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Börsenfusion Frankfurt-London vor dem Aus

Die Börse in Frankfurt hatte bisher kein Glück mit ihren Fusionsplänen. Jetzt droht eine neue Pleite.
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Die Börse in Frankfurt hatte bisher kein Glück mit ihren Fusionsplänen. Jetzt droht eine neue Pleite.

Frankfurt/London – Die Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse (London Stock Exchange LSE) dürfte auch im dritten Anlauf scheitern.

Die Weigerung der LSE, Anteile an der italienischen Handelsplattform MTS zu verkaufen und damit eine Auflage der EU-Kommission zu erfüllen, ist offensichtlich nur ein vorgeschobener Grund. Wie aus Kreisen der Deutschen Börse verlautet, scheitert das Vorhaben vor allem an der Sitzfrage.

Die LSE wie auch der gesamte Finanzplatz London beharren darauf, dass der Sitz der gemeinsamen Obergesellschaft an der Themse angesiedelt sein soll. Dies befürwortet zwar auch Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. Allerdings findet er dafür keine Unterstützung am Finanzplatz Frankfurt und in der Politik – weder beim hessischen Wirtschaftsministerium und der Landesregierung in Wiesbaden, die für die Aufsicht der Frankfurter Börse zuständig ist, noch bei der Bundesregierung. Offenbar wurde dies auch der Regierung in London zuletzt sehr deutlich gemacht.

Völlig überraschend, auch für die Deutsche Börse, hatte die LSE am Sonntagabend mitgeteilt, dass sie die MTS nicht abgeben wolle. In Finanzkreisen in Frankfurt wird betont, die Führung der Deutschen Börse sei erst 30 Minuten zuvor davon informiert worden. Die Abgabe von Anteilen der LSE an der italienischen MTS hätte das Fusionsvorhaben keineswegs beeinträchtigt, heißt es bei Managern des Frankfurter Börsenbetreibers. „Dazu ist der Umsatz der italienischen Handelsplattform für Staatsanleihen viel zu klein“, sagte ein Insider unserer Zeitung.

Zwar gaben sich Deutsche Börse und LSE nach außen hin am Montag so, als ob die 25 Milliarden Euro schwere Fusion noch nicht endgültig gestorben sei. „Die Parteien sehen der weiteren Prüfung der Europäischen Kommission entgegen.“ Allerdings räume die LSE auch ein, dass die Kommission die Fusion wohl nicht genehmigen werde. Schließlich sind die Vorgaben der Wettbewerbshüter in Brüssel dem Vernehmen nach eindeutig. Stößt die LSE ihre MTS-Anteile nicht ab, würden sie die Fusion stoppen. Ende der Woche will die EU-Kommission ihr Votum abgeben.

Aber auch bei einem Ja aus Brüssel wäre nicht klar gewesen, ob das für die Aufsicht der Frankfurter Börse zuständige hessische Wirtschaftsministerium zugestimmt hätte. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) wie auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatten in den vergangenen Wochen aber mehr oder weniger offen deutlich gemacht, dass sie kaum einem Sitz der Obergesellschaft der fusionierten Börse in London zustimmen werden. Aktionäre beider Unternehmen hatten dies beschlossen. Kengeter hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten dafür eingesetzt und betont, die Frankfurter Börse würde trotz des Holdingssitzes in London unabhängig und eigenständig agieren. In Frankfurt allerdings sind die Zweifel daran immens. Verstärkt werden die Bedenken, weil die Holding künftig nach dem Brexit außerhalb der EU angesiedelt sein wird und damit nicht mehr EU-Recht und der EU-Aufsicht unterliegt. Ohnehin wäre der Zeitplan für die endgültige Vereinbarung der Fusion immer enger geworden. Letzter Termin wäre der 30. Juni 2017.

Es ist das dritte Mal, dass ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Londoner Börse scheitert. Im Jahr 2000 und vier Jahre später wollte der damalige Börsen-Chef Werner Seifert zunächst mit der LSE fusionieren, dann den Londoner Konkurrenten für knapp zwei Milliarden Euro schlucken. Die Übernahme scheiterte beim ersten Mal an einem Gegenangebot der skandinavischen Börse OM, dann am Widerstand von Hedgefonds, die an der Deutschen Börsen beteiligt waren. Auch Börsenchef Reto Francioni hatte mit den Plan einer Großfusion keinen Erfolg. 2011 startete er dem Anlauf zum Zusammenschluss mit der New Yorker NYSE, zu der auch die Pariser Börse gehörte. Doch die EU untersagte das Vorhaben wegen Wettbewerbsbedenken. rolf obertreis

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