Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Drohnen von den Osterseen für Afghanistan

EMT, ein Unternehmen aus dem Pfaffenwinkel, hat mit unbemannten Flugzeugen mehr Erfolg als die Großen der Branche in Europa.

Rüstungstechnik

EMT, ein Unternehmen aus dem Pfaffenwinkel, hat mit unbemannten Flugzeugen mehr Erfolg als die Großen der Branche in Europa.

Von Martin Prem

Iffeldorf – Gleich hinter dem Gewerbegebiet liegt an der Bahnstrecke zwischen Tutzing und Kochel der Bahnhof Iffeldorf. Die lichtdurchflutete Fabrikhalle verbirgt sich hinter einem dicht bewachsenen Wäldchen. Militärisch geht es hier nicht zu. Doch im Hof stehen Fahrzeuge in Tarnfarben oder mit dichten Panzerplatten geschützt. Yak oder Wolf heißen die Fahrzeuge bei der Bundeswehr. Daraus werden in dem Werk rollende Cockpits, die für die Bundeswehr und andere Armeen weltweit im Einsatz sind. Von hier aus werden Flugzeuge gesteuert und überwacht, die ebenfalls in Iffeldorf hergestellt werden – ohne Piloten.

Tests nur im gesperrten Luftraum

Die mittelständische Firma mit 160 Mitarbeitern (davon 30 Prozent in der Entwicklung) ist der größte europäische Hersteller von taktischen Drohnen. 750 Stück davon wurden bisher ausgeliefert, sagt Sascha Lange, der für das Unternehmen nach zusätzlichen Geschäftsmodellen sucht. Während Weltkonzerne darum ringen, wie man Drohnen rechtlich korrekt in die Luft bringt, sind die unbemannten Flugzeuge aus Iffeldorf seit 2000 im Einsatz. Etwa im Kosovo und in Afghanistan. Eis und Schnee, aber auch Staub und Hitze kann ihnen nichts anhaben.

Gefertigt werden sie in Abenberg (Mittelfranken), Osterrhönfeld (Schleswig-Holstein) und Iffeldorf. Die Zentrale des Unternehmens liegt in Penzberg.

Ebenso wie der umstrittene und inzwischen ausgemusterte Euro Hawk, dürfen sie in Deutschland eigentlich nicht fliegen. Doch sie tun es. In einem kleinen Gebiet um Spatzenhausen bei Murnau ist der Luftraum an Werktagen für den normalen Luftverkehr gesperrt. Hier ziehen Luna mit Benzinmotor, der elektrisch angetriebene Aladin oder die Helicopter-Drohne Museco mit Turbine ihre Kreise.

Die Diskussion, ob es gerechtfertigt ist, mit Drohnen Angriffe zu fliegen, spielt hier keine Rolle. Denn die Drohnen von EMT tragen keine Waffen, sie können das bisher auch gar nicht. Die Nutzlasten dieser Flugzeuge, die kleiner sind als die meisten Ultraleicht-Flugzeuge, reichen derzeit bis zu wenigen Kilogramm. Da finden Spezialkameras Platz, Sensoren für verschiedene Arten von Strahlung und Radargeräte – aber keine Geschosse oder gar Marschflugkörper.

Einige der kleinen Flugzeuge sind auch als eine Art fliegende Antenne unterwegs. Als Relaisstation, um zwischen Fahrzeug und einer weiteren Drohne, die dann hinter einem Gebirgszug operiert, den Funkkontakt zu halten. Gerade in Afghanistan ist der Blick von oben überlebenswichtig. Denn fast alle Gärten sind von dichten Mauern umschlossen und nicht einsehbar.

Selbst die Luna NG, eine deutlich größere Variante mit bis zu 30 Kilogramm Nutzlast, ist nicht für den Einsatz von Waffen vorgesehen. Das will das Unternehmen auch gar nicht. Denn jede Bewaffnung würde Exportbeschränkungen in viele Länder nach sich ziehen, sagt Lange.

Gebaut sind Luna & Co für unwegsames Gelände. Eine Start- oder Landebahn brauchen diese Geräte nicht. Ein Katapult schießt Luna in die Höhe, eine Art riesiges Netz fischt sie nach dem Einsatz wieder aus der Luft.

Der Boxermotor als Antrieb ist kaum größer als der eines Modellfliegers. Das reicht auch aus. Solche Drohnen dürfen vergleichsweise langsam sein. Auch die Ansprüche an die Reichweite sind bescheiden.

Wenn man in den filigranen Flügeln aus glasfaserverstärktem Kunststoff Tanks unterbringt, könnte Luna acht Stunden lang mit Tempo 70 in der Luft bleiben. Doch in den meisten Fällen reicht der im Rumpf eingebaute Plastikbehälter für Benzin, der kaum größer ist als ein handelsüblicher Reservekanister.

Zivile Einsätze im Blickpunkt

Rund 100 Kilometer ist der Aktionsradius für eine Luna. So weit reichen auch die Antennen zwischen Flugzeug und Bodenstation. Nur rund zehn Kilometer sind es bei den elektrischen Drohnen. Die Systeme aus Iffeldorf sind nicht für die Luftwaffe unterwegs. Sie versorgen Heerestruppen mit den notwendigen Informationen über ihr Einsatzgebiet.

Noch sind diese Drohnen so gut wie ausschließlich für Militär und Polizei unterwegs. Doch zunehmend geraten auch andere zivile Einsatzzwecke in den Blickpunkt: Dort, wo man mit Menschen an Bord besser nicht hinfliegt, etwa in die unmittelbare Umgebung eines havarierten Kernkraftwerks, bei der Beobachtung von Waldbränden oder bei Suchaktionen in unwegsamen Gelände, wenn schlechtes Wetter herrscht.

Das Geschäftsfeld, auf dem das Unternehmen sich so erfolgreich schlägt, war ursprünglich ein Notbehelf. Anfangs baute EMT Flugziele für Fliegerabwehrsysteme – zum Testen und Üben. Mit dem Kalten Krieg war dieses Geschäftsfeld ein Auslaufmodell. EMT kam durch eine Ausschreibung für den Bau von Drohnen zu einem Auftrag, der die gesamte Welt der Mitarbeiter veränderte – und dem Unternehmen aus dem Pfaffenwinkel eine neue Zukunft gab.

Kommentare