Börsen im Überblick

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Die Stimmung sei gut, sagen manche Börsianer am vorletzten Handelstag im April.

In Korea zeichnet sich eine überraschend schnelle Lösung für einen bedenklichen Konflikte ab. Der Euro verliert gegenüber dem Dollar (was dem Export zugute kommt). Viele Firmen haben für das erste Quartal gute Bilanzen vorgelegt. Nur auf die Deutsche Bank fällt wieder einmal ein Schatten. Die Zahlen für das erste Quartal waren viel schlechter als erwartet, der Strategieschwenk des neuen Vorstandschefs überzeugt nicht. Analysten sehen den Aktienkurs auf dem Weg zu einem neuen Rekordtief von weniger als neun Euro. Die Aktie verliert zum Wochenschluss fünf Prozent.

Der Deutsche Aktienindex Dax dagegen überspringt zwischenzeitlich wieder die Schwelle von 12 600 Punkten, ein Plus von vier Prozent seit Ende März. Aber die Vorsicht bleibt, auch wenn die Zinsen in Europa bis weit ins Jahr 2019 niedrig bleiben werden, wie Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), wieder sehr deutlich gemacht hat. Auch die Inflationsrate verharrt weit unter der Marke von zwei Prozent.

Trotzdem sind Volkswirte und Börsianer zurückhaltend. „Eine tatsächliche Beschneidung des weltweiten Handels wäre ein veritabler Wachstumsdämpfer und damit Gift für die Anlagemärkte“, warnt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank. Skepsis hat auch bei den Aktienstrategen der DZ Bank Einzug gehalten. Die geopolitischen Risiken seien gestiegen, sagt Michael Bissinger und verweist auf einen möglichen Handelskrieg, auf Syrien und den Iran. Die DZ Banker kappen ihre Dax-Prognose für das Jahresende von bislang 14 000 auf nur noch 13 300 Zähler. 2019 erwarten sie einen Dämpfer für die Unternehmen. Zugleich dürfte die restriktivere Politik der Notenbanken in den USA und in Europa die Aktienkurse bremsen.

Markus Reinwand von der Helaba plädiert dafür, der alten Börsenweisheit „Sell in May and go away“ zu folgen. Also zu verkaufen. Er glaubt, dass die Schwächephase im Dax bis Jahresende anhalten wird. 12 300 Punkte – mehr traut Reinwand dem Index auch am Jahresende nicht zu.

Auf eine andere Belastung verweist Martin Hüfner, Chef-Ökonom beim Vermögensverwalter Assenagon: Auf die weltweit gigantische Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten. „Seit der Finanzkrise ist die Verschuldung nicht gesunken, sondern erheblich gestiegen.“ Sie sei mittlerweile doppelt so groß wie die gesamte globale Wirtschaftsleistung. „Das schürt Ängste bei Anlegern und belastet die Finanzmärkte“, sagt der Ökonom. Aus den hohen Schulden müsse sich nicht zwangsläufig eine neue Finanzkrise ergeben. „Aber Regierungen, Unternehmen und Haushalte haben den Ernst der Lage nicht verstanden.“ Die Gefahr für einen Knall steige. rolf obertreis

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