Börsen im Überblick

Der Schreckensmonat an der Börse ist vorbei – von Schrecken aber ist nichts zu sehen.

Die Marke von 13 000 Punkten hat der Deutsche Aktienindex Dax im Oktober übersprungen, weitere Rekordhochs wurden erklommen – bis auf 13 249 Zähler am Freitag. Um mehr als 15 Prozent steht er höher als Ende 2016 und drei Prozent über dem Niveau von Ende September. Für neuen Schub sorgt die Europäische Zentralbank. Sie fährt zwar ihr Anleihekaufprogramm ab Anfang 2018 zurück, aber EZB-Chef Mario Draghi macht klar, dass die Zinsen noch sehr lange sehr niedrig bleiben. Vor 2019 wird sich vermutlich nichts tun.

Beklagen können sich Aktienanleger wahrlich nicht. Sparer, die auf Spar- und Tagesgeldkonten setzen, weil sie dem Aktienmarkt misstrauen, gehen dagegen ausgerechnet zum Weltspartag leer aus oder verlieren sogar Geld. Die Inflationsrate von 1,8 Prozent drückt den mickrigen Zins von im Schnitt 0,3 Prozent real ins Minus. Wer Anfang des Jahres 1000 Euro auf Sparanlagen gesetzt hat, dem bleiben am Jahresende nur 985 Euro. Auf 1000 Euro für Dax-Aktien gibt es dagegen aktuell 1150 Euro. Freilich vertrauen nur 8,9 Millionen Bundesbürger auf Aktien.

Dabei entgehen ihnen nicht nur Kursgewinne, sondern oft auch ansehnliche Dividenden, die für eine Rendite von oft mehr als drei Prozent sorgen. Weltweit ist im Übrigen die Zahl der Milliardäre, wie eine neue Studie zeigt, 2016 um 145 auf 1542 gestiegen (davon 117 in Deutschland), auch wegen der guten Börsenlage. Ihr Vermögen hat um 17 Prozent auf sechs Billionen Dollar zugelegt. 2017 kommt noch einiges dazu.

Glaubt man Experten, wird die große Mehrheit der Deutschen die Chancen mit soliden Aktien oder Aktienfonds weiter verpassen. Die Auguren glauben, dass die Kurse hoch bleiben oder weiter zulegen, allein schon, weil Alternativen fehlen. Wie Sparanlagen bringen auch Anleihen kaum oder keinen Ertrag. Auch die anhaltend gute Konjunktur bei bester Stimmung der Manager und daraus resultierend steigende Firmengewinne dürften Aktien Rückenwind verleihen. Der kommt auch aus den USA, wo die weltgrößte Börse in New York immer neue Rekorde verbucht, so wie viele US-Konzerne. Amazon und Google haben es gerade gezeigt.

„Die Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte sind weiter gut“, sagt nicht nur Michael Bissinger von der DZ Bank. Die Voraussetzungen für Pluszeichen auch 2018 seien rosig. Allerdings: Mit Kurssprüngen rechnet kaum jemand. Pessimisten wie Ulf Krauss von der Helaba warnen, sehen den Dax bis Mitte 2018 auf 12 300 Punkte abrutschen. Aktien seien zu hoch bewertet. Außerdem pumpe die EZB ab 2018 weniger Geld in die Wirtschaft und die Märkte. Solange die Zinsen aber nicht merklich steigen, dürften Anleger und vor allem Großinvestoren wie Fonds oder Pensionskassen keine Aktien abstoßen. Allerdings bleiben politische Risiken: Was passiert in Spanien nach dem Unabhängigkeitsvotum im katalanischen Parlament? Wie entwickelt sich die Lage um den Brexit? Flammt der Konflikt mit Nordkorea wieder auf? Fragen, die Börsianer in Atem halten. rolf obertreis

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