Champagner, Sekt oder Prosecco?

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Prosit Neujahr! Die Deutschen lieben Sekt – vor allem zu Silvester. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt nach Angaben des Verbands Deutscher Sektkellereien bei 4,2 Litern. pm

An Silvester knallen allerorts die Korken. Prosecco, Sekt und Champagner haben Hochsaison. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede? Ein Ausflug in die prickelnde Welt der Schaumweine.

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An Silvester knallen allerorts die Korken. Prosecco, Sekt und Champagner haben Hochsaison. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede? Ein Ausflug in die prickelnde Welt der Schaumweine.

von heidrun schubert*

Wenn zum Jahreswechsel die Sektkorken knallen, kann das mit 110 Dezibel so laut werden wie ein startendes Flugzeug oder ein Presslufthammer im Straßenbau. Dem gigantischen Umsatz zufolge scheinen die Deutschen die Edelbrause zu lieben. Möglicherweise liegt das an dem Urknall beim Öffnen der Flasche oder der kleinen Schaumparty auf der Zunge bei jedem Schluck. Auch wenn sich mit Champagner Geliebte und Gäste gleichsam beeindrucken lassen, steht der oft deutlich günstigere Sekt dem edleren Gesöff qualitativ nicht unbedingt nach.

Sekt

Sekt, die traditionelle Kurzbezeichnung für Qualitätsschaumwein, entsteht immer in mehreren Schritten, meistens aus unterschiedlichen Grundweinen. Mit der Bezeichnung „b.A.“ müssen die Trauben zu 100 Prozent aus einem bestimmten Anbaugebiet stammen. Für Rebsorten- und Jahrgangssekt genügen 85 Prozent der Rebsorte oder des Jahrgangs. Beim „Deutschen Sekt“ stammen die Grundweine zu 100 Prozent verpflichtend aus Deutschland. Anfangs wird die Weinmischung mit Zucker und Hefe gefüttert, als Voraussetzung für die zweite Gärung. Während der Reife bildet sich Kohlensäure. Preislich günstiger Sekt reift in der Regel nicht traditionell in der Flasche, sondern in großen Tanks. Das muss sich geschmacklich nicht negativ auswirken.

Das Wort „traditionell“ auf dem Etikett spielt allerdings eine große Rolle. Ist der Begriff nämlich nicht im Zusammenhang mit Flaschengärung aufgedruckt – also „traditionelle Flaschengärung“ – reift der Sekt zwar zunächst in größeren Flaschen, wird dann aber zur Filterung umgefüllt und landet letztlich wieder in der Flasche. Dabei geht meist gärungseigene Kohlensäure verloren – ein möglicher Nachteil zur reinen Flaschengärung.

Champagner

Champagner muss dagegen komplett im französischen Weinbaugebiet Champagne nach dem traditionellen Flaschengärverfahren hergestellt werden. Verwendet werden nur die drei Rebsorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Pinot Chardonnay. Die Mischung ist ausschlaggebend für den Charakter des entsprechenden Champagners.

Sehr hochwertige Champagner sind häufig so gereift, dass sie an ein typisches französisches Hefegebäck erinnern, dem Brioche. Weil der Geschmack für Einsteiger befremdlich sein kann, empfehlen Sommeliers, sich vom unteren Preissegment vorsichtig und wohl dosiert „nach oben“ zu trinken.

Prosecco

Prosecco kommt aus der italienischen Region Veneto. Prosecco Spumante ist ein Schaumwein der durch die Reifung eine gärungseigene Kohlensäure entwickelt. Prosecco Frizzante ist ein Stillwein verschiedener Weißweine, dem lediglich Kohlensäure zugesetzt wird. Im Vergleich perlt er weniger und wird schneller schal. Weil Prosecco Spumate der Sektsteuer unterliegt, der Frizzante dagegen nicht, ist dieser oft auch günstiger.

Zuckergehalt

Sekt kann sich brut, trocken oder extra trocken nennen. Trockener Sekt enthält mit bis zu 35 Gramm je Liter wesentlich mehr Zucker als trockener Wein. Extra trocken bedeutet bis zu 20 Gramm pro Liter, brut bis zu 15 Gramm. Liebhaber halbtrockener Sekte können mit bis zu 50 Gramm Zucker pro Liter – umgerechnet 16,5 Stück Würfelzucker rechnen. Der Alkoholgehalt liegt bei mindestens zehn Prozent. Ein Gläschen (100 Milliliter) trockener Sekt oder Champagner enthält rund 80 Kalorien.

Geschmack

Champagner macht zwar mächtig Eindruck, doch nicht jedem schmeckt das trockene, eher herbe Getränk im Vergleich zum frisch-fruchtigen Sekt. Beide können nach Früchten, Honig und Hefe riechen. Letztlich ist die Qualität der Grundweine und das Hefedepot entscheidend für die Aromenvielfalt und das feine Perlen. Wer auf Markenchampagner wert legt, weiß dass die Hersteller etliche Wein-Jahrgänge lagern und die Grundweine dann verschneiden, bis sie den typischen Markengeschmack erreichen. Marketing und Markenpflege sind zudem preisbestimmend.

Haltbarkeit

Sekt- und Champagnerflaschen fordern einen vorsichtigen Umgang, schließlich müssen sie einen Druck bis zu acht bar aushalten – ein Autoreifen vergleichsweise nur 2,5 bar. Sekt und Prosecco altern relativ schnell. Sekt hat seine Reife praktisch schon in der Kellerei erreicht. Mit einem Polystopfen soll er aber dennoch bis zu zwei Jahre überstehen, mit ordentlichen Naturkorken bis zu drei Jahre. Lichteinwirkung fördert den Oxidationsprozess und damit die Alterung und den Geschmack.

Lagerung

Sekt und Prosecco sollte man möglichst nicht lange dunkel und kühl lagern. Wenn die Flasche nicht ausgetrunken wird, am besten mit einem Druckverschluss verschließen und im Kühlschrank nicht länger als 24 Stunden lagern. Der obligatorische Silberlöffel in der Flasche bringt nichts.

Die ideale Trinktemperatur liegt bei sechs bis acht Grad. Schlanke Sektgläser konservieren die Kohlensäure besser. Coole Hingucker sind gefrorene Beeren im Glas.

*Heidrun Schubert ist Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.

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