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Erblasser kann frei entscheiden

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Dr. Friedrich E. HöslFachanwalt für Erbrecht Fachanwalt für Familienrecht, Miesbach

Wolfgang B.: „Unsere Mutter hat in ihrem Testament ihre beiden Sparbücher, Lebensversicherung und Immobilienfonds aufgelistet (nicht die einzelnen Summen) und möchte die Gesamtsumme auf auf ihre drei Kinder und sieben Enkel aufteilen.

Und zwar folgendermaßen: 35 Prozent Sohn 1, 20 Prozent Sohn 2, 20 Prozent Tochter, Rest auf die sieben Enkel. Beim Tod unseres Vater vor 16 Jahren wurde kein Erbe aufgeteilt, außer bei einem landwirtschaftlichen Grundstück, wo wir drei Kinder jetzt mit im Grundbuch stehen, dieses Grundstück wird im Testament nicht erwähnt. Meine Frage: Ist die obige prozentuale Aufteilung richtig/sinnvoll und werden dadurch die Pflichtteile abgedeckt oder sollte das Testament anders formuliert werden?“

Ein Erblasser ist grundsätzlich frei, wie er seinen Nachlass aufteilt. Daher ist Ihre Frage, ob die prozentuale Aufteilung „richtig“ ist, natürlich nur so zu beantworten, dass es nicht auf eine objektive Verteilungsgerechtigkeit, sondern nur auf den tatsächlichen Willen des Erblassers ankommt. Mit den zugeordneten Quoten von 20 beziehungsweise 35 Prozent für die Abkömmlinge hat Ihre Mutter jedenfalls das Pflichtteilsrisiko abgedeckt, weil auch die benachteiligten Kinder, denen nur 20 Prozent zugedacht ist, testamentarisch mehr erhalten, als ihnen über die Pflichtteilsquote zustünde (dies wären nur 16,66 Prozent). Auch die im Testament vorgesehene Zuteilung nach Bruchteilen ist im Allgemeinen besser als die Zuweisung einzelner Vermögenswerte; denn wer kann schon sicher vorhersagen, dass die einzeln zugewendeten Gegenstände zum Zeitpunkt des Todes noch vorhanden sind? Dennoch braucht man kein großer Hellseher zu sein, um vorherzusagen, dass das Testament mit dem derzeitigen Inhalt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Streit unter den Erben provozieren wird. Deshalb erscheint es ratsam, das Testament zu optimieren. Sollen die Enkel wirklich Miterben werden? Es wäre doch viel besser, die Enkel nur über ein Vermächtnis am Geldvermögen zu beteiligen; dies erleichtert später die Auseinandersetzung des Nachlasses. Und Sie weisen ja selbst darauf hin, dass der Grundstücksanteil der Mutter (die offensichtlich – neben den drei Abkömmlingen – noch hälftige Miteigentümerin des landwirtschaftlichen Grundstücks ist) im Testament nicht erwähnt ist. Aus dem Testament ergibt sich nicht, wer Erbe des Grundstücks wird, jeder Abkömmling zu einem Drittel oder alle im Testament genannten Personen mit den dort genannten Quoten? Dies muss nachgebessert werden. Damit das Testament nicht zu Streitigkeiten führt, sollte sich Ihre Mutter für eine eindeutige Formulierung rechtlichen Rat einholen.

Fragen

richten Sie bitte am besten per E-Mail an geldundmarkt@ovb.net. Postadresse: Redaktion Geld & Markt, Hafnerstraße 5-13, 83022 Rosenheim.

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