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Die Kurse dümpeln vor sich hin, der Deutsche Aktienindex (Dax) bewegt sich kaum.

Nichts ist hierzulande zu spüren vom fragwürdigen Trump-Fieber in den USA. Dort feiert die Börse in New York neue Rekordstände, der Dow Jones steigt erstmals auf mehr als 19 000 Punkte. Aber auch ohne den Blick über den großen Teich sind die Aussichten in Deutschland nicht schlecht. Dafür sorgen allein schon die Dividenden. Für 2016 dürften die 30 Dax-Konzerne erstmals überhaupt im Frühjahr nächsten Jahres mehr als 30 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – sechs Prozent mehr als für 2015.

Zwar gaben diese Berechnungen auf Basis der guten Zwischenberichte für den ersten neun Monate 2016 – sie brachten einen Rekord beim Betriebsergebnis von mehr als 32 Milliarden Euro – den Kursen am Freitag keinen Schub, der Dax lag unverändert zur Vorwoche bei knapp 10 700 Zählern. Aber die Aussichten auf eine erneut ansehnliche Dividendenrendite von mehr als drei Prozent – gemessen am jeweiligen Aktienkurs – dürfte die Kurse stützen. Deutschlands exportstarke Firmen hätten sich in einem in vielen Teilen der Welt schwierigen Umfeld erstaunlich robust präsentiert, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Bei 22 der 30 Dax-Firmen erwarten Experten eine höhere Dividende. Nur bei Deutscher Bank und Commerzbank gibt es gar nichts, beim Energiekonzern RWE ist eine Ausschüttung fraglich.

„Momentan fehlt der entscheidende Auslöser für einen Ausbruch von Dax und Co. aus dem Seitwärtstrend nach oben – und damit auch für eine Jahresendrallye im Dezember“, bleibt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhaus Merck Finck vorsichtig. Nach oben könnte es dann gehen, wenn das Referendum in Italien am 4. Dezember über die Senatsreform positiv beschieden werde. Umgekehrt drohen, so Greil, stärkere Kursschwankungen als nach den Sitzungen der US-Notenbank Fed und der EZB im Dezember. Volkswirte fürchten, dass dann die Renditen von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer wieder steigen und die Turbulenzen in der Eurozone wieder aufflammen.

Überhaupt blicken Experten mit Sorgen auf die politischen Entwicklungen in den USA und auch in Europa. „Die Zeiten, in denen von politischer Seite nur geringfügige Belastungen für die Finanzmärkte ausgingen, sind vorbei“, ist Frank Wohlgemuth von der DZ Bank überzeugt. Andererseits sind Pessimisten weiter rar. Der gegenüber dem Dollar deutlich schwächere Euro hilft den exportstarken Unternehmen und hebt die Aussichten auf steigende Gewinne. Die Zinsen in Europa blieben trotz des jüngsten Renditeanstiegs auch bei Bundesanleihen niedrig. Und die Bewertung von europäischen und deutschen Aktien gilt weiter als deutlich günstiger als die von US-Papieren. Also rechnet die DZ Bank bis Ende 2017 mit einem Anstieg des Dax auf 12 000 Punkte. Die Landesbank Hessen-Thüringen erwartet Mitte 2017 rund 11 600 Zähler. Rolf Obertreis

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