Börsen im Überblick

12 000 Punkte: Zwei Jahre hatten Börsianer und Anleger gewartet, bis im Deutschen Aktienindex Dax diese Hürde wieder einmal überwunden war.

Am Mittwoch war es so weit – und trotzdem hielten sich die Jubelschreie in Grenzen. Von Euphorie keine Spur. Das bestätigte sich zum Wochenschluss: Es wurden erst einmal Gewinne mitgenommen, der Dax rutschte um rund 1,3 Prozent auf knapp 11 800 Zähler ab. Das werten Experten aber als gutes Zeichen. Denn die Kurse sind schon ein erhebliches Stück gelaufen, die Bewertungen mittlerweile nicht mehr nie-drig. Da gebietet es sich, mit Bedacht auf den Aktienmarkt zu schauen.

Aber es gibt durchaus Gründe für die Bergfahrt an der Börse. Die zuletzt vorgelegten Bilanzen der Konzerne können sich zum allergrößten Teil sehen lassen, der Gewinn-Trend scheint intakt, die weiteren Aussichten gut. Dass es um die Unternehmen alles andere als schlecht steht, zeigt die Rekordsumme von 31 Milliarden Euro, die in den nächsten Wochen von den 30 Dax-Firmen als Dividende ausgeschüttet wird. Wenn selbst der eher zurückhaltende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann davon spricht, dass „sich der Aufschwung im Euro-Raum gefestigt hat und zunehmend auf sicheren Füßen steht“, belegt das das vorteilhafte Umfeld für die Unternehmen. Auch die deutsche Wirtschaft sei weiter in guter Verfassung, sagt Weidmann, der 2017 mit einem Wachstum von 1,8 Prozent rechnet.

Dazu gesellen sich die niedrigen Zinsen. Sie machen solide Aktien per se zu einer attraktiven Geldanlage. Trotzdem ist mit deutlich steigenden Kursen sehr genaues Hinsehen angesagt. „Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Grenzen zwischen närrischem Treiben und einigen realen Ereignissen in den vergangenen Wochen verschwommen sind“, sagt Ulf Krauss von der Helaba. Ähnlich sieht es Michael Bissinger von der DZ Bank. Sorgen würden ausgeblendet, Party stehe im Vordergrund. „Eine verblüffende Ähnlichkeit zum aktuellen Börsengeschehen. Beide erinnern unter anderem an die anstehenden Wahlen in Frankreich.“ Es drohe ein schwieriges Umfeld für Anleger. Er schließt einen Rückschlag im Dax bis auf 11 300 Zähler nicht aus.

Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe rät Anlegern davon ab, „dem Markt hinterherzujagen“. Das Rückschlagpotenzial werde größer, weil Risiken derzeit unterschätzt würden. Er warnt vor allem vor einem möglichen Wahlerfolg des rechtspopulistischen Front National in Frankreich. „Dann wird es einen empfindlichen Rückschlag am Aktienmarkt geben. Der Dax droht auf 10 000 Punkte zu fallen.“

So skeptisch ist DZ-Bank-Experte Bissinger nicht. Es gebe wenig Anzeichen, dass die Party abrupt zu Ende gehen sollte. „Insgesamt bleibt das Umfeld für Aktien gut.“ Er bleibt bei seiner Prognose von 12 000 Zählern zur Jahresmitte und einem Rekordstand von 12 500 am Jahresende.

rolf obertreis

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