Betriebe zahlen für ungenutzte Kredite

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Eine Gebühr für Geld, das man nicht braucht: Die von der Europäischen Zentralbank erhobenen Strafzinsen werden auch an Gewerbe- und Handwerksbetriebe weitergereicht, in Form von Kreditprovisionen oder Bereitstellungsgebühren. pm

Bei zahlreichen Banken und Sparkassen müssen Geschäftskunden mittlerweile Strafzinsen bezahlen. Erste Institute in Oberbayern verlangen nun auch Gebühren für nicht genutzte Kontokorrentkredite – also Dispokredite für Geschäftskunden. Betroffen sind tausende Betriebe.

zinspolitik

von manuela dollinger

München – Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Geld ohne jedes Zutun auf dem Bankkonto gemehrt hat. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) von Banken, die bei ihr Geld parken, Strafzinsen verlangt, geraten immer mehr Geldhäuser unter Druck. Zinsen auf Erspartes werden kaum noch bezahlt. Immer mehr Institute reichen negative Zinsen an ihre Kunden weiter – bisher sind vor allem Geschäftskunden betroffen. Auch auf Leistungen, die bislang kostenfrei waren, werden immer öfter Gebühren erhoben. Jüngstes Beispiel ist der Kontokorrentkredit, eine Art Dispokredit für Firmenkunden.

Der Rahmen eines Kontokorrentkredits ist oft vergleichsweise üppig (für alle Fälle) und wird von den Betrieben selten ganz ausgeschöpft. Einige Banken gehen nun dazu über, für den nicht in Anspruch genommenen Teil eines solchen Kontokorrentkredits Gebühren zu erheben. Manche Geldhäuser sprechen von einer „Bereitstellungsprovision“, andere bezeichnen die Gebühr als „Kreditprovision“ oder schlicht als „Zins“.

Wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab, haben zwei Sparkassen in Oberbayern entsprechende Gebühren kürzlich eingeführt – andere tragen sich mit dem Gedanken. Auch einige Volks- und Raiffeisenbanken erheben vereinzelt eine „Bereitstellungsprovision“, die in der Regel individuell mit Firmenkunden vereinbart wird, heißt es beim Genossenschaftsverband Bayern.

So werden bei den Vereinigten Sparkassen im Landkreis Weilheim seit 1. Dezember Zinsen für neue Kontokorrentvereinbarungen fällig, wenn der Kreditrahmen nicht ausgeschöpft wird – 0,25 Prozent pro Jahr für den nicht genutzten Teilbetrag des Kredits. Hintergrund sei die Zinspolitik der EZB, die die Banken zwinge, Negativzinsen an die Kunden weiterzureichen, sagt Robert-Christian Mayer, Sprecher der Vereinigten Sparkassen. „Früher oder später werden das wohl alle Banken machen“, glaubt er. „Wir müssen die Mittel für ein Drittel des Kontokorrentkredits vorhalten. Dieses Geld liegt bei der Landesbank, die uns dafür 0,4 Prozent Verwahrentgelt berechnet. Ein Teil davon wird nun an die Kunden weitergereicht“, erläutert Mayer. Bei den Kunden stoße der Schritt vorwiegend auf Verständnis. „Unsere Kunden sagen, das ist sehr fair“, sagt Mayer. Manche Firmenkunden würden den Kreditrahmen nun herunterfahren.

Ähnlich geht die Sparkasse Garmisch-Partenkirchen vor. Sie verlangt von Geschäftskunden seit dem 1. Januar eine „Kreditprovision“ in Höhe von einem Prozent für nicht in Anspruch genommene Kontokorrentkredite.

In Zahlen bedeutet das: Ein Handwerksbetrieb, der bei einem Kreditrahmen von 150 000 Euro nur 50 000 nutzt, muss bei der Sparkasse Weilheim für die nicht genutzten 100 000 Euro künftig 250 Euro im Jahr Gebühr bezahlen (nur bei Neukreditvergabe). Bei der Sparkasse Garmisch-Partenkirchen sind 1000 Euro fällig.

Andere Sparkassen denken derzeit über ein Gebührenmodell nach. So heißt es etwa bei der Sparkasse Freising: „Auch die Sparkasse Freising wird und muss sich in den nächsten Wochen detailliert mit diesem Thema beschäftigen.“ Die Sparkasse Dachau teilte unserer Zeitung mit: Man berechne bis dato keine Gebühren für die Bereitstellung von ungenutzten Kontokorrentkrediten. „Ob dies in Hinblick auf die lang anhaltende Niedrigzinsphase auch künftig so bleiben wird, kann aus heutiger Sicht nicht gesagt werden.“

Die Kreissparkasse Schongau erhebt bereits Gebühren für ungenutzte Kontokorrentkredite – allerdings nur von Großkunden; in der Breite sei aktuell keine Gebühr geplant, heißt es bei der Kreissparkasse. Das könnte sich allerdings nach der geplanten Fusion mit den Vereinigten Sparkassen Weilheim ändern. „Im Rahmen des Zusammenschlusses wird es mittelfristig auch zu einheitlichen Produkten und Preisen kommen. Zunächst gilt es aber, die technische Fusion, die in der zweiten Septemberhälfte 2017 stattfinden wird, zu bewältigen“, heißt es in Schongau dazu auf Anfrage. Bei der danach folgenden Vereinheitlichung von Produkten und Preisen würden die jeweils aktuellen Marktgegebenheiten die Entscheidung bestimmen.

Aktuell nicht geplant sind Gebühren auf ungenutzte Kontokorrentkredite übrigens bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, Altötting-Mühldorf, Rosenheim-Bad Aibling, den Kreissparkassen München Starnberg Ebersberg, Miesbach-Tegernsee und Traunstein-Trostberg sowie bei der Stadtsparkasse München und der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg.

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