Erbansprüche der zweiten Ehefrau Erbe vor der Testamentsvollstreckung

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Klaus Ö.: „Ich bin seit einigen Jahren Witwer und habe zwei erwachsene Töchter. Nach dem Tod meiner Ehefrau habe ich ein handschriftliches Testament verfasst und mein Vermögen auf meine Kinder und Kindeskinder aufgeteilt. Mittlerweile bin ich wieder verheiratet. Das Testament habe ich noch nicht verändert. Wie gestaltet sich der Nachlass nach meinem Tode. Erbt meine Ehefrau nichts oder erhält sie einen Pflichtteil?“

Leser Fragen – Experten AntworTEn

Klaus Ö.: „Ich bin seit einigen Jahren Witwer und habe zwei erwachsene Töchter. Nach dem Tod meiner Ehefrau habe ich ein handschriftliches Testament verfasst und mein Vermögen auf meine Kinder und Kindeskinder aufgeteilt. Mittlerweile bin ich wieder verheiratet. Das Testament habe ich noch nicht verändert. Wie gestaltet sich der Nachlass nach meinem Tode. Erbt meine Ehefrau nichts oder erhält sie einen Pflichtteil?“

ERBANSPRÜCHE DER ZWEITEN EHEFRAU

Ich setze zunächst voraus, dass Sie das neue handschriftliche Testament wirksam verfassen konnten und nicht an ein gemeinschaftliches Testament oder einen Erbvertrag mit Ihrer verstorbenen Frau gebunden sind. Wenn Sie in diesem neuen Testament nur Ihre Kinder und Enkel bedenken, wird Ihre neue Ehefrau damit enterbt. Das bedeutet, ihr stünde für den Fall Ihres Erstversterbens ein Pflichtteilsanspruch gegen die Erben zu. Sofern Sie mit Ihrer Frau keinen Ehevertrag geschlossen haben und im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, beträgt der Pflichtteil ein Achtel des Nachlasswertes.

Daneben hätte sie dann noch Anspruch auf den rechnerisch genauen Zugewinnausgleich. Das wäre der Fall, wenn Sie während der Ehe einen größeren Vermögenszugewinn erzielt hätten als Ihre Frau. Die Hälfte der Differenz zwischen Ihrem Vermögenszugewinn und dem Zugewinn Ihrer Frau stünde ihrer Frau als Zugewinnausgleich zusätzlich zum Pflichtteil zu.

Claudia G.: „Laut Testament meines Vaters erbe ich seine Eigentumswohnung, das restliche Vermögen wird zwischen meinem Bruder und mir geteilt. Da es eine Zeit dauert, bis das Testament offiziell vollstreckt wird, wollte ich wissen, ob ich (mit Einverständnis meines Bruders) die Wohnung schon vor der Testamentseröffnung räumen und renovieren darf?“

ERBE VOR DER TESTAMENTSVOLLSTRECKUNG

Je nachdem, wie das Testament formuliert ist, sind Sie Alleinerbin oder Miterbin zusammen mit Ihrem Bruder. Wenn Sie Alleinerbin geworden sind und Ihrem Bruder nur ein Vermächtnisanspruch zusteht, sind Sie in die Rechtsposition Ihres Vaters eingetreten und können auch schon vor der Testamentseröffnung über Ihr Eigentum verfügen. Lediglich, wenn sich herausstellen sollte, dass Sie nicht Erbin sind, zum Beispiel weil ein neueres Testament auftaucht, könnten die Erben Heraus-, Rückgabe- oder Ersatzansprüche gegen Sie haben. Aber auch wenn Sie und Ihr Bruder beide Miterben sind und im Testament (nur) ein Vermächtnis oder eine Teilungsanordnung bezüglich der Wohnung angeordnet ist, können Sie die Wohnung renovieren. Denn wenn sich alle an der Erbschaft beteiligten Miterben einig sind – vorausgesetzt, das sind nur Sie und Ihr Bruder – können diese bezüglich des Nachlasses grundsätzlich vereinbaren und unternehmen, was sie wollen. Wenn keine anderen Erben oder Testamente vorliegen, wird das Nachlassgericht auch nur bestätigen, dass Sie und gegebenenfalls Ihr Bruder Erben sind. Sie müssen den Abschluss des Nachlassverfahrens nicht abwarten, bevor Sie handeln. Eine andere Sache ist es, wenn Sie gegenüber Dritten nachweisen müssen, dass Sie Erben sind, z.B. gegenüber der Bank Ihres Vaters oder dem Grundbuchamt. Das können Sie erst nach Testamentseröffnung und Feststellung Ihrer Erbenstellung durch das Nachlassgericht. Sie sollten überdies den Hausverwalter des Objektes, in dem die Wohnung liegt, vom Tod Ihres Vaters unterrichten.

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