BMW-will Parken ohne Strafzettel-Risiko

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Die BMW-Welt in München: In der Tiefgarage startet der Konzern sein Parkangebot „Park Now“. Foto: Marcus Schlaf

Autobauer wollen zu mobilen Dienstleistern werden. BMW operiert dazu auch mit der Marke Park Now. Sie erlaubt minutengenaues Parken ohne Strafzettel-Risiko.

Automobilindstrie

von Thomas Magenheim-Hörmann

München – Autobauen allein reicht künftig für einen Autobauer nicht mehr. Manch traditioneller Hersteller bietet heute schon Carsharing und die Branche muss weitere Mobilitätsangebote in ihr Programm aufnehmen, will sie nicht von darauf spezialisierten Dienstleistern einmal an den Rand gedrängt werden, warnen Experten.

Relativ weit auf dem Weg zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft ist BMW. Ein Element in dieser Strategie ist der Parkdienst Park Now, der die Freude am Parken stimulieren soll. Die Namensgleichheit mit Drive Now, einem Gemeinschaftsunternehmen von BMW mit Sixt fürs Car Sharing, ist gewollt.

Tobias Scheibling ist jedenfalls begeistert von der Idee. „Ohne Kleingeld, minutengenau, kein Überzahlen, kein Strafzettel“, schwärmt der Park Now-Mitarbeiter und erklärt, worum es geht:

Keimzelle von Park Now ist das Parken auf kommunalen Stellflächen am Straßenrand von Städten, die zur Kooperation mit dem Dienstleister bereit sind. Autofahrer benötigen eine Park Now-App auf ihrem Smartphone, ihrer Smartwatch oder im Navigationssystem ihres Autos. Viele deutsche Kooperationsstädte verlangen zudem sichtbar im Auto eine Park Now-Parkplakette, die man sich aus dem Internet herunterladen und ausdrucken kann.

Wer in einer per App zugewiesenen Parkzone einen Parkplatz findet, aktiviert und beendet einen Parkvorgang per kostenloser App oder wahlweise auch per SMS oder Telefonanruf. Abgerechnet wird minutengenau. Man muss also vorher nicht abschätzen, wie lange man parken wird. Dafür kassiert Park Now pro Parken 15 Cent zusätzlich zur Parkgebühr. Bezahlt wird alles am Monatsende.

Der Service ist nicht an Fahrzeuge des BMW-Konzerns gebunden. Das verhindern schon die Städte und deren immer knapper werdender Parkraum. Den nur mit bestimmten Marken zu bewirtschaften, kommt für Kommunen nicht in Frage.

BMW wiederum sieht Park Now als willkommene Möglichkeit, um auch mit Besitzer eines Fremdfabrikats in Kontakt zu kommen, erklärt Sylvia Heidt, die Drive Now-Expertin des Konzerns. Über Mobilitätsdienste könne man neue Kundengruppen ansprechen. Und ein Auto parken müsse schließlich jeder Fahrzeuglenker immer wieder.

Eingestiegen ist BMW beim Mobilitätsstartup voriges Jahr. Dieses Jahr haben ihn die Bayern vollständig übernommen. „Mit diesem neuen Engagement vollziehen wir den nächsten Schritt auf dem Weg, Park Now zum weltweit führenden Premium-Parkplatzservice zu machen“, erklärte der BMW-Entwicklungschef für Mobilitätsdienste, Joachim Hauser.

Als zweite Säule beginnt Park Now derzeit auch Kooperationen mit Parkhäusern. Dazu benötigen Autofahrer dann eine Park Now-Karte, die beim Einfahren die Schranke öffnet und beim Ausfahren den sonst üblichen Parkschein ersetzt. Auch das Reservieren eines Stellplatzes im Parkhaus soll demnächst möglich sein.

In Stuttgart kooperiert Park Now derzeit mit vier Parkhäusern, in München mit einem. Das allerdings gehört bereits zum BMW-Konzern – es ist die Tiefgarage unter der BMW-Welt. Mehr sind es in Deutschland noch nicht.

Das Parken auf der Straße ist aktuell in 21 deutschen Städten wie Berlin, Köln oder Wiesbaden möglich. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. „Wir verhandeln in Deutschland mit weiteren Städten und Parkhäusern“, sagt Scheibling.

Auch in Österreich und Frankreich gibt es den Service bereits. „Ein internationaler Rollout ist geplant“, ergänzt eine BMW-Sprecherin ohne aber dazu Details zu nennen. Neben bezahlen und reservieren tüftelt Park Now auch am Auffinden freier Parkplatze, was für Autofahrer eine große Hilfe wäre und auch Städte sowie Umwelt entlasten könnte.

Denn der Parksuchverkehr nimmt in den Städten immer größere Umfänge an. Wer die App-Suche von Park Now aktiviert, soll künftig eine Prognose darüber erhalten, in welcher Straße in der näheren Umgebung mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Parkplatz zu finden ist, erklärt Scheibling.

BMW forscht derzeit an verschiedenen Prognosemodellen für die Verfügbarkeit von Parkplätzen auf der Straße und auf davon abgegrenzten Parkplätzen. Eventuell noch dieses, aber spätestens nächstes Jahr werde es so weit sein, schätzt Scheibling. Zur Freunde am Fahren, dem Werbeversprechen von BMW, soll schließlich auch noch die Freude am Parken kommen.

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