Aktionäre überhäufen Linde-Chef mit Lob

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Nach zwölf Jahren an der Spitze tritt Linde-Chef Wolfgang Reitzle (re.) 2014 ab. Aufsichtsratschef Manfred Schneider (li.) sondiert schon Nachfolge-Kandidaten. foto: dpa

Beim Münchner Dax-Konzern Linde ist die Aktionärswelt mehr als in Ordnung. Der scheidende Linde-Chef Wolfgang Reitzle stellt den Anteilseignern erneut ein Rekordjahr in Aussicht. Die wiederum beschäftigt vor allem eine Frage: Wer wird Reitzles Nachfolge antreten?

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Beim Münchner Dax-Konzern Linde ist die Aktionärswelt mehr als in Ordnung. Der scheidende Linde-Chef Wolfgang Reitzle stellt den Anteilseignern erneut ein Rekordjahr in Aussicht. Die wiederum beschäftigt vor allem eine Frage: Wer wird Reitzles Nachfolge antreten?

Von Manuela Dollinger

München – Rund 2000 Anteilseigner sitzen im Internationalen Congress Centrum (ICM) München und applaudieren Wolfgang Reitzle. Mit seiner Arbeit sind die Aktionäre mehr als zufrieden. „Umsatz und Gewinn sind traumhaft“, sagt Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger (VIP).

Reitzle, seit zwölf Jahren Chef des Münchner Gase- und Anlagenspezialisten, präsentiert – wie gewohnt – Rekorde. Nach einem guten Start ins Jahr sei der Konzernumsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 10,3 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro gestiegen, sagt Reitzle. „Wir sind damit erstmals das größte Gaseunternehmen der Welt.“

Nach einem Rekordjahr 2012 visiert der Linde-Chef für 2013 ein operatives Ergebnis von mindestens vier Milliarden Euro an – 2016 sollen es mindestens fünf Milliarden sein. Seit Reitzle bei Linde das Ruder übernommen hat, geht es steil bergauf. Der Börsenwert des Unternehmens liege aktuell bei mehr als 28 Milliarden Euro, so Reitzle. „Zum Vergleich: Vor zehn Jahren betrug unser Börsenwert nur ein Zehntel davon.“ Die Aktionäre können sich über eine Dividende von 2,70 Euro je Aktie freuen – acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch die Ära Reitzle geht zu Ende. Voraussichtlich im Mai 2014 verlässt er Linde. Die Aktionäre beschäftigt die Frage: Wer wird sein Nachfolger? Reitzle hat sich dazu bisher nicht geäußert – und das tut er auch jetzt nicht. Es gibt Gerüchte, dass hochrangige Siemens-Manager als Nachfolgekandidaten gehandelt werden. Aufsichtsratschef Manfred Schneider lässt durchblicken, dass momentan intensive Gespräche geführt werden. „Es sind nur noch wenige Kandidaten verblieben. Die Messlatte ist hoch“, erklärt er. Die Wahl müsse rechtzeitig und recht bald erfolgen, mahnt Aktionärsvertreter Buhlmann.

Während die Aktionäre den Vorstand mit Lob überhäufen, muss der Aufsichtsrat um Chefaufseher Schneider auch Kritik einstecken. Die Aktionäre bemängeln die Aufsichtsratsstruktur – zu viele Vertreter aus der Finanzbranche, zu wenig Ingenieure, zu wenig Frauen und zu wenig Mitglieder aus dem Ausland. Vier von sechs Aufsichtsräten seien aus dem Finanzbereich, das sei etwas viel, so Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Wir sind ein Industrie- und kein Finanzkonzern.“

Kritisch sehen die Aktionäre auch die Pläne des Aufsichtsrats, die eigene Vergütung neu zu regeln. Künftig erhalten alle Aufsichtsratsmitglieder eine feste jährliche Vergütung. Bisher setzt sie sich aus einem festen und einem variablen, ergebnisorientierten Teil zusammen. Ein für den Aufsichtsrat angenehmer Nebeneffekt: Durch die Neuregelung steigen die Bezüge der Räte gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Prozent.

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