Autos auf Zeit: Ideal für Großstädter

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Teilen liegt im Trend: Carsharing wird in Deutschland immer beliebter. In München teilen sich eine Handvoll Anbieter den Markt – darunter BeeZero mit einer Flotte aus wasserstoffbetriebenen Hyundai, die Bahn-Tochter Flinkster sowie DriveNow (BMW) und Car2Go (Daimler), die bald fusionieren könnten.

In München stehen sie beinah an jeder Ecke: BMWs mit dem Logo DriveNow, Smarts mit der Aufschrift Car2Go – Autos zum Mieten auf Zeit. Carsharing nennt sich das Geschäftsmodell. Wir erklären, welche Anbieter es im Raum München gibt und wie viel Autos auf Zeit kosten.

carsharing

von manuela dollinger

Lange galt das Auto in Deutschland als Statussymbol. Heute verzichten immer mehr Menschen auf ein eigenes Fahrzeug. Vor allem in Großstädten liegt das sogenannte Carsharing im Trend. Man mietet bei Bedarf ein Auto auf Zeit – ob für den Wocheneinkauf oder den Ausflug am Wochenende. Wir erklären, wie das funktioniert und was die geplante Fusion der beiden Platzhirschen DriveNow und Car2Go bedeutet.

-Wie funktioniert Carsharing?

Beim Carsharing besitzt man das Auto nicht selbst, sondern teilt es sich mit anderen. Halter des Autos ist in der Regel der Carsharing-Anbieter, mit dem der Kunde zunächst einen Rahmenvertrag abschließt. Meist ist ein Mindestalter von 21 Jahren Voraussetzung. Danach kann der Kunde die Mietautos selbstständig rund um die Uhr buchen, abholen und nutzen. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Modellen: Bei Anbietern wie Flinkster oder Stattauto holt der Kunde den Wagen an einer festen Station oder an einem definierten Stellplatz ab – und gibt ihn in der Regel dort auch wieder ab. Bei sogenannten Free-floating-Anbietern wie Car2Go (Daimler) oder DriveNow (BMW), die stationsunabhängig sind, finden und buchen Kunden Autos in ihrer Umgebung über eine Smartphone-App ohne feste Abhol- und Rückgabeplätze.

-Wie viel kostet Carsharing?

Auch in der Abrechnungsart gibt es Unterschiede: Bei den Free-floating-Anbietern sind reine Zeittarife verbreitet, abgerechnet wird minutengenau. Für Sonderziele, etwa den Flughafen München, wird ein Aufschlag fällig. Wie viele Kilometer verfahren werden, ist bis zu einer gewissen Grenze (bei Car2Go zum Beispiel 200 Kilometer) unerheblich. Bei Anbietern mit festen Abhol- und Rückgabestationen ist eine Kombination von Zeit- und Kilometertarifen verbreitet. Die meisten Anbieter haben zudem auch Sparpakete im Programm.

-Welche Anbieter gibt es?

Deutschlandweit gibt es rund 150 Carsharing-Anbieter. Der größte ist mit einer Flotte von 4000 Fahrzeugen in rund 300 Städten Flinkster, eine Tochter der Deutschen Bahn. Anders als DriveNow und Car2Go (jeweils rund 500 Fahrzeuge in München), die in Bayern lediglich in München (inklusive Flughafen München; Car2Go auch in Garching) verfügbar sind, unterhält Flinkster Stationen auch in zahlreichen Städten und Gemeinden im Münchner Umland – so unter anderem in Fürstenfeldbruck, Starnberg, Freising, am Tegernsee, in Garmisch-Partenkirchen, in Rosenheim oder Mühldorf am Inn. Auch der Anbieter Stattauto (rund 450 Fahrzeuge) ist im Umland vertreten – etwa in Dachau, Gauting, Puchheim, Ottobrunn oder Unterhaching. Der Anbieter BeeZero (eine Tochter des Gasekonzerns Linde) mit seiner Flotte aus 50 wasserstoffbetriebenen Hyundai ist nur in München unterwegs.

-BMW und Daimler wollen ihre Carsharing-Töchter in Kürze fusionieren. Was hätte das für Auswirkungen?

Das Free-floating-Modell, das

BMW und Daimler betreiben, wächst rasant – vor allem in Großstädten. Die Daimler-Tochter Car2Go hat weltweit inzwischen drei Millionen Kunden; DriveNow eine Million. Eine Fusion der beiden Platzhirschen im Free-floating-Markt steht seit Längerem im Raum. Der Autovermieter Sixt, der bisher mit 50 Prozent an DriveNow beteiligt war, hatte sich allerdings bisher quergestellt. Am Montag machte Sixt den Weg nun für einen Zusammenschluss der Carsharing-Angebote frei. Erich Sixt verkaufte seinen 50-Prozent-Anteil für 209 Millionen Euro an BMW. Mit einer Fusion von DriveNow und Car2Go sei nun im ersten Halbjahr zu rechnen, heißt es aus Industriekreisen. Geld verdienen weder BMW noch Daimler bisher mit dem Car-sharing. Durch einen Fusion würden Flottenmanagement, IT, Buchung, Service und Verwaltung zusammengelegt – so könnten beide Anbieter sparen. Auch für die Kunden könnte sich der Zusammenschluss lohnen; werden die Angebote (wie geplant) auf einer App gebündelt, steigt das Angebot an verfügbaren Autos – die Nutzung wird einfacher.

-Für wen lohnt sich Carsharing?

Auch wenn es mittlerweile Standorte im Münchner Umland gibt, ist Carsharing vor allem für Menschen in der Großstadt sinnvoll. Hier ist die Zahl der Anbieter und der verfügbaren Autos mittlerweile riesig. Dabei eignen sich Free-floating-Anbieter wie DriveNow und Car2Go vor allem für kurze, spontane Fahrten. Reservieren kann man hier kostenfrei lediglich 15 (DriveNow) beziehungsweise 30 Minuten (Car2Go). Bei BeeZero ist immerhin eine Stunde Reservierungszeit kostenfrei. Bei Stattauto und Flinkter kann man spontan buchen, aber auch lange im Voraus reservieren. Dazu kommt, dass die beiden Anbieter auch Kleinbusse und Sprinter in der Flotte haben, die sich zum Beispiel für den Möbeltransport eignen. Für Tagesausflüge kommen kostenseitig eher Stattauto und Flinkster infrage. Bei den beiden Anbietern sind – wie auch bei BeeZero – Auslandsfahrten gestattet. Wer sich für ein wasserstoffbetriebenes Auto von BeeZero entscheidet, sollte im Hinterkopf behalten, dass ein Tank für maximal 400 Kilometer reicht. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich bei verschiedenen Anbietern anzumelden, um je nach Bedarf das richtige Angebot in Anspruch zu nehmen.

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