Deutsche Bank kämpft um ihren Ruf

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finanzen von rolf Obertreis

Frankfurt – Einträchtig sitzen die beiden Banker auf dem Podium im Konferenzsaal der Zentrale der Deutschen Bank an der Frankfurter Taunusanlage. Jürgen Fitschen und An-shu Jain, die Co-Vorsitzenden des Instituts, zeigen sich als Team und lassen keine Zweifel, dass sie das Geldhaus gemeinsam wieder nach vorne bringen, die Skandale und Rechtsstreitigkeiten der Vergangenheit 2014 beilegen werden und den versprochenen Kulturwandel umsetzen wollen. 2015 soll wieder Normalität einziehen in die Deutsche Bank.

„Ich denke, ich bin der richtige Mann für den Kulturwandel“, sagt der in die Kritik geratene Jain. Auch bei Kunden und Mitarbeitern gebe es keine Zweifel an seiner Eignung. Der Brite sieht sich fest im Sattel. So fest, dass er Exzesse und Verfehlungen in der Investmentbank eingesteht, ohne Details zu nennen. „Dafür übernehme ich die Verantwortung.“

Die schon vor zehn Tagen bekannt gewordenen Geschäftszahlen interessieren auf der Jahres-Pressekonferenz des größten deutschen Geldhauses fast nur am Rande. Der Kulturwandel, abgearbeitete und noch ausstehende Rechtsstreitigkeiten stehen im Mittelpunkt. Die Herausforderungen seien noch gewaltig, räumt Fitschen ein. Nach 17 des auf 40 Monate angelegten Prozesses der Neuausrichtung der Bank zieht er aber eine positive Zwischenbilanz. „Das Fundament für einen nachhaltigen Kulturwandel ist gelegt.“

Jeder Wandel müsse beim Top-Management beginnen. Deshalb werde der langfristige Bonus für den Vorstand und 150 Top-Führungskräfte nicht nach drei, sondern erst nach fünf Jahren ausgezahlt. Die Einhaltung der Werte soll 2014 zur Hälfte die Höhe des Bonus bestimmen. Eine Milliarde Euro investiere die Bank in die Verbesserung der Systeme und Kontrollen. Es sei sichergestellt, dass sich Zinsmanipulationen oder ähnliches nicht wiederholen. „Die Quellen für solche Fälle werden sehr viel weniger virulent sein, auch wenn wir nicht gänzlich verhindern können, dass es auch in Zukunft Rechtsstreitigkeiten gibt.“

Mitarbeiter, die sich dem Wandel nicht stellen, müssen Fitschen zufolge mit Konsequenzen rechnen. Das soll auch für Top-Manager gelten, sollte sich herausstellen, dass sie für Skandale, Exzesse und Prozesse verantwortlich waren. „Wenn alle Verfahren abgeschlossen sind, werden wir uns zu Verantwortlichkeiten äußern.“

Im laufenden Jahr werde die Bank hart daran arbeiten, die großen Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Details nennt Fitschen nicht. Offen sind unter anderem der Streit mit den Kirch-Erben und mögliche Strafen wegen Zinsmanipulationen in Großbritannien. Nachdem die Bank in den vergangenen beiden Jahren fünf Milliarden Euro für die Beilegung der Probleme ausgegeben hat, sind für 2014 weitere 2,3 Milliarden Euro zurückgestellt. Möglicherweise wird noch mehr notwendig sein, räumt Fitschen ein.

Die Rechtskosten und die Aufwendungen für den Umbau der Bank haben das Ergebnis 2013 belastet. Im vierten Quartal musste sogar ein Nettoverlust von einer Milliarde Euro hingenommen werden, im ganzen Jahr blieb nur ein magerer Gewinn von einer Milliarde Euro.

„Das ist enttäuschend“, gesteht Jain, der auch diesmal nur Englisch spricht und sich die deutschen Fragen über einen Knopf im Ohr übersetzen lässt. Trotzdem sieht er die Bank mit Blick auf das eigentliche Bankgeschäft mit einem Betriebsgewinn von 8,4 Milliarden Euro in einer so sicheren und ertragreichen Lage wie nie zuvor. Die Dividende soll mit 75 Euro-Cent stabil bleiben. Vor allem sei auch das Geschäftsmodell ausgewogener: Nicht mehr 63 Prozent des Gewinns wie 2004 steuert die Investmentbank bei, sondern nur noch 51 Prozent. Zu einem Drittel kommt der Ertrag aus Deutschland, zu 35 Prozent aus dem übrigen Europa, der Rest aus Amerika und Asien.

Ab 2015 will die Deutsche Bank, wie Fitschen verkündet, bei der Konsolidierung der Bankenlandschaft in Europa wieder „sehr aktiv“ mitmischen und sich aussuchen können, was zu ihr passe. Auch das soll Teil der neuen Normalität sein. Den Mitte 2012 eingeleiteten Weg dorthin sehen Jain und Fitschen zur Hälfte geschafft. Nach zwei Stunden lachen sich die beiden Banker an – so als ob die Probleme sogar schon gänzlich vom Tisch geräumt seien.

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