Das Chamäleon unter den Anlagen

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Wer den Aktienmarkt scheut, hat beim Geldanlegen derzeit schlechte Karten. Die Zinsen bei sicheren Anleihen sind so tief wie nie. Da lohnt sich ein Blick auf alternative Investitionen, zum Beispiel auf Wandelanleihen.

wandelanleihen

Wer den Aktienmarkt scheut, hat beim Geldanlegen derzeit schlechte Karten. Die Zinsen bei sicheren Anleihen sind so tief wie nie. Da lohnt sich ein Blick auf alternative Investitionen, zum Beispiel auf Wandelanleihen.

Von Andrea Martens

Deutsche Anleger stecken ganz schön in der Klemme. Einerseits haben sie die Mini-Zinsen satt, die ihnen Fest- und Tagesgeldkonten derzeit bringen, andererseits fürchten sie das Auf und Ab an den Börsen. Die Statistiken der Bundesbank sind da aussagekräftig: Viele Privatanleger kündigen ihre Festgeldanlagen und Sparbriefe – und parken ihr Geld dann auf dem Girokonto. „Einen Ausweg aus dieser Klemme können Wandelanleihen bieten“, sagt German Reng, Investmentexperte aus München. Diese Papiere sind ein Mix aus Anleihe und Aktie. Sie sind mit einem Zinskupon ausgestattet, der allerdings etwas niedriger ausfällt als bei den klassischen Bonds. Dafür bekommt der Käufer eines Convertibles – wie Wandelanleihen auch genannt werden – aber das Recht, seine Anleihe in Aktien des Emittenten, des ausgebenden Unternehmens also, zu wandeln.

Der Vorzug der Chamäleon-Anleihen ist klar: Überschreitet die Aktie den vorher definierten Kurs, zu dem der Bonds eingetauscht werden darf, kann sich der Tausch lohnen. „Dann profitiert der Anleger ähnlich wie bei einem direkten Aktieninvestment“, sagt Reng. Steigt der Kurs der Aktie nicht, nicht weit genug oder fällt sogar, verzichtet der Halter des Convertibles auf seine Wandel-Option und lässt sich am Ende der Laufzeit den Wert der Anleihe auszahlen – inklusive Zinsen.

Rechenbeispiel

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt die Funktionsweise genauer: Der Wert eines Convertibles liegt bei 1000 Euro, der Zinskupon bei 1 Prozent p.a., die Laufzeit beträgt drei Jahre. Der Kurs der Aktie steht bei Auflage des Bonds bei 100 Euro, das Wandelrecht wird bei 110 Euro eingeräumt. Steigt die Aktie auf 110 Euro, hat der Anleger die Wahl. Bei einem Tausch wird der Wert der Anleihe (1000 Euro) durch den Wandlungskurs von 110 Euro dividiert. Der Inhaber des Zwitter-Bonds bekäme also rund 9,1 Aktien im Gegenwert von 1001 Euro. Kaum empfehlenswert, denn: Wandelt der Anleger nicht und lässt sich den Bonds nach drei Jahren auszahlen, bekäme er 1030 Euro (ohne Zinseszins). Steigt die Aktie auf 120 Euro, erhält der Inhaber des Chamäleon-Papiers ebenfalls 9,1 Aktien. Denn dividiert wird immer durch für den das Wandelrecht festgelegten Kurs. Jetzt liegt das Aktieninvestment bereits bei 1092 Euro. Klettert der Kurs auf 130 Euro, wären es 1183 Euro. „Genau das wäre dann auch der Wert der Anleihe“, sagt Reng. Das bedeutet: Die Wandelanleihe steigt immer, wenn die Aktie steigt, und fällt, wenn deren Kurs sinkt.

Zwar sind die Wertveränderungen des Bonds in beide Richtungen nicht so extrem wie die der zugrundeliegenden Aktie. „Die Wandelanleihe vollzieht jede Bewegung der Aktie aber mit“, sagt Reng. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Auch im ungünstigsten Fall hoher Verluste der Aktie wird die Anleihe am Ende der Laufzeit vollständig zurückgezahlt.

Verkauf möglich

Wandelanleihen sind als Anlage sehr flexibel: Kein Anleger muss für einen Tausch das Ende der Laufzeit abwarten. Viele Emittenten erlauben eine Wandlung zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit. Außerdem gibt es für Convertibles einen Markt: Sie können jederzeit über die Börse verkauft werden. „Das ist sogar der meist gewählte Weg“, erklärt Reng.

Einzelne Convertibles kommen für viele Privatanleger allerdings nicht infrage. Denn Wandelanleihen gibt es meist nur in sehr hohen Stückelungen von 40 000 Euro an aufwärts. „Private Anleger können aber in Fonds investieren, die sich auf diese Zwitter-Bonds spezialisiert haben“, erklärt Reng. Aufgelegt werden diese meist von ausländischen Fondsgesellschaften. Die Anteile sind aber über deutsche Banken zu beziehen.

Risikoklasse beachten

„Wer sich für Convertibles interessiert, sollte sich unbedingt beraten lassen, denn die Fonds investieren in Papiere unterschiedlicher Risikoklassen“, mahnt Reng. Zum einen müssen Privatanleger wissen, auf welche Länder, Branchen und Unternehmen der Fonds setzt. Das ist bei den Wandlern nicht anders als bei allen anderen Wertpapieren. Darüber hinaus gibt es bei Wandelanleihen aber verschiedene Risikostufen. „Zur Kategorie mit dem geringsten Risiko gehören Papiere, bei denen der Kurs für das Wandelrecht sehr hoch gewählt ist“, erklärt Reng.

Die Chance, dass die Aktie diesen Kurs erreicht, ist gering, das Wandelrecht für den Anleger also nicht viel wert. Dafür erhält er einen höheren Zins, der dem einer üblichen Unternehmensanleihe nahekommt. In der höheren Risikoklasse befinden sich Convertibles mit einem niedrig bestimmten Wandlungskurs. Die Chance, von einem Anstieg der Aktie zu profitieren, ist hoch. Entwickelt sie sich aber schlecht, bleibt dem Anleger nur ein niedriger Zins.

Besonders zu beachten sind Wandelanleihen, die im Wert bereits stark gestiegen sind und von anderen Anlegern schon mit Gewinn veräußert wurden. Ein Fonds, der in solche Wandelanleihen investiert, geht ein hohes Risiko ein. Schließlich kann ein Aktienkurs jederzeit fallen und den Wert seines Bonds mit sich reißen. Einen extremen Wertverlust gleicht dann auch kein Zins mehr aus.

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