LESER FRAGEN – EXPERTEN ANTWORTEN

Adoption und das Problem mit dem Unterhalt

Brigitte W.: „Wir haben zwei erwachsene Kinder, aber nur das 2.

(Tochter) ist unser gemeinsames Kind. Unser Sohn stammt aus meiner vorherigen Beziehung. Nun äußert unser Sohn den Wunsch, dass mein Mann ihn adoptiert, da unser Sohn keine Verpflichtungen gegenüber seinem leiblichen Vater eingehen möchte, sollte dieser ein Pflegefall werden, weil dieser sich nie für ihn interessiert hat. Unterhalt hat er zwar gezahlt, aber erst nach einiger Zeit und nur mit Unterstützung durch das Jugendamt. Des Weiteren möchten wir unseren Sohn im Erbfall seiner Halbschwester gleichstellen, was ja wohl beim Tod meines Mannes nach mir der Fall sein wird, aber nicht, wenn ich vor ihm sterben sollte. Nun meine Fragen: Wie sinnvoll ist so eine Erwachsenenadoption, was kostet sie und hat unser Sohn als sogenanntes Stiefkind nicht ohnehin den gleichen Freibetrag bei Erbschaft? “

Laut Gesetz können sowohl Minderjährige als auch Erwachsene adoptiert werden. Voraussetzung für die Minderjährigenadoption ist, dass diese dem Wohle des Kindes dient. Wäre Ihr Sohn noch minderjährig, müsste sein Vater der Adoption zustimmen. Voraussetzung für eine Volljährigenadoption ist, dass zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits entstanden ist oder mindestens zu erwarten ist. Der Vater Ihres Sohnes muss der Adoption nicht zustimmen.

Während ein minderjähriges Kind bei einer Adoption sein Verwandtschaftsverhältnis zu seinen leiblichen Eltern und damit auch das gegenseitige Erb- und Pflichtteilsrecht ebenso verloren geht wie die gegenseitige Unterhaltsverpflichtung, bleibt bei Ihrem volljährigen Sohn die verwandtschaftliche Beziehung zu seinen leiblichen Vater und damit, auch das gegenseitige Erb- und Pflichtteilsrecht sowie die Unterhaltsverpflichtung aufrechterhalten. Möglich ist aber auch eine Volljährigenadoption mit der starken Wirkung einer Minderjährigenadoption, bei der dann auch das verwandtschaftliche Verhältnis zu den leiblichen Eltern und damit auch die Unterhaltsverpflichtung abgeschnitten wird.

Die Erwachsenenadoption mit den Vollwirkungen einer Minderjährigenadoption kann – wie in Ihrem Fall – bei Stiefkinderadoptionen in Betracht kommen. Hier müssen allerdings auch die Interessen des leiblichen Vaters berücksichtigt werden. Dieser würde am Verfahren beteiligt und angehört werden. Ob allerdings in Ihrem Fall die Adoption mit Wirkung einer Minderjährigenadoption ausgesprochen werden würde, ist nicht absehbar, da nach Rechtsprechung die Vollwirkung einer Minderjährigenadoption nicht ausgesprochen werden darf, wenn sich das Adoptivkind durch die Adoption seiner Unterhaltspflicht gegenüber einem bedürftigen leiblichen Elternteil entziehen will. Das Gericht hat den Umstand, dass der leibliche Vater potenziell bedürftig werden und dann auf Unterhaltsansprüche angewiesen sein könnte, ebenso in die Interessenabwägung einzubeziehen wie den Umstand, dass dieser seinerseits dem Sohn viele Jahre lang Unterhalt geleistet hat. Angesichts dieser vom Gericht vorzunehmenden Interessenabwägung und angesichts fehlender Kenntnis einer potenzieller Bedürftigkeit des leiblichen Vaters kann ich Ihnen deshalb nicht sagen, ob ein Antrag auf Volljährigenadoption mit Minderjährigenwirkung Aussicht auf Erfolg haben würde.

Nun zur Problematik Erbrecht: Für die Adoption fallen Notarkosten und Gerichtskosten an. Grundlage für die Berechnung der Gebühren ist das Reinvermögen des Annehmenden (Vermögen abzüglich Schulden). Falls Sie zuerst versterben – und Sie mit Ihrem Ehemann im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben – werden Sie von Ihrem Ehemann zur Hälfte und Ihrer Tochter und Ihrem Sohn zu jeweils einem Viertel beerbt. Falls Ihr Ehemann zuerst verstirbt, wird er von Ihnen und Ihrer gemeinsamen Tochter zu je Hälfte beerbt. Ihr Sohn würde nichts erben. Richtig ist, dass Stiefkinder – wie eigene leibliche Kinder – einen Steuerfreibetrag von 400 000 Euro und die günstigen Erbschaftssteuersätze haben. Da Ihr Sohn aber nach Gesetz Ihren Ehemann nicht beerbt und auch keine Pflichtteilsansprüche hat, ist es erforderlich, ein Testament zu errichten, um den Steuerfreibetrag zu nutzen.

Unterstellt, Sie und Ihr Ehemann haben ein gemeinschaftliches Testament errichtet, im Rahmen dessen Sie sich gegenseitig als Alleinerben eingesetzt und bindend bestimmt haben, dass Tochter und Sohn Schlusserben sind nach dem Tod desjenigen, der als zweiter stirbt, so ist zwar gesichert, dass Tochter und Sohn jeweils die Hälfte als Schlusserben erhalten, allerdings kann nur die Tochter Pflichtteilsansprüche geltend machen, falls Ihr Ehemann zuerst verstirbt. Unter diesem Gesichtspunkt wäre eine Adoption zielführend, da dadurch die Pflichtteilsansprüche Ihres Sohnes nach dem Tod Ihres Ehegatten gesichert werden.

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richten Sie bitte am besten per E-Mail an geldundmarkt@ovb.net

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