E-Autos und Selbstfahrer beflügeln Infineon

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Ob Smartphones, Autos oder Windräder: Chips und Sensoren des Dax-Konzerns Infineon stecken in vielen Dingen. Die Münchner sehen sich als Bindeglied zwischen realer und virtueller Welt – und profitieren derzeit vor allem vom Trend hin zu elektrischen und selbstfahrenden Autos.

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von manuela Dollinger

Neubiberg – Unscheinbar wirkt sie, die schwarze Straßenlaterne, die im Foyer der Infineon-Zentrale steht. Dabei ist sie ein richtiges Multitalent. Nähert sich ein Mensch oder ein Auto passt sie ihr Licht an, leuchtet heller und dunkelt wieder ab. Sie erkennt, ob der Parkplatz unter ihr frei ist und gibt die Information an Autofahrer, die auf Parkplatzsuche sind, weiter. Gleichzeitig dient die Laterne, die mit dem Internet verbunden ist, als Ladestation für Elektroautos. Möglich machen all diese Funktionen unter anderem Radar-Sensoren, Leistungshalbleiter und Sicherheitschips von Infineon. Die smarte Straßenlaterne sei nur ein Beispiel dafür, wie Infineon reale und virtuelle Welt miteinander verbinde, schwärmt Infineon-Chef Reinhard Ploss.

Chips und Sensoren der Münchner stecken in einer Vielzahl von Dingen. Man könnte beinah sagen: In allem, was nach Elektronik riecht. Dabei hat Infineon gezielt Wachstumsmärkte in den Fokus genommen: Elektromobilität, autonomes Fahren, erneuerbare Energie, effiziente Stromnutzung, mobile Kommunikation und Datensicherheit. Produkte von Infineon bilden den Kern so manchen technologischen Trends. Das sorgt dafür, dass der Dax-Konzern aus Neubiberg bei München derzeit gute Geschäfte macht.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende September) legte der Umsatz um knapp 12 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Der für die Aktionäre verbleibende Gewinn kletterte um fast 18 Prozent auf 744 Millionen Euro. Die Dividende soll um 10 Cent auf 0,22 Euro je Aktie steigen.

Die wichtigste Stütze war dabei die Automobilindustrie. Im Bereich „Automotive“ macht der Konzern rund 40 Prozent seines Umsatzes. Infineon verdient sowohl an Autos mit Verbrennungsmotor, als auch an Elektro- und Hybridmodellen, in denen besonders viele Chips und Sensoren verbaut werden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Umsatz im Bereiche Automotive um 13 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro zu. Zwei Entwicklungen würden dafür sorgen, dass die Verkaufszahlen auch in Zukunft steigen, glaubt Ploss: der Vormarsch radarbasierter Fahrassistenzsysteme und die steigende Zahl an Radar-Sensoren pro Fahrzeug. Einen Beitrag zum Wachstum soll auch ein Zukauf leisten: Der niederländische Lidar-Spezialist Innoluce, den Infineon vor einigen Wochen gekauft hat. Lidar-Technik misst im Auto – ähnlich einem Laserscanner – Abstand und Geschwindigkeit von anderen Objekten. Eine Ergänzung also zu Radar- und Kamerasystemen. Das selbstständig fahrende Auto sei derzeit eines der wichtigsten Zukunftsthemen, sagt Ploss und betont: „Autonomes Fahren wird nur möglich mit Infineon.“ Entsprechend soll die Sparte Automotive in diesem Jahr deutlich über dem Konzernschnitt wachsen.

Doch auch die drei übrigen Geschäftsbereiche entwickelten sich zuletzt gut. Im Bereich „Industrial Power Control“ stieg der Umsatz um elf Prozent – getrieben vor allem durch den weltweiten Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Im Bereich „Power Management und Multimarkets“ stieg der Umsatz um 14 Prozent. Die Sparte ist breit aufgestellt: Leistungshalbleiter für die Stromversorgung, Halbleiterkomponenten für Luftfahrt, Weltraumsysteme, die Öl- und Gasexploration, aber auch Sensoren für mobile Endgeräte. Um – vergleichsweise magere – fünf Prozent stieg der Umsatz im Bereich „Chip Card & Security“. Allerdings lag hier die Marge bei gut 19 Prozent – so hoch wie nie zuvor. Gewachsen ist hier vor allem das Geschäft mit behördlichen Dokumenten. Infineon beliefert mittlerweile in Europa rund 70 Prozent aller Ausweisprojekte. Aber auch Sicherheitslösungen für Wearables – zum Beispiel zum sicheren Bezahlen mit smarten Uhren – liefert Infineon mittlerweile.

Die Zukunftsprognose fällt dennoch kurzfristig vorsichtig aus. Für das erste Quartal rechnet Ploss mit einem leichten Rückgang bei Umsatz und Marge. Für das gesamte Geschäftsjahr peilt der Infineon-Chef dagegen ein Umsatzplus in Höhe von sechs Prozent und eine Marge von 16 Prozent an. Als langfristiges Ziel gilt nun eine Marge von 17 Prozent, statt wie bisher 15.

Dass ihm angriffslustige Chipriesen einen Strich durch die Rechnung machen, glaubt Ploss derweil nicht. In der Halbleiterbranche wütet zwar seit einigen Monaten das Übernahmefieber. Als Übernahmekandidat sieht sich Infineon allerdings nicht. „Wir stehen sehr solide auf unseren Füßen und sehen uns nicht als Häppchen“, so Ploss. Zudem sei Infineon kein „Schnäppchen“, das dürfte so manchen Interessenten abschrecken. Auch eine Offerte aus China fürchtet der Vorstandschef nicht. Man baue schließlich auch Chips für Hochsicherheitstechnologien, ein Verkauf etwa nach Fernost würde von den Behörden daher wohl eher nicht durchgewunken.

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