Deutsche lieben Spanien

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Die USA ziehen seit zwei Jahren weniger Urlauber an. Die Buchungen dürften heuer um 20 Prozent sinken. foto: dpa

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Spanien und Griechenland stehen ganz oben auf der Beliebtheitsliste, die Türkei holt langsam auf. Die USA hingegen verlieren 2017 und 2018 deutlich.

Reisen

von rolf obertreis

Frankfurt – Gute Einkommen, niedrige Arbeitslosigkeit und niedrige Zinsen treiben die Geschäfte der deutschen Reisebranche an. Rekord-Ausgaben der Bundesbürger für Urlaube und Reisen haben der Branche im vergangenen Jahr neue Höchststände beim Umsatz beschert. 2018 dürfte es neue Rekorde geben, prognostiziert Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV wenige Tage vor Beginn der wichtigen Reisemesse ITB.

Spanien bleibt das beliebteste Ziel, die Türkei holt allmählich wieder auf und die USA wird nach 2017 auch in diesem Jahr vermutlich nach wie vor wegen Präsident Trump verlieren, sagt Fiebig. „2017 war ein extrem erfolgreiches Jahr“.

2016 hatte es als Folge des gescheiterten Militärputsches in der Türkei, von Terroranschlägen und Hurrikans noch eine Delle und einen Umsatz-Rückgang gegeben. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche neue Rekorde. Der Umsatz von Reiseveranstaltern kletterte um acht Prozent auf den Höchststand von 34 Milliarden Euro. Weitere 31 Milliarden gaben die Deutschen direkt für Reisen mit dem Flugzeug, der Bahn und Mietwagen sowie für Hotelbuchungen aus.

Insgesamt war Urlaub den Deutschen im vergangenen Jahr rund 91 Milliarden Euro wert, davon entfielen 65 Milliarden Euro auf Vorausbuchungen in der Heimat, das war ein Plus von acht Prozent. Auch in diesem Jahr wollen die Deutschen wieder viel unterwegs sein, die Reiselust ist ungebrochen und nimmt sogar noch zu. „Der Trend zum Frühbuchen hält an. Bislang sind deutlich mehr Reisen als im Vorjahr gebucht worden, das Plus im Januar lag um 18 Prozent höher als vor Jahresfrist“, sagt Fiebig. Der erste Monat des Jahres ist traditionell der stärkste Buchungsmonat. Für das gesamte Jahr rechnet er für die Branche mit einem Umsatz-Plus von etwa fünf Prozent. Dabei profieren auch die Reisebüros, obwohl verstärkt im Internet – der Anteil erhöhte sich im vergangenen Jahr von 35 auf 40 Prozent – gebucht wird. Im Schnitt sei der Umsatz der gut 11 000 Reisebüros 2017 um fünf Prozent gestiegen, insgesamt verzeichneten sie ein Plus von 1,2 Milliarden auf 26,4 Milliarden Euro.

Jeder vierte Euro für Spanien

Beliebtestes Ziel der Deutschen ist und bleibt mit Abstand Spanien mit den Balearen und den Kanaren. Mehr als jeder vierte Euro, den die Deutschen 2017 für Reisen ausgaben, entfiel auf Spanien. An Nummer zwei rangiert Griechenland bei einem Umsatzplus von 30 Prozent deutlich vor der Türkei und Ägypten.

Türkei erreicht halbes Vorkrisen-Niveau

Die Türkei ist nach Angaben des DRV-Präsidenten wieder stärker gefragt, trotz der politischen Lage und Verhaftungen von Journalisten und Menschenrechtlern. „Das Land am Bosporus scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Für 2018 sehen wir das Comeback des Landes.“ Gleichwohl wird die Türkei allenfalls die Hälfte des Umsatzniveaus von 2015 erreichen. Das Umsatzvolumen mit Zielen in Griechenland bleibt doppelt so hoch. Vor der Krise in der Türkei war dieses Verhältnis genau umgekehrt.

Trump-Effekt schadet US-Tourismus

Begrenzt bleibt das Interesse deutscher Urlauber an den USA, nach wie vor offenbar wegen des amtierenden Präsidenten Donald Trump: Nachdem die deutsche Reisebranche dort 2017 ein Umsatzminus von 17 Prozent hatte hinnehmen müssen, rechnet Fiebig heuer mit einem erneuten Rückgang um 20 Prozent.

Insgesamt zählte der DRV im vergangenen Jahr fast 156 Millionen Urlaubsreisen der Deutschen, 69 Millionen davon gingen ins Ausland. Badeferien bleiben mit einem Anteil von einem Drittel an den Umsätzen am beliebtesten, Städte- und Rundreisen liegen bei jeweils 14 Prozent. Auch das Interesse an Kreuzfahrten hält an. Ihr Umsatzanteil ist auf acht Prozent gestiegen.

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