„Energie ist die tragende Säule der BayWa“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Klaus Josef Lutz baut die BayWa um – vom klassischen Agrarhändler zum Projektmanager. Die Münchner bauen und betreiben bereits heute Solar- und Windanlagen rund um die Welt, neuerdings auch Gewächshäuser in der Wüste. Und das soll erst der Anfang sein.

agrar

von manuela dollinger

München – Erst vor wenigen Tagen sind die letzten der 1500 Mitarbeiter eingezogen ins rundum erneuerte BayWa-Hochhaus am Arabellapark. Eine Baustelle weniger bei Europas größtem Agrarhandelskonzern, den Vorstandschef Klaus Josef Lutz umbaut, seit er 2008 den Chefposten übernommen hat. Die Bayern sind mittlerweile eine Größe im internationalen Obsthandel sowie beim Bau und Betrieb von Solar- und Windparks. Vom klassischen Agrarhandelskonzern zum Projektmanager, heißt nun die Marschrichtung, die Lutz bei der Vorlage der Jahresbilanz am Donnerstag in München ausgegeben hat.

Bereits heute verdient die BayWa mehr mit ihrem Energiegeschäft als mit dem klassischen Agrarhandel. „Energie ist mittlerweile die tragende Säule der BayWa“, erklärte Lutz. In Zahlen bedeutet das: Das Segment Energie steuerte mit 85 Millionen Euro (Vorjahr: 83 Millionen Euro) im vergangenen Jahr nahezu die Hälfte zum operativen Ergebnis (Ebit) bei – eine neue Höchstmarke. Das Segment Agrar kam auf 82 Millionen (70 Millionen), der Bau-Bereich auf gut 30 Millionen Euro (28,5 Millionen).

Im klassischen Energiegeschäft vertreibt die BayWa im Wesentlichen Heizöl, Kraft- und Schmierstoffe sowie Holzpellets. Immer wichtiger wird aber das zweite Standbein des Segments: die erneuerbaren Energien. Im Geschäftsjahr 2017 verkaufte die Tochter BayWa renewable energy GmbH weltweit Solar- und Windparks mit einem Volumen von 414,5 Megawatt. Für die meisten Anlagen sind die Münchner auch künftig für den Betrieb zuständig. Das Servicegeschäft sei ein Wachstumsmarkt für die BayWa, so Lutz.

Insgesamt stieg der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2017 um vier Prozent auf gut 16 Milliarden Euro, das Ebit um 18 Prozent auf rund 171 Millionen Euro. Der Löwenanteil beim Ergebniszuwachs stammt allerdings aus dem Verkauf der Firmenzentrale. Für das laufende Jahr versprach Lutz den Aktionären allerdings auch ohne solche Sondereffekte ein mindestens gleich hohes Ergebnis. Unter dem Strich machte die BayWa 67 Millionen Euro Gewinn (2016: 53 Millionen Euro). Fast die Hälfte davon will sie als Dividende ausschütten. Diese soll von 85 auf 90 Cent steigen.

Mit Rückenwind soll der Umbau weitergehen – etwa im Bereich Agrar: Hier wurde ein Pilotprojekt kürzlich erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Joint Ventures mit einem lokalen Unternehmen, das dem Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate gehört, wurde in Abu Dhabi ein Gewächshaus gebaut, das die BayWa künftig auch betreibt. Tomaten wachsen hier nun mitten in der Wüste. Neue Gewächshausprojekte etwa in Neuseeland, Australien, den USA und Japan seien bereits in Planung, kündigte Lutz an.

Ob im Energie- oder Agrarbereich, das Projektgeschäft werde immer wichtiger. „Wir kommen vom Großhandel, steigen aber immer mehr ins Projektgeschäft ein“, so Lutz, der nun auch andere Bereiche im Konzern in den Blick nehmen will. Vom Baustoffehändler soll die BayWa zum „Kooperationspartner für innovative Gebäudeprojekte“ werden. Vom Großhändler im Landwirtschaftsbereich soll der Konzern künftig zum Voll-Ausstatter werden, der den Landwirt mit Maschinen, Saatgut und Software zur Planung der Bewirtschaftung versorgt. Ziel sei es künftig, höhere Margen als im klassischen Agrarhandel zu erzielen, so Lutz. Eine genaue Zielmarke gebe es allerdings hier nicht, auch keinen festen Zeitplan. „Die nächsten Jahre werden von der neuen Strategie gekennzeichnet sein“, heißt es lediglich.

Einer Umwandlung des Unternehmens in eine Holding erteilte Lutz eine klare Absage. Man habe derartige Pläne mit dem Aufsichtsrat bereits im Jahr 2010 und in den vergangenen Wochen erneut geprüft – mit demselben Ergebnis. „Die BayWa wird nicht in eine Holding umstrukturiert, der Konzern nicht aufgespalten“, versicherte Lutz, dessen Vertrag bei der BayWa noch vier Jahre und vier Monate läuft.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare