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Die Fußball-WM am Arbeitsplatz

recht . Fußball-WM-Zeit ist Fernseh- und Fanzeit.

Worauf man als Arbeitnehmer in den kommenden Wochen achten sollte, erklärt Christopher Wiencke, Rechtsanwalt im Berliner Büro der globalen Wirtschaftskanzlei Dentons, im Interview. Er hat auch Tipps für Arbeitgeber.

-Die WM 2018 findet in fast der gleichen Zeitzone statt, es gibt hierzulande also keine Vormittags- oder Mittagsspiele wie bei früheren Turnieren. Kommoder Terminplan – doch ein deutsches 17-Uhr-Spiel kann in die Regelarbeitszeit fallen, und wer Schicht hat, verpasst vielleicht das 20-Uhr-Match. Wie ist das: Darf man während der Arbeit trotzdem schauen?

Man hat als Arbeitnehmer keinen Anspruch auf „fußballfrei“. Der Arbeitgeber gibt grundsätzlich mittels seines Direktionsrechts die Arbeitszeiten vor. Man hat auch keinen Anspruch darauf, das Spiel auf einem (zweiten) Bildschirm zu streamen, denn man schuldet seine Arbeitskraft. Beim Streamen kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine konzentrierte und sorgsame Erbringung der Arbeitsleistung erfolgt.

-Und wenn ich versteckt einen Liveticker laufen habe, um wenigstens zu sehen, wie es steht?

Das ist eine rechtliche Grauzone. Zulässig ist es, wenn die private Internetnutzung gestattet ist und wenn es mich nicht ablenkt, ich also alle halbe Stunde mal nachsehe, wie der Stand ist. Ein exzessiver Gebrauch ist nicht gestattet. In den Arbeitspausen darf ich den Liveticker ohnehin verfolgen.

-Sollte, wer nichts verpassen will, seinem Chef anbieten, die durch den Fußball verloren gehende Zeit durch früheres Antreten oder späteres Nacharbeiten reinzuholen?

Hat man flexible Arbeitszeiten, kann man dies in der Regel selbst so handhaben. Ansonsten ist die klare Empfehlung, dass der Arbeitgeber klare Anweisungen erteilt, ob die Mitarbeitenden früher oder später arbeiten sollen – oder er ihnen die zwei Stunden „schenkt“. Die Arbeitnehmer sollten kommunizieren und fragen: Dürfen wir gemeinschaftlich im Pausenraum gucken, dürfen wir streamen? Einfach die Arbeit zu vernachlässigen, wäre eine Pflichtverletzung, die regelmäßig eine Abmahnung rechtfertigt – die Gelbe Karte. Die Rote Karte, die Kündigung, wäre jedoch nur in extremen Fällen wirksam.

-Im Rundfunkstaatsvertrag ist geregelt, dass die deutschen Spiele einer Fußball-Weltmeisterschaft von so hohem Interesse sind, dass sie im frei zugänglichen Fernsehen laufen müssen und nicht hinter einer Bezahlschranke verschwinden dürfen. Auf diese hohe Wertschätzung der WM könnte sich ein Arbeitnehmer doch auch beziehen und argumentieren, dass er ein Recht hätte, das Spiel jetzt zu sehen?

Das ist durchaus ein Argument. Es gibt sogar eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts aus den 80er-Jahren, in der festgestellt wurde, dass die Fußball-Weltmeisterschaft ein besonderes gesellschaftliches Ereignis ist und man das Recht hat, diese am Radio zu verfolgen, sofern Kollegen und Kunden nicht gestört werden. Die Begründung: Radio lenkt weniger ab als bewegte Bilder. Ob das tatsächlich so ist, wenn ich mit meiner Mannschaft mitfiebere, kann bezweifelt werden... Ein Recht auf Radiohören besteht jedoch nicht. Auch hier ist daher eine klare vorherige Kommunikation zu empfehlen.

-Wenn private Internetnutzung im Büro erlaubt ist, müsste es aber zulässig sein, das Spiel zu streamen.

Auch dann ist das Streamen nur mit Genehmigung des Arbeitgebers und nur auf den offiziellen Seiten und nicht auf semilegalen Seiten aus dem Ausland erlaubt.

-Darf der Arbeitnehmer während der WM im Trikot zur Arbeit kommen?

Das darf er grundsätzlich, solange es keine verbindliche, etwa in einer Betriebsvereinbarung geregelte Kleidungsordnung oder eine gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung gibt. Als Backoffice-Mitarbeiter darf ich grundsätzlich im Deutschland-Trikot erscheinen. Der klassische Bankangestellte, der vorne am Schalter steht, dürfte es nicht – es sei denn, die Bank ist Hauptsponsor bei einem Event oder Team und macht es zur werblichen Vorgabe.

-Nehmen wir an, in einem Betrieb wird die Regelung geschaffen, dass man die Spiele der deutschen Mannschaft sehen darf – kann dann der kroatische oder tunesische Mitarbeiter das gleiche Recht für die Spiele seines Teams in Anspruch nehmen?

Zwar gilt grundsätzlich der sogenannte arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz. Es steht jedoch im Ermessen des Arbeitgebers, ob er die Arbeitszeit entsprechend flexibilisiert oder bestimmte Events veranstaltet. Daher könnten Arbeitnehmer zwar entsprechende Wünsche äußern, ein Anspruch dürfte im Grundsatz jedoch nicht bestehen.

-Knifflig: Wenn ich einen Dienstwagen fahre – darf ich ihn während der WM schmücken? Mit den Rückspiegel-Überziehern in Landesfarben, mit Girlanden oder einem Fähnchen, das aus dem Fenster flattert?

Es kommt zum einen darauf an, welche Dienstwagen-Policy im Betrieb vorgegeben ist und was im Vertrag steht. Ist es ein Werbefahrzeug, mit welchem Kunden aufgesucht werden, ist das sicherlich kritischer. Ist es ein Fahrzeug, bei dem der Bezug zur Firma nicht offensichtlich ist, hätte ich keine Bedenken, solange die Zeichen keinen angreifen – was bei einem Rückspiegel-Überzieher oder einer Deutschland-Fahne nicht der Fall ist.

-Wie sollte man in einem Betrieb in WM-Fragen grundsätzlich miteinander umgehen?

Offen kommunizieren, direkt fragen, sich auch darüber verständigen: Gibt es Getränke? Und wenn ja, auch alkoholische? Wobei – abhängig vom Beruf – nicht jeder trinken darf. Ärzte zum Beispiel. Auch die Zulässigkeit von Tippspielen sollte man regeln. Während der Pausenzeit können sie aber nicht verboten werden, in der Arbeitszeit sollte man seine Tipps nicht eintragen.

-Spezialfall: Der Arzt sollte bei der Operation kein Fußballspiel laufen lassen?

Es gibt den einen oder anderen Arzt, der während der OP Musik laufen hat. Doch das Fußballspiel über Radio zu verfolgen, sollte er tunlichst unterlassen.

-Einige wenige glückliche Menschen werden vielleicht kurzfristig Tickets für ein WM-Spiel gewinnen...

Grundsätzlich muss der Arbeitgeber dem Urlaubsantrag seines Arbeitnehmers entsprechen. Allerdings können betriebliche Belange einer kurzfristigen Urlaubsgewährung entgegenstehen. Denn: In einigen Bundesländern sind in der zweiten WM-Hälfte schon Sommerferien, da mag es den Fall geben, dass die Kollegen mit Kindern schon in Urlaub sind und die Produktion keine weiteren Absenzen verträgt. Da könnte es für den Mitarbeiter schwierig werden.

-Ist eine Fußball-WM ein klassischer Konfliktherd in der Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern?

Nicht zwingend. In der Regel sind die Arbeitgeber ja auch fußballinteressiert, und da kann das WM-Erlebnis dazu dienen, das Klima zu verbessern. Also sollte sich der Arbeitgeber gut überlegen, wie hart er auf sein Recht pocht und dadurch womöglich der Atmosphäre im Unternehmen schadet. Gleichwohl sind klare Anweisungen und die gegebenenfalls erforderliche frühzeitige Beteiligung der Arbeitnehmervertretungen zu empfehlen.

Das Interview führte Günter Klein

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