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Ausgleich zwischen den Erben schaffen

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Anton SteinerPräsident des deutschen Forumsfür Erbrecht e.V.München

Werner P.: „Zwei Geschwister A und B haben von ihren Eltern jeweils ein Grundstück durch Schenkung erhalten. Da der eine Geschwisterteil A rund zehn Jahre jünger als das andere ist, wurde dessen Schenkung auch etwa zehn Jahren vor der Schenkung an B durchgeführt. Weil das Grundstück von B wesentlich größer als das von A ist und noch dazu ein Haus dazugehört, wollen A und B freiwillig und einvernehmlich eine Art Ausgleich schaffen. Dazu sollen die Werte der beiden Grundstücke (mit Haus) ermittelt werden. Nun macht B, dessen Eigentumswert wesentlich höher erscheint, geltend, dass A sein (mittlerweile von ihm selbst bebautes) Grundstück bereits seit zehn Jahren nutzen, das heißt in seinem Haus wohnen, kann. Deshalb rechnet B gegen, dass sich A zehn mal zwölf Monatsmieten (die er mit 1000 Euro ansetzt) gespart hat und will beim Wertvergleich sein Eigentum um 120 000 Euro geschmälert wissen. Ist das gerechtfertigt?“

Das ist Verhandlungssache. Denn wie Sie selbst schreiben, erfolgt der Ausgleich „freiwillig und einvernehmlich“. Das Gesetz enthält hierzu keine Vorschriften.

Eines sollten die Geschwister aber bedenken: Wenn die Ausgleichszahlung mehr als 20 000 Euro beträgt, dann fällt Schenkungsteuer an. Denn wenn ein Geschwisterteil dem anderen etwas freiwillig, also ohne Rechtspflicht, zuwendet, löst dies Schenkungsteuer aus, für die nur ein Freibetrag von 20 000 Euro gilt. Sollten die Eltern noch leben, so lässt sich dieses Problem oft dadurch in den Griff bekommen, dass die Eltern in ihrem Testament ein sogenanntes Geschwistergleichstellungsgeld anordnen. Für dieses gilt dann nicht der geringe Freibetrag zwischen Geschwistern, sondern der hohe Freibetrag im Verhältnis von Eltern zu Kindern (400 000 Euro). Man sollte solche Gestaltungen also nie ohne rechtlichen und steuerlichen Rat durchführen.

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