24-Stunden-Warnstreiks in 40 Betrieben

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Die Zeit ist abgelaufen: Ab morgen will die IG Metall ihrer Forderung von sechs Prozent mehr Lohn und einer flexibleren Arbeitszeitregelung mit ganztägigen Warnstreiks Nachdruck verleihen. Foto: reuters

Tarifkonflikt . Von Sebastian Hölzle.

München – Kunden erhalten keine Lieferungen mehr, Bänder stehen still, die gesamte Produktion kommt zum Erliegen. Das ist das Szenario, auf das sich die bayerischen Metallarbeitgeber diese Woche einstellen müssen. Die IG Metall hat angekündigt, von Mittwoch bis Freitag ganztätige Warnstreiks in rund 40 bayerischen Betrieben durchführen zu wollen. Auch in anderen Bundesländern sind 24-Stunden-Warnstreiks geplant – ein Novum: Bislang hatte es solche Streiks in der Branche noch nie gegeben. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) könnten die Arbeitsniederlegungen die Unternehmen bis zu 90 Millionen Euro pro Tag kosten.

„Die ganztägigen Warnstreiks werden die Metall- und Elektroindustrie flächendeckend betreffen, das gilt sowohl für kleine als auch für große Betriebe“, sagte der Bezirksvorsitzende der IG Metall, Jürgen Wechsler, gestern in München. Welche Unternehmen in Bayern betroffen seien, würde erst nach dem Ende von Mitgliederabstimmungen in den Betrieben bekannt gegeben. Bereits seit dem Wochenende ist bekannt, dass beispielsweise beim Münchner Lastwagenbauer MAN entsprechende Abstimmungen in Vorbereitung sind.

„Die Geduld ist zu Ende, und die Arbeitgeber haben es sich selbst zuzuschreiben, was auf sie zukommt“, sagte Wechsler. Die Arbeitgeber dagegen machten gestern wiederholt die Gewerkschaft für das Scheitern der Gespräche am Wochenende verantwortlich. „Zu allen Konfliktfeldern lagen Lösungsansätze auf dem Tisch, denen sich die IG Metall verschlossen hat“, erklärte der Chef der bayerischen Metallarbeitgeber, Bertram Brossardt. „Die Ablehnung der IG Metall, das Ultimatum der IG Metall und der Abbruch der Verhandlungen durch die IG Metall zeigen ganz offensichtlich, dass sie den Streik um seiner selbst willen wollte“, kritisierte Brossardt. Wechsler kündigte an, es könnten weitere Verhandlungen stattfinden, diese fänden aber frühestens nach den geplanten Tageswarnstreiks, also am Samstag statt.

Allerdings steigt mit jedem Tag ohne Verhandlungsergebnis die Gefahr einer weiteren Eskalation: Wechsler sagte, parallel zu den 24-Stunden-Streiks treffe man bereits Vorbereitungen für eine Urabstimmung zu unbefristeten Flächenstreiks. Solche flächendeckenden Streiks hatte es zuletzt 1995 in Bayern gegeben.

Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Branche sechs Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber hatten eine Einmalzahlung für drei Monate und danach zwei Prozent mehr Geld angeboten. Nach dem Willen der Gewerkschaft sollen Beschäftigte außerdem ihre Arbeitszeit vorübergehend verkürzen dürfen – bei teilweisem Lohnausgleich.

Die bayerischen Arbeitgeber halten einen solchen Lohnausgleich für rechtswidrig und hatten bereits am Wochenende angekündigt, vor Gericht dagegen klagen zu wollen. Brossardt begründete sein Vorgehen gestern damit, dass reguläre Teilzeitbeschäftigte benachteiligt würden, da sie keinen Anspruch auf einen Lohnausgleich hätten. Bei der Gewerkschaft stieß die Klagedrohung auf Unverständnis: Es sei ein Armutszeugnis der Arbeitgeber, die Tarifrunde vor Gericht entscheiden zu wollen, sagte Wechsler.

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