Acht Ex-Vorständen der HRE droht der Prozess

Georg Funke ist in Deutschland „das Gesicht der Finanzkrise“. Sein Name ging um die Welt, als ein Milliardenloch bei der Immobilienbank Hypo Real Estate Deutschland im September 2008 in eine Schockstarre versetzte. Funke fühlt sich zu Unrecht verfolgt und verlegte seinen Wohnsitz von München nach Mallorca. Seine Villa in Grünwald verkaufte er für mehrere Millionen Euro.
+
Georg Funke ist in Deutschland „das Gesicht der Finanzkrise“. Sein Name ging um die Welt, als ein Milliardenloch bei der Immobilienbank Hypo Real Estate Deutschland im September 2008 in eine Schockstarre versetzte. Funke fühlt sich zu Unrecht verfolgt und verlegte seinen Wohnsitz von München nach Mallorca. Seine Villa in Grünwald verkaufte er für mehrere Millionen Euro.

Münchner Staatsanwälte werfen der Managerriege um Georg Funke vor, die Lage der Bank bewusst falsch dargestellt zu haben. Vom Tisch sind dagegen Untreue-Vorwürfe.

banken

Münchner Staatsanwälte werfen der Managerriege um Georg Funke vor, die Lage der Bank bewusst falsch dargestellt zu haben. Vom Tisch sind dagegen Untreue-Vorwürfe.

von thomas magenheim-hörmann

München – Gut sechseinhalb Jahre lang hat die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Vorstände der Münchner Hypo Real Estate (HRE) ermittelt. Nun erhebt sie Anklage gegen die gesamte Ex-Führungsriege des Geldinstituts, das in Deutschland wie kein anderes zum Symbol der Finanzkrise geworden ist und mit Steuergeldern von über 100 Milliarden Euro vor dem Untergang gerettet werden musste. Vor Gericht sollen der frühere HRE-Chef Georg Funke und sieben weitere Banker. Die Ermittler werfen ihnen bewusst falsche Berichterstattung über die Liquiditätslage und Risiken der HRE-Gruppe in der Bilanz 2007 und dem Halbjahresbericht 2008 vor.

Die Darstellung der finanziellen Lage der HRE weiche darin „in evidenter Weise von den tatsächlichen Verhältnissen ab“, glauben die Staatsanwälte beweisen zu können. Insbesondere über Liquiditätsrisiken habe der in seiner Gesamtheit verantwortliche HRE-Vorstand nicht informiert. Vorwürfe wegen Untreue beim Kauf der irischen Depfa-Bank hat die Staatsanwaltschaft allerdings fallengelassen. Dagegen wurde der frühere HRE-Finanzchef Markus Fell als einziger Ex-Vorstand auch wegen Marktmanipulation angeklagt. Er soll die Liquiditätslage der HRE noch kurz vor ihrem Beinahe-Kollaps Ende September 2008 gegenüber Investoren als stabil bezeichnet haben. Fell drohen damit bis zu fünf jahre Gefängnis, allen anderen Bankern maximal drei Jahre.

Damit gilt es als unwahrscheinlich, dass einer von ihnen bei einem Schuldspruch ins Gefängnis muss. Ausnahme könnte Fell sein.

Ob es überhaupt zum Prozess kommt, muss nun Richter Peter Noll vom Oberlandesgericht München entscheiden, der schon mehrere spektakuläre Wirtschaftsprozesse verhandelt hat, zuletzt den gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Zuvor haben die Anwälte der Banker zwei Monate Zeit, sich zu den Tatvorwürfen zu äußern. Sie und ihre Mandanten dürften mit der auf 488 Seiten ausgebreiteten Klage allerdings leben können, nachdem der Unteuevorwurf vom Tisch ist.

Von der Anklage angetan zeigte sich indessen Rechtsanwalt Andreas Tilp. Er streitet derzeit mit der HRE vor Gericht wegen Schadenersatz für Ex-Aktionäre und sieht nun eine Chance, die Regressansprüche auszuweiten. Denn sein Musterprozess umfasst nur HRE-Aktienkäufe bis zum 15. Januar 2008. Die Staatsanwaltschaft aber sieht auch im Halbjahresbericht zum 30. Juni 2008 eine falsche Darstellung. Der Zeitraum von Regressforderungen werde damit zeitlich ausgeweitet, betont Tilp. In jedem Fall werde er nun eine zweite Musterklage für die Zeit nach Mitte Januar 2008 einreichen, kündigte Tilp an.

Im aktuellen Zivilverfahren geht es um Regressforderungen von 1,2 Milliarden Euro. Sollte die HRE verurteilt werden, müsste für den Schadenersatz der Steuerzahler aufkommen. Ob Richter Noll die Klage zulässt, wird er wie in einem anderen spektakulären Fall – der Anklage gegen den Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen wegen versuchtem Prozessbetrug – voraussichtlich Anfang 2015 entscheiden. Kommt es zum Prozess gegen die HRE-Banker müsste die gesamte frühere Vorstandsriege vor dem Kadi antreten. Das gilt auch für Funke. Anfang Februar hatt er im Schadenersatzprozess ein mit Spannung erwartetes freiwilliges Erscheinen noch in letzter Minute abgesagt. Nach seinem Rücktritt als HRE-Chef im Oktober 2008 ist der Banker nach Mallorca gezogen. Er hat dort zuletzt Immobilien gemakelt und eine Mitschuld am HRE-Debakel immer wieder aus der Ferne bestritten.

Kommentare