Alles über Pixel, Zoll, 4K und Co

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Bis zum 5. September trifft sich unter dem Berliner Funkturm die digitale Welt zur weltgrößten „Fachmesse für das vernetzte Leben”. Wir stellen die Fernseh-Highlights der Messe vor.

Ifa in Berlin

Paul Waldherr

Einst als Internationale Funkausstellung gestartet hat die Ifa ihren Status als Messe der Radio- und Unterhaltungsindustrie längst überwunden. Inzwischen ist unter dem Berliner Funkturm praktisch alles vertreten, was einen Stecker hat. Für viele Verbraucher bleiben Fernseher aber weiterhin interessant. Wir erklären, wie die neue Technik funktioniert und worauf Kunden beim Kauf eines neuen Gerätes achten sollten.

Fernseher werden immer größer

Entgegen aller Unkenrufe scheint in deutschen Wohnzimmern noch Platz für immer größere Bildschirme zu sein. Die Fernsehhersteller sind sich einig, dass der Trend zu immer größeren Bildschirmen ungebrochen anhält. Ist momentan noch 55 Zoll (rund 140 Zentimeter) die meist verkaufte Bildschirmdiagonale, erwarten sie zum Weihnachtsgeschäft einen deutlichen Zuwachs bei 65-Zoll-Geräten (165 Zentimeter). Auch Bildschirme mit 75 Zoll (191 Zentimeter) und darüber hinaus werden bald vermehrt in den Elektronikmärkten stehen.

Allerdings reicht es nicht, allein die Bildschirmfläche zu vergrößern. Auch die Zahl der dargestellten Bildpunkte (Pixel) muss in bestimmten Abständen mitwachsen. Entscheidend ist dabei die Punktdichte oder „Pixel per Inch“, abgekürzt ppi. Ein Inch entspricht etwa 2,5 Zentimeter.

Liegen etwa bei einem 40 Zoll großen Bildschirm (100 Zentimeter) mit Full-HD-Auflösung (1920 mal 1080 Bildpunkte) 55 Pixel pro Inch nebeneinander, sind es bei 65 Zoll nur noch 34 Pixel und bei 75 Zoll (191 Zentimeter) nur noch 29 ppi. Bei gleichem Betrachtungsabstand wirkt das Bild auf den größeren Schirmen dadurch deutlich schwammiger.

4K-Auflösung setzt sich durch

Aus diesem Grund hat sich bei Fernsehern ab 55 Zoll inzwischen die vierfache Full-HD-Auflösung, kurz 4K (3840 mal 2160 Pixel) mit einer Pixeldichte von 80 ppi etabliert. Einige Hersteller reagieren bereits auf die Größenentwicklung jenseits von 65 Zoll: So stellen etwa Sharp, Samsung und LG bereits Bildschirme mit der 16-fachen Full-HD-Auflösung (7680 mal 4320 Bildpunkten) aus. Kurz: 8K.

Erste 8K-Geräte erhältlich

8K-Wegbereiter Sharp, schon immer bekannt für große Bildschirme, stellt diesmal schon die zweite Generation seiner 8K-Fernseher aus. Allerdings wird es die Modelle mit Bilddiagonalen von 60 Zoll (rund 152 Zentimeter), 70 Zoll (rund 178 Zentimeter) sowie 80 Zoll (rund 203 Zentimeter) zunächst nur in Asien zu kaufen geben. Vermutlich erst Anfang 2019 werden sie in Europa verfügbar sein. Mit Preisen hält man sich bei Sharp derzeit noch bedeckt.

Am weitesten gediehen ist die Modellpflege bei Marktführer Samsung. Ab Mitte Oktober soll die Q900-Serie mit drei 8K-Modellen mit 65 Zoll, 75 Zoll und 85 Zoll (216 Zentimeter) in den deutschen Märkten stehen. Der Preis für das „kleinste“ Modell liegt bei rund 5000 Euro, das mittlere soll rund 7000 Euro kosten und für den größten Bildschirm sollen rund 15 000 Euro über den Ladentisch gehen.

Nach aller Erfahrung werden aber auch hier die Preise sehr bald wieder fallen. Spätestens dann, wenn andere Hersteller auf den 8K-Zug aufspringen. Deutlich zurückhaltender gibt sich zurzeit noch LG, der zweite große koreanische Hersteller. Er stellt auf der Ifa mit einer Bilddiagonale von 88 Zoll (224 Zentimeter) zwar den weltgrößten 8K-OLED-Schirm aus, aber nur als Prototypen.

Filme in hoher Auflösung sind selten

Ob 4K- oder 8K-Fernseher: Beide Techniken kämpfen mit dem Manko, dass es kaum entsprechendes Videomaterial gibt – im Falle von 8K gibt es überhaupt keines. Bis auf wenige Sportsendungen im Bezahlfernsehen strahlen TV-Sender bestenfalls in HD-Qualität aus. Wer 4K-Filme sehen will, muss einen Internet-Filmdienst wie Netflix abonnieren oder teure Ultra-HD-Blu-ray-Scheiben kaufen.

Niedrige Auflösung wird hochgerechnet

Alle Hersteller widmen sich deshalb bei ihren Premium-Geräten dem Hochskalieren der niedrigen Auflösung. SD- und HD-Inhalte werden hochgerechnet. Mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Bildprozessoren untersuchen in den Fernsehern bei jedem Bild dessen Textur, die Konturen der dargestellten Objekte und ermitteln spezifische Details. Unterstützt wird der Prozessor – etwa in Samsung-Geräten – durch eine umfangreiche Bildmusterdatenbank, in der die Entwickler die Eigenheiten von Abertausenden im Labor untersuchten Bilder als Formeln abgelegt haben.

Tipps für den Fernsehkauf

Da die eigentlichen Bildschirme nur von wenigen Herstellern in Asien gefertigt werden, sorgt das unterschiedliche Hochskalieren der Hersteller für die eigentlichen Unterschiede in der Bildqualität. Kunden sollten sich deshalb beim Kauf eines neuen Fernsehers das Objekt nicht nur mit ausgesuchtem Demo-Material vorführen lassen. Stattdessen sollten sie die unterschiedlichen Modelle beispielsweise mit YouTube-Videos in Full-HD-Auslösung oder – noch besser – in SD-Auflösung zeigen lassen. Achten sollten Kunden dabei auf ausgefranste, zackige Konturen oder Flimmern in homogenen Flächen, wie etwa Wolken oder Wasserflächen.

Neue Funktionen für HbbTV

Dem von den meisten Nutzern inzwischen als bequemer Zugang zu den Mediatheken der Sendeanstalten genutzten HbbTV haben die Entwickler in der zweiten Generation einige nützliche Funktionen spendiert. Mit HbbTV 2 ausgestattete Fernseher können auf Smartphones oder Tablets – zum Beispiel bei Sportübertragungen – zeitsynchron zusätzliche Perspektiven oder Zwischenstände übertragen. Ist von einer laufenden Sendung im Internet auch eine höher aufgelöste 4K-Sendung verfügbar, wird dies dem 4K-Fernseher signalisiert, er schaltet automatisch auf den 4K-Internet-Stream um. Ob HbbTV 2 nur in neuen Geräten implementiert ist oder ob es auch ein Upgrade für ältere Fernseher geben wird, ist momentan noch fraglich.

Tonqualität leidet bei dünnem Bildschirm

Während die Bilder der Fernseher immer brillanter werden ist, leidet der Ton unter den nur noch bleistiftdünnen Bildschirmen mit kaum mehr sichtbarem Rand. Da bleibt wenig Platz für angemessene Lautsprecher. Vielfach behelfen sich die Hersteller mit separaten, unten angebrachten Lautsprecherleisten (Soundbars). Allerdings können die wenigsten Lösungen klanglich mit externen Lautsprecher-Lösungen mithalten.

Philips-TV hat sein Defizit in dieser Hinsicht erkannt und sich mit Bowers & Wilkins einen Top-Audioexperten ins Boot geholt. Die Briten bauen seit 1966 hochwertige Lautsprecher, die als Einzelstücke bis zu 30 000 Euro kosten. Auf der Ifa haben beide Firmen nun ihre Partnerschaft bekannt gegeben. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Im direkten Vergleich ließen die Ingenieure von Bowers & Wilkins einen mit Philips-eigenen Lautsprechern ausgestatteten Fernseher (Modell Q803) gegen das Spitzenmodell (Q903), der ersten Frucht der neuen Partnerschaft, antreten. Der Klang war deutlich klarer und voller.

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