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BayWa setzt auf Sonne, Obst und Gemüse

Klaus Josef Lutzist seit 2008 Chef des Agrarkonzerns BayWa.
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Klaus Josef Lutzist seit 2008 Chef des Agrarkonzerns BayWa.

München – Klaus Josef Lutz, Chef der BayWa, war in den vergangenen Monaten viel unterwegs.

Seine Mission: Aus dem bayerischen Agrarhändler formt er Schritt für Schritt einen global aufgestellten Mischkonzern. Seit der Münchner im Jahr 2009 die neue Strategie ausgegeben hat, jagt eine Übernahme die nächste. Im großen Stil stiegen die Bayern zunächst in den internationalen Obsthandel ein. Im vergangenen Jahr wurde der Hamburger Braugerstenhändler Evergrain und TFC Holland, Händler für Avocados, Mangos und Co., gekauft. Lutz‘ jüngster Coup: Die BayWa baut demnächst Tomaten in Abu Dhabi an – im Rahmen eines Joint Ventures mit einem lokalen Unternehmen, das dem Kornprinz der Vereinigten Arabischen Emirate gehört.

„Spezialitäten“ nennt Lutz die neuen Geschäftsfelder, die er weiter ausbauen will: Neben exotischem Obst, Braugerste und Tomaten zählen dazu etwa Vitamine für Futtermittel. Seit Lutz das Ruder bei der BayWa übernommen hat, ist das Unternehmen auch im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Die Bayern verkaufen und betreiben weltweit Solar- und Windparks. Auch hier sind weitere Investitionen geplant – denn Obst und Energie sind Gewinnbringer im Konzern. Sowohl der Obsthandel als auch das Energiegeschäft erzielten im vergangenen Jahr Rekordmarken. „Unsere Strategie geht auf. Die neuen Geschäftsfelder machen mittlerweile rund 55 Prozent unseres operativen Ergebnisses aus“, berichtete Lutz gestern bei der Bilanzvorlage in München. Die BayWa sei mittlerweile ein Konglomerat.

Dass der Gewinn im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, liegt am Kerngeschäft der BayWa. Während sich der Baustoffbereich nach Restrukturierungsmaßnehmen wieder positiv entwickelt, macht der weltweite Verfall der Agrarpreise den Münchnern zu schaffen. Rekordernten sorgten dafür, dass die Preise in den Keller rauschten. Vor allem mit Mais und Soja verdiente die BayWa kaum. Auch der Verkauf von Landmaschinen lief schleppend; die Bauern investieren zurückhaltend.

Und so stiegen zwar die Umsätze um gut drei Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss 2016 sank aber im Vergleich zum Vorjahr um 14,4 Prozent auf 52,7 Millionen Euro. Die Dividende soll dennoch stabil bleiben – 85 Cent je Aktie, so der Plan. Da die Erzeugerpreise in der Landwirtschaft mittlerweile wieder anziehen, geht Lutz nämlich davon aus, dass die Geschäfte im Agrarbereich 2017 erheblich besser laufen. „Wir erwarten einen Super-Swing im Agrargeschäft“, so der BayWa-Chef.

Wenig kalkulierbar sind allerdings die Auswirkungen von Spekulationen mit Soja, Mais oder Getreide, die 2016 für ein Auf und Ab an den Agrarbörsen sorgten – und die BayWa (vor allem bei Soja) kalt erwischten. Verantwortlich dafür seien Hedgefonds, die extreme Schwankungen auslösten, so Lutz. „Keiner weiß, wann die Hedgefonds ein- oder aussteigen. Man kann hier keine Spielregeln ableiten.“ Auch der Hochfrequenzhandel im Agrarbereich, bei dem innerhalb von Millisekunden Anteile gehandelt werden, nimmt laut Lutz zu. „Das ist alles hoch kompliziert und wir müssen daran arbeiten, dieses Geschäft besser zu verstehen“, so Lutz. Die Münchner wollen sich deshalb selbst an einem Unternehmen für Hochfrequenzhandel beteiligen. Momentan werde mit Spielgeld getestet, ob sich das für die BayWa lohne, so Lutz. Stimmt die Rendite, soll ein Joint Venture entstehen. manuela dollinger

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