Brexit-Votum dämpft Wachstum in Bayern

Ein Rückgang der Fahrzeugexporte in die USA trübte das Wachstum in Bayern genauso wie das Brexit-Votum (Bild: BMW-Werk München). foto: h. gebhardt
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Ein Rückgang der Fahrzeugexporte in die USA trübte das Wachstum in Bayern genauso wie das Brexit-Votum (Bild: BMW-Werk München). foto: h. gebhardt

Das Wirtschaftswachstum in Bayern hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgekühlt. Grund dafür waren rückläufige Fahrzeugexporte in die USA, außerdem hinterließ das Brexit-Votum erste Bremsspuren.

Konjunktur

Von Sebastian Hölzle

München – Nach einem starken ersten Halbjahr 2016 hat sich die Konjunktur in Bayern in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas abgekühlt. Das geht aus Zahlen hervor, die das bayerische Wirtschaftsministerium gestern in München veröffentlichte. Demnach ist das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres überdurchschnittlich stark um 3,3 Prozent zum Vorjahr gewachsen. Im zweiten Halbjahr ließ der Wachstumsschub merklich nach: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sprach von einem „vergleichsweise geringen Wachstum“, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

„Im zweiten Halbjahr gab es deutliche Rückgänge beim Export, insbesondere bei den Ausfuhren der Fahrzeugindustrie in die USA“, begründete die Wirtschaftsministerin das geringe Wachstum. Außerdem verwies sie auf den Rückgang der Exporte bayerischer Unternehmen nach Großbritannien.

Im November waren die bayerischen Ausfuhren nach Großbritannien um über 17 Prozent zum Vorjahr eingebrochen. In den Folgemonaten gingen die Exporte verglichen mit den Vorjahreszahlen ebenfalls zurück. Die Briten kauften weniger Güter im Freistaat, weil das britische Pfund nach dem Brexit-Votum im Juni gegenüber dem Euro an Wert verloren hatte. Damit mussten Briten für Waren aus der Eurozone deutlich mehr bezahlen (wir berichteten).

„Wir sehen daran, dass sich Bayern als sehr exportstarkes Land nicht von dem sich eintrübenden internationalen Umfeld abkoppeln kann“, sagte Aigner. Erste Spuren habe das jetzt ganz konkret in der Wachstumsbilanz hinterlassen. „Freier Handel ist für uns von entscheidender Bedeutung“, sagte Aigner. Er sei Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges und des Wohlstandes. „Wir müssen deshalb schnell Klarheit bekommen, wie die künftigen Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien aussehen werden“, sagte sie mit Verweis auf die anstehenden Verhandlungen der EU mit Großbritannien.

Trotz des Konjunkturdämpfers in der zweiten Jahreshälfte legte die Wirtschaftsleistung in Bayern aufs Gesamtjahr gerechnet überdurchschnittlich zu. Das Bruttoinlandsprodukt stieg verglichen mit 2015 um 2,1 Prozent. Damit liege Bayern über dem Bundesdurchschnitt von 1,9 Prozent, betonte Aigner. „Im Vergleich der Flächenländer haben wir dieses Mal die dritthöchste Wachstumsrate“, sagte die Ministerin.

Vor Bayern liegen Sachsen mit 2,7 Prozent Wachstum und Baden-Württemberg mit 2,2 Prozent, wie der Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder in Stuttgart mitteilte. Die Stadtstaaten Berlin und Bermen legten mit 2,7 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent ebenfalls stärker zu als Bayern. Aigner betonte, dass Wachstum ein langfristiges Phänomen sei. Im 20-Jahres-Vergleich der Länder sei Bayern „ganz klar an der Spitze“.

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