Chinesen wollen die Macht bei Grammer

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Grammer-Beschäftigte arbeiten in einem bayerischen Werk des Autozulieferers an Fahrersitzen. Nach der abgewehrten Übernahme durch die Prevent-Gruppe will der damalige Retter aus China die Mehrheit der Anteile. Foto: Armin Weigel, dpa

Vor einem Jahr hatte sich Ningbo Jifeng zum Retter des Autozulieferers Grammer vor einer feindlichen Übernahme aufgeschwungen. Jetzt wollen die Chinesen selbst zugreifen.

Auto-Zulieferer

Von Thomas Magenheim-Hörmann

Amberg – Wieder greift ein chinesisches Unternehmen nach einem bayerischen Mittelständler. Im Fall des Sitzherstellers Grammer aus Amberg (Oberpfalz) geschieht das weder gegen den Willen des Unternehmens, noch dürfte die Bundesregierung etwas einwenden. Grammer befinde sich „in fortgeschrittenen Gesprächen“ mit verbundenen Unternehmen von Ningbo Jifeng mit dem Ziel einer Übernahme, erklärten die Amberger, nachdem entsprechende Gerüchte aufgekommen waren.

Es wäre eine ausgesprochen freundliche Übernahme. Ningbo Jifeng hatte sich vor Jahresfrist als Weißer Ritter vor Grammer gestellt, als die umstrittene Investorenfamilie Hastor das Amberger Unternehmen feindlich übernehmen wollte. Ningbo Jifeng hält bereits gut ein Viertel der Grammer-Anteile und bietet nun für weitere Anteilsscheine jeweils 60 Euro plus vorgeschlagener Dividende von 1,25 Euro.

Das entspricht einem Unternehmenswert von gut 770 Millionen Euro und einem Aufschlag auf den jüngsten Grammer-Aktienkurs von rund 17 Prozent. Bei vollständiger Übernahme müssten die Chinesen also rund 580 Millionen Euro aufwenden. Das ist keine Lappalie bei einem Unternehmen, das selbst jährlich nur 250 Millionen Euro umsetzt und damit deutlich kleiner ist als Grammer mit 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Auch bei der Mitarbeiterzahl liegt Grammer mit 13 000 Beschäftigten klar vor seinem Großaktionär mit 3000 Beschäftigten. Allerdings haben die börsennotierten Chinesen, die von der Familie Wang beherrscht werden, mit rund einer Milliarde Euro den größeren Firmenwert.

Die Finanzierung einer Übernahme sei kein Problem, sagt ein Insider. Angestrebt sei nur eine Mehrheit von über 50 Prozent, aber keine Quote jenseits einer Dreiviertel-Mehrheit. Das war seinerzeit auch das Ziel der chinesischen Midea bei der Übernahme der ebenfalls stark in der Kfz-Branche verankerten Kuka aus Augsburg. Am Ende wurden den Chinesen aber über 90 Prozent der Anteile angeboten, die sie dann auch nahmen.

Zwischen Kuka/Midea und Grammer/Ningbo Jifeng gibt es Parallelen. Hier wie dort wurde die Übernahme vom Management des deutschen Unternehmens betrieben, um im chinesischen Markt besser Fuß fassen zu können. Grammer passt auch ins Beuteschema von Konzernen aus dem Reich der Mitte. Dort stehen deutsche Firmen aus dem Maschinenbau und der Autoindustrie hoch im Kurs.

Anders als im Fall Kuka, wo es massive Vorbehalte der deutschen Politik gab, dürften Grammer und Ningbo Jifeng keine Steine in den Weg gelegt werden. Den Einstieg der Chinesen 2017 hat der Bund durchgewunken. Mögliche Synergieeffekte und bessere Marktchancen in China sind nicht von der Hand zu weisen.

Das Produktspektrum von Grammer und Ningbo Jifeng ähnelt sich. Beide bauen Sitze für Autos, Busse und Züge sowie Kfz-Innenraumkomponenten. Befürchtungen der deutschen Grammer-Belegschaft und der IG Metall sollen offenbar durch Zusagen zu Standorten und Stellen entkräftet werden. Offenbar bieten die Chinesen eine siebeneinhalbjährige Stellengarantie.

Auch das ist eine Parallele zu Kuka, wo die Chinesen lange Garantien gegeben hatten. „Es ist derzeit noch nicht abzusehen, ob die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können“, erklärt Grammer offiziell. Hinter den Kulissen klingt es optimistisch. Auch die Börse glaubt an ein Gelingen. Die Grammer-Aktie ist in Reaktion auf die Pläne auf 61,60 Euro und damit sogar über den von den Chinesen gebotenen Preis gestiegen.

Analysten glauben, dass ein chinesischer Mehrheitsaktionär den Auftragseingang wieder nach oben bringen könnte. Die Gefahr, von Hastor übernommen zu werden, wäre vom Tisch, obwohl die bosnische Investorenfamilie noch rund ein Fünftel der Grammer-Anteile hält. Der bosnische Clan und seine Prevent-Gruppe sind für deutsche Autobauer wegen ihres aggressiven Geschäftsgebarens ein rotes Tuch. Das gilt vor allem für VW und Daimler. Mit beiden Konzernen liegt Prevent im Streit. Die Furcht, dass die Hastors auch bei Grammer das Sagen bekommen könnten, hat Autobauer bei der Auftragsvergabe zurückhaltend gemacht. Das könnte sich ändern, wenn die Chinesen bei den Oberpfälzern übernehmen.

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