Börsen im Überblick

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Das Kopfschütteln ist auch an der Börse groß. Der neue US-Präsident propagiert Protektionismus, plädiert für Folter, will eine Mauer an der Grenze nach Mexiko bauen, wirft reihenweise Prinzipien der westlichen Welt über den Haufen.

Doch US-Manager und Großanleger applaudieren Trump.

Banker begrüßen Lockerungen in der Regulierung. Die Börsenkurse steigen, in New York erklimmt der Dow Jones die noch nie erreichte Hürde von 20 000 Punkten, in Frankfurt nähert sich der Deutsche Aktienindex Dax der Marke von 12 000. Am Freitag ging er mit 11 814,27 Punkten aus dem Handel.

Der „Trump-Trade“, sagt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler, hat wieder Fahrt aufgenommen – und wundert sich: „Dass der Populismus, mit dem der neue US-Präsident seine Politik betreibt, auch große Gefahren für das globale Wirtschaftssystem birgt, wird aktuell – noch – völlig ausgeblendet.“ Als „selbstgefällig“ bezeichnet er die Stimmung an den Finanzmärkten und warnt vor der zunehmenden Wahrscheinlichkeit für eine böse Überraschung.

Als „absolut teuer“ bezeichnet auch Robert Halver von der Baader Bank den US-Aktienmarkt. Um rund 1,5 Prozent hat der Dax in der ersten Woche mit dem neuen US-Präsidenten zugelegt. Von „Trumpophobie“ und „Trumpophilie“ spricht Halver. Eine paradoxe Geisteshaltung sieht Jens Ehrhardt derzeit an der Börse. Der renommierte Vermögensverwalter glaubt, dass Trump frühestens 2018 „liefern“ wird und der US-Konjunktur einen Impuls wird geben können. Er verweist auf die – mit Trumps Maßnahmen verbundene – steigende Verschuldung in den USA, die ohnehin schon immens ist.

Auch Markus Reinwand von der Helaba ist skeptisch. Aktien könnten „zu schnell zu weit“ gelaufen sein. „Es wäre wohl deutlich gesünder, wenn der Dax (für die US-Indizes gilt dies umso mehr) erst einmal eine Verschnaufpause einlegte.“ Solange bis die Bilanzen der Unternehmen die Lage untermauern. Hierzulande hat bisher erst SAP berichtet, mit freilich sehr guten Zahlen.

Die Schar der Optimisten ist aber weiter beträchtlich. David Kohl, Chefvolkwirt bei Julius Bär, spricht zwar von schlechter Politik, hält die Rally an der Börse aber noch für gesund. Die Stimmung der Anleger sei noch nicht extrem, viele noch skeptisch. „Das Potenzial an den Aktienmärkten ist noch nicht ausgereizt“, glaubt er. DZ-Bank-Experte Michael Bissinger geht davon aus, dass Trump den Dax schon in naher Zukunft auf 12 000 Punkte treiben könnte.

Dafür sprechen hierzulande anhaltend niedrige Zinsen und die anstehende Dividenden-Saison. Mit der Rekordsumme von 31 Milliarden Euro werden die 30 Dax-Konzerne sechs Prozent mehr ausschütten als 2016. Bei den 100 größten Unternehmen wird es mit 40 Milliarden wohl auch ein Höchstwert sein. Allerdings könnten die Zinsen allmählich wieder steigen und die Aktienkurse abbremsen. Rolf Obertreis

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