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Führt Leibrente zur Steuerpflicht?

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Prof. Dr. Michael ReitsamSteuerberaterMünchen

Kurt F.: „Nach Rücksprache mit unserem Steuerberater müssen wir keine Steuererklärung abgeben, da die Rente von meiner Frau und mir nicht über dem Höchstbetrag liegt. Aber wir haben unser Haus auf Leibrente vergeben und beziehen daraus einen monatlichen Betrag in Höhe von 960 Euro. Wir sind jetzt unsicher und fragen an: Stimmt die Aussage unseres Steuerberaters?“

Als Nichtarbeitnehmer sind Sie und Ihre Frau nur dann zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte den doppelten Grundfreibetrag (2016: 17 304 Euro) übersteigt. Ihre Rente ist dabei nur mit dem steuerpflichtigen Teil zu erfassen. Seit dem 1. Januar 2005 sind Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung teilweise steuerpflichtig. Abgezogen von der Bruttorente wird zunächst der steuerfreie Rentenfreibetrag. Dieser wird nach dem Jahr des Rentenbeginns und der anfänglichen Jahresbruttorente ermittelt. Der steuerpflichtige Teil der Rente beträgt bei Rentenbeginn in 2005 oder früher 50 Prozent. Mit jedem späteren Jahr des Renteneintritts steigt der steuerpflichtige Anteil um zwei Prozent. Bei einem Renteneintritt ab 2040 sind dann die gesetzlichen Renten zu 100 Prozent steuerpflichtig.

Ihr steuerfreier Rentenfreibetrag wurde also bei erstmaligem Bezug Ihrer Rente ermittelt. Lediglich die Differenz aus Bruttorente und steuerfreiem Rentenfreibetrag geht in den oben genannten Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte ein. Darüber hinaus dürfen Sie noch einen Pauschbetrag von 102 Euro abziehen. Der Verkauf Ihres Hauses ist grundsätzlich nicht steuerpflichtig und daher auch nicht in den Gesamtbetrag der Einkünfte einzubeziehen, wenn Sie die Immobilie länger als zehn Jahre bis zum Verkauf gehalten haben.

Da Sie die Immobilie allerdings gegen eine Leibrente verkauft haben, steckt in den Rentenzahlungen auch ein steuerpflichtiger Zinsanteil. Das Steuergesetz spricht von dem sogenannten Ertragsanteil. Dieser bestimmt sich nach Ihrem Alter bei Beginn der Leibrente. Waren Sie zum Beispiel bei Beginn der Leibrente bereits 65 oder 66 Jahre alt, beträgt der Ertragsanteil 18 Prozent. Sie müssten dann 18 Prozent der Leibrente zu dem oben genannten Gesamtbetrag der Einkünfte zählen. Der Ertragsanteil ist höher, wenn Sie bei Leibrentenbeginn jünger als 65 waren, beziehungsweise geringer, wenn Sie bei Leibrentenbeginn bereits älter als 67 waren. Erst wenn Sie mit dem Ertragsanteil Ihrer Veräußerungsleibrente und dem steuerpflichtigen Teil Ihrer gesetzlichen Rente zusammen über 17 304 Euro kommen, müssen Sie für 2016 eine Steuererklärung einreichen.

Fragen Sie gerne Ihren Berater, wie hoch diese steuerpflichtigen Einkünfte sind. Nur wenn Sie verstanden haben, warum Ihr Berater etwas macht oder nicht macht, können Fehler und Missverständnisse vermieden werden. Unsere Aufgabe als Steuerberater ist es daher auch, Mandanten komplexe Regelungen so zu erklären, dass sie zu verstehen sind, auch wenn man sich nicht jeden Tag mit dieser Materie auseinandersetzt. Dies unterscheidet uns aber auch nicht von einem guten Arzt oder Bankberater.

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