Nach zwei Abstürzen

Boeing 737 Max: Produktion des Katastrophen-Fliegers nach 346 Toten gestoppt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Vom Flugverbot zum Produktionsstop: Boeing stoppt ab nächstem Jahr die Produktion der 737 MAX vorübergehend. Das Ende des Unglücksfliegers?

  • Boeing stellt ab Januar die Produktion der 737 MAX vorübergehend ein. 
  • Der Maschinentyp gilt seit mehreren Abstürzen - mit insgesamt 346 Toten - als Krisenflieger.
  • Der Produktionsstopp hat Folgen für Mitarbeiter und Wirtschaft. 

Chicago - Die Entscheidung, die Produktion der 737 MAX einzustellen, sei während der „kontinuierlichen Überprüfung der Produktionspläne“ angesichts des fortdauernden weltweiten Flugverbots gefallen, teilte der US-Flugzeughersteller Boeing am Montag mit. Das Flugverbot für die Boeing 737 MAX gilt seit März, nachdem bei zwei Abstürzen von Passagiermaschinen dieses Typs insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren.

Boeing hatte gehofft, noch in diesem Jahr eine Wiederzulassung für 737 MAX zu bekommen. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA erklärte aber am vergangenen Mittwoch, sie werde das Flugverbot in diesem Jahr nicht mehr aufheben. Der Prozess einer Wiederzulassung werde sich ins Jahr 2020 ziehen. Die Behörde warf dem Konzern vor, „unrealistische“ Zeitpläne für die Wiederaufnahme des Betriebs der Maschine verfolgt zu haben.

Boeing 737 Max: Produktionsstopp nach Abstürzen mit 346 Toten

Die FAA, die selber wegen der Abstürze in die Kritik geraten ist, will laut eigenen Beteuerungen die 737 MAX erst wieder dann in den Betrieb gehen lassen, wenn deren maximale Sicherheit garantiert ist. Boeing hatte trotz der weltweit von den Behörden nach den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien erlassenen Flugverbote die Produktion der 737 MAX fortgesetzt. In der Fabrik in Renton im US-Bundesstaat Washington wurden monatlich 40 Maschinen des Typs gebaut.

Nun erklärte der Konzern, bereits in der Vergangenheit habe er dargelegt, dass die Produktionspläne für den Fall eines länger andauernden Flugverbots stetig überprüft würden. „Als Ergebnis dieser andauernden Überprüfung haben wir entschieden, der Lieferung gelagerter Flugzeuge Priorität zu geben und die Produktion der 737 ab dem kommenden Monat vorübergehend einzustellen.“

Auch auf Twitter nahm der Konzern Stellung zum geplanten Produktionsstopp. Wegen den Flugverboten, die nach zwei verheerenden Abstürzen verhängt wurden, können die Maschinen seit Monaten nicht an Kunden ausgeliefert werden. Rund 400 Flugzeuge wurden auf Halde produziert und mussten zuletzt zwischengelagert werden.

Produktionsstopp der 737 Max: Folgen für die Mitarbeiter bei Boeing

Entlassungen oder Zwangsbeurlaubungen von Mitarbeitern seien jedoch nicht geplant, versicherte das Unternehmen. In dem Werk in Renton arbeiten bislang rund 12.000 Beschäftigte an der737 MAX. Ein Teil von ihnen soll nun in andere Boeing-Anlagen in der Region transferiert werden.

Boeing scheine endlich eingesehen zu haben, dass die internationalen Luftfahrtaufsichtsbehörden sich nicht "der Laune" des Konzerns beugen würden, erklärte der US-Senator Richard Blumenthal.

Boeing steckt seit den Abstürzen einer Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air im Oktober 2018 und eines Flugzeugs der Ethiopian Airlines im vergangenen März in einer tiefen Krise. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Flugverbot der 737 Max: Tausende Flüge gestrichen

Wegen des weltweiten Flugverbots mussten Fluggesellschaften tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen. Sie verlangen vom Flugzeugbauer deswegen Entschädigungen. Boeing stellte im Juli 5,6 Milliarden Dollar (knapp 5,1 Milliarden Euro) für solche Zahlungen zurück.

Die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines gab am vergangenen Donnerstag eine Entschädigungsvereinbarung mit Boeing bekannt, ohne jedoch deren Höhe zu nennen. Southwest erklärte aber, 125 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter weitergeben zu wollen. Die Fluglinie ist der größte Abnehmer der 737 MAX in den USA. 

Am Dienstag kündigte Southwest Airlines zudem an, die 737 Max Maschinen noch länger aus dem Flugplan zu streichen. Die 737 Max werde voraussichtlich bis zum 13. April nicht mehr eingesetzt.

Vergangene Woche hatte bereits Southwests US-Rivale American Airlines bekanntgegeben, bis in den April nicht mehr mit Einsätzen des Unglücksfliegers von Boeing zu planen. Die Fluglinien gehen also inzwischen davon aus, dass der Ausfall des wichtigen Modells, das seit Mitte März nicht mehr starten darf, über ein Jahr andauern wird.

Zuvor hatte Boeing Kunden verloren wegen des Startverbots der 737 MAX. Wann die 737-Produktion wieder anlaufen könnte, dazu gab der Hersteller zunächst keinerlei Hinweise. „Wir werden weitere Finanzinformationen hinsichtlich der Fertigungsaussetzung in Verbindung mit unserem Quartalsbericht Ende Januar veröffentlichen“, hieß es lediglich.

afp/dpa

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Kommentare