Erbfolge mit und ohne Berliner Testament

  • schließen
  • Weitere
    schließen

leser fragen – experten antworten Hans L.

: „Meine Frau und ich haben ein Berliner Testament, in dem wir uns gegenseitig als Erben eingesetzt haben. Außerdem ist bestimmt, falls eines unserer beiden Kinder nach dem Tod des Erstversterbenden seinen Pflichtteilanspruch geltend macht, er nach dem Tod des Letztversterbenden auch nur den Pflichtteil erhält. Meine Frau ist vor kurzem verstorben. Nun haben meine beiden Kinder ihren Pflichtteil beansprucht. Was geschieht nun mit dem vorhanden Grundvermögen nach meinem Tod? Ich habe zwei Enkel und zwei noch lebende Schwestern.“

Kühn: Da ich den genauen Wortlaut Ihres Berliner Testaments und insbesondere der Pflichtteilsstrafklausel nicht kenne, kann die nachfolgende Einschätzung nur die grundsätzliche Rechtslage darstellen. Durch den Verstoß Ihrer Kinder gegen die Pflichtteilsstrafklausel trat die auflösende Bedingung ihrer Einsetzung als Schlusserben ein. Sie sind also als Erben nach dem längerlebenden Ehegatten ausgeschlossen und haben lediglich einen weiteren Pflichtteilsanspruch nach Ihrem Versterben gegen den oder die Erben. Dies wirkt sich regelmäßig auch auf die Abkömmlinge der Schlusserben aus, Ihre Enkel werden also grundsätzlich nicht Ihre Erben.

Sind in einem Berliner Testament keine anderen Schlusserben eingesetzt als die, die den Pflichtteil verlangt haben, kann der überlebende Ehegatte aber auch über seinen Nachlass ohne Bindung an die Schlusserbeneinsetzung im Berliner Testament durch ein neues Testament verfügen. Sie könnten also in einem Testament zum Beispiel auch andere Personen als Ihre Schwestern als Ihre Erben bestimmen.

Machen Sie kein Testament, erben vermutlich Ihre Schwestern nach der gesetzlichen Erbfolge. Der Pflichtteil ist ein reiner Geldanspruch. Das Grundvermögen geht also auf die Erben über, diese müssen den Geldanspruch der Pflichtteilsberechtigten erfüllen.

Christian M.: „Meine Frau und ich sind seit sieben Jahren verheiratet. Aus der ersten Ehe meiner Frau gibt es zwei erwachsene Söhne. Ich habe keine leiblichen Kinder. Wir wollen ein Haus kaufen. Da stellt sich uns die Frage der Erbfolge. Ich habe fünf Geschwister, die wohl erbberechtigt wären. Unser Ziel wäre, dass im Todesfall immer der Ehepartner alleine erbt und erst dann die Söhne meiner Frau das Haus erhalten sollen. Meine Geschwister sollten nichts bekommen. Lässt sich das so gestalten?

Kistler: Ich gehe davon aus, dass Sie keinen Ehevertrag geschlossen haben und deshalb im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben. Falls sie kein Testament errichten, würde bei Ihrem Ableben Ihre Ehefrau ¾ Ihres Nachlasses erben und Ihre Geschwister ¼. Falls Ihre Ehefrau vor Ihnen verstirbt, würden Sie die Hälfte des Nachlasses erben und die Söhne Ihrer Ehefrau die zweite Hälfte. Sie würden mit den Söhnen eine Erbengemeinschaft bilden und müssten sich mit ihnen bzgl. Erbauseinandersetzung einigen. Die Söhne könnten sogar anteilige Miete von Ihnen fordern, falls Ihre Ehefrau Miteigentümerin des Hauses ist.

Um Ihr Ziel zu erreichen, haben Sie unter anderem nachfolgende Möglichkeit: Im Rahmen eines gemeinschaftlichen Testaments können Sie und Ihre Ehefrau sich gegenseitig zu Alleinerben und die Söhne Ihrer Ehefrau als Schlusserben einsetzen. Falls Sie dann zuerst versterben wäre Ihre Ehefrau Alleinerbin. Ihre Geschwister haben keine Pflichtteilsansprüche. Nach dem Tod Ihrer Ehefrau würden die Söhne alles erben. Falls Ihre Ehefrau zuerst verstirbt, sind Sie Alleinerbe, allerdings können die Söhne Ihrer Ehefrau Pflichtteilsansprüche geltend machen. Um die Söhne von der Geltendmachung der Pflichtteilsansprüche abzuhalten, könnte in das Testament eine sogenannte Pflichtteilstrafklausel aufgenommen werden.

Fragen

per Post an die Redaktion Geld & Markt, Hafnerstraße 5-13, 83022 Rosenheim per E-Mail: geld und

markt@ovb.net.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare