der Ukraine der Gaspreis mittelfristig massiv steigen sollte. Allerdings muss der Kunde laut Eon für dieses Angebot mehr zahlen als für die Standardverträge.

Bei Energie Südbayern will man sich erst im vierten Quartal entscheiden, wie sich die Gaspreise weiterentwickeln werden. Dies hänge etwa „von der weiteren politischen Entwicklung sowie den Wetterprognosen für den Winter ab“, heißt es dort. Auch ein RWE-Sprecher sagte auf Nachfrage, man wolle zumindest bis Anfang 2015 die Preise unverändert lassen.

Die gute Nachricht für die Kunden: Zumindest verzichten die großen Anbieter bislang auf Preiserhöhungen. Die Gaspreise seien stabil, so Florian Krüger vom Verbraucherportal Verivox. Der Index für die Gas-Verbraucherpreise, den Verivox relativ aufwendig bei den mehr als 700 deutschen Versorgungsunternehmen ermittelt, hat sich in diesem Jahr nur wenig verändert.Er steht aktuell bei 6,52 Cent je Kilowattstunde (bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden), gegenüber 6,57 Cent zum Ende des Vorjahres.  mit Material von dpa

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