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Erste Banken verkaufen keine Aktien mehr

INTERVIEW MIT JÜRGEN GROS, VORSTAND DES GENOSSENSCHAFTSVERBANDS BAYERN

Nicht nur Sparer, auch Banken leiden unter den niedrigen Zinsen. Dazu kommt die zunehmende Regulierung, mit der vor allem kleine Institute zu kämpfen haben. Wir sprachen mit Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, über Fusionen, Filialschließungen und darüber, warum erste Institute aus dem Wertpapiergeschäft aussteigen.

-Anfangs waren es nur die Großbanken, aber jetzt machen auch immer mehr Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Filialen zu. Ziehen Sie sich nun doch aus der Fläche zurück?

Der Trend geht weiter zu einer Konsolidierung der Filial-infrastruktur. Aber das geschieht bei uns auf einem sehr hohen Niveau. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben nach wie vor das dichteste Filialnetz in Bayern.

-Wie viele Filialen haben Sie denn?

Die Mitgliedsinstitute des GVB betreiben rund 2400 mit Mitarbeitern besetzte Bankstellen. Dazu kommen etwa 3650 Geldautomaten.

-Es werden weniger.

Das stimmt. Im Vorjahr waren es noch 2560 Filialen. Aber die Kunden kommen nicht mehr wegen jeder Standardtransaktion in die Geschäftsstelle. Überweisungen oder Daueraufträge regeln sie zu Hause am PC oder unterwegs mit dem Smartphone.

-Wofür braucht man dann überhaupt noch Filialen?

Vor allem für die Beratung zu komplexen Themen wie Altersvorsorge, Vermögensplanung oder Finanzierungen. Insbesondere letztere lassen sich allenfalls in Teilen digitalisieren. Eine physische Präsenz in der Fläche ist dafür nach wie vor sinnvoll. Im Übrigen ist es keineswegs so, dass nur Filialen geschlossen werden. Es kommen immer wieder neue dazu. Wenn zum Beispiel ein neues Gewerbegebiet erschlossen oder eine neue Wohnsiedlung gebaut wird.

-Generell geht es aber in die andere Richtung. Was erwarten Sie 2018 an Schließungen und Fusionen?

Der Fusionstrend hat sich deutlich verlangsamt. Wir hatten letztes Jahr 16 Zusammenschlüsse von Banken, heuer werden es voraussichtlich acht sein. 2019 rechnen wir derzeit mit sechs bis acht Fusionen.

-Zeichnet sich in Oberbayern eine Fusion ab?

Nein, das Fusionsgeschehen spielt sich aktuell in anderen Regierungsbezirken ab.

-Und Filialschließungen?

Die Konsolidierung wird weitergehen, aber auf einem niedrigeren Niveau als in den vergangenen Jahren.

-Man kann ja mittlerweile auch Geld an der Supermarkt-Kasse ausbezahlen lassen. Ist das eine Konkurrenz für Sie?

Das ist nicht das Thema. Mich stört, dass an Banken enorme Anforderungen in Hinblick auf die Bargeldsicherheit gestellt werden. Wenn Sie Geld einzahlen, darf das nicht gleich in den Geldautomaten gefüllt werden. Zunächst müssen die Banken Scheine und Münzen intensiv auf Echtheit prüfen. Das kostet viel Geld. Supermärkte hingegen nehmen das Geld ein, legen es in die Kasse und reichen es an den nächsten Kunden wieder aus. Diese Ungleichbehandlung sorgt schlicht dafür, dass Banken gegenüber Supermärkten deutlich höhere Kosten für die Bargeldlogistik haben.

-Genossenschaftsbanken sind meistens relativ klein. Ist so eine Struktur überhaupt zukunftsträchtig?

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken kommen mit ihrer Größe hervorragend zurecht. Sie haben mit AA- ein ausgezeichnetes Rating und liegen damit ganz vorne. Dazu kommt die mit 8,6 Prozent höchste Eigenkapitalrendite nach Steuern im deutschen Bankensektor. Und die Kreditgenossenschaften gewinnen in Bayern Marktanteile dazu. Im Kreditgeschäft zum Beispiel haben sie bei Firmen einen Marktanteil von 20 Prozent, bei Privatkunden sogar von 25 Prozent. Jeder vierte Euro, der als Kredit vergeben wird, kommt im Privatkundengeschäft also von einer Volksbank und Raiffeisenbank.

-Sie haben die gute Verfassung der Genossenschaftsbanken hervorgehoben. Da schmerzt Sie sicher der Gedanke an eine gemeinsame europäische Einlagensicherung, oder?

Das macht mir tatsächlich große Sorgen.

-Was befürchten Sie?

Ich befürchte eine unreflektierte Diskussion darüber, was Europa alles richten soll. Dabei gerät aus dem Blick, dass die einzelnen Eurostaaten eigenverantwortlich ihre Hausaufgaben erledigen und damit die Voraussetzungen für weitere Überlegungen auf europäischer Ebene schaffen sollten.

-Welche denn?

Zum Beispiel: der Abbau von Altlasten in den Bankbilanzen. Wir reden hier über faule Kredite in Höhe von rund 900 Milliarden Euro, die vor allem in Südeuropa liegen. Ich bin dagegen, diese ausfallgefährdeten Engagements auf die europäische Gemeinschaft abzuwälzen. Es wäre schlicht falsch, wenn ordentlich wirtschaftende Banken in eine Solidarhaftung mit Banken gezwungen würden, die weniger solide arbeiten. Damit würde man in Deutschland das bewährte Präventivsystem der Genossenschaftsbanken und Sparkassen zugunsten eines nachgelagerten Reparatursystems aufgeben. Das hielte ich für einen massiven Fehler. Der bewährte Sparerschutz in Deutschland funktioniert schließlich seit 80 Jahren.

-Das Thema Regulierung scheint angesichts solcher Projekte gerade ein bisschen an Bedeutung verloren zu haben, stimmt das?

Schön wär’s. Wir haben es aber immerhin geschafft, dass die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hat, die Maßnahmen für den finanziellen Verbraucherschutz auf den Prüfstand zu stellen. Im Rahmen einer Evaluierung soll überprüft werden, welche der zahlreichen Vorschriften den Kunden helfen und welche ihnen schaden.

-Zum Beispiel?

Viele Bankkunden irritieren die Hürden, die sie mittlerweile nehmen müssen, wenn sie Geld bei ihrer Hausbank anlegen möchten. Dazu gehört auch, dass es nicht mehr ohne Weiteres möglich ist, eine Aktienorder am Telefon durchzugeben. Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben schon zahlreiche Kunden registriert, die dann eben keine Wertpapiere mehr kaufen. Und wir haben erste Banken, die aus dem Wertpapiergeschäft aussteigen. Die Beratung und die damit verbundenen Auflagen sind heute so kompliziert, dass manche Institute das nicht mehr betriebswirtschaftlich sinnvoll leisten können.

-Was hat das für Folgen?

Das heißt in der Konsequenz, dass der Kunde mit seinen Bedürfnissen alleine bleibt, in den grauen Finanzmarkt abdriftet oder sich irgendwelchen Anlagerobotern im Internet zuwendet. Da gibt es dann gar keine Beratung, schon gar nicht in die Richtung, dass es vielleicht besser ist, bestimmte Investitionen auch mal zu lassen. So entstehen Servicewüsten und womöglich auch Anlagen zum Nachteil des Kunden.

Zusammengefasst von Corinna Maier

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