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Wirken Omas Hausmittel wirklich?

Sie werden oft von einer Generation zur nächsten weitergegeben: die Hausmittel. Jede Familie hat ihre eigenen Rezepte gegen diverse Zipperlein. Die einen schwören auf Kartoffelwickel, andere auf Rettichsuppe. Aber was hilft wirklich? Wir haben Experten gefragt.

von angelika mayr

-Wirken Kartoffelwickel tatsächlich schleimlösend?

„Es stimmt, heiße Kartoffelwickel wärmen den entzündeten Halsbereich und fördern so die Durchblutung“, sagt Jörg Schelling, Professor am Institut für Allgemeinmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Marcus van Dyck hat er Omas Hausmittel für uns genauer angeschaut. Das Rezept für Kartoffelwickel: Vier bis sechs mittelgroße gekochte Kartoffeln werden in ein Geschirrtuch gelegt und weichgedrückt. Jetzt müssen sie so weit abkühlen, bis keine Verbrennungsgefahr mehr besteht. Das dauert etwa zehn Minuten lang. Danach wird das selbst gemachte Wärmekissen auf die Brust gelegt und mit einem Tuch überdeckt. „Achten Sie vor dem Auflegen unbedingt auf die Temperatur“, warnt Schelling.

-Sind Zwiebel und Kandis ein guter Hustensaftersatz?

„Zwiebeln enthalten schwefelhaltige Verbindungen und sogenannte Flavonoide, die entzündungshemmend wirken“, sagt Schelling. Das Rezept: Für den natürlichen Hustensaft Zwiebeln in Würfel schneiden, mit Kandiszucker aufkochen, danach abseihen. Dann kann der Zwiebel-Honig-Sud getrunken werden.

-Helfen Quarkwickel bei Brustentzündungen?

Sie helfen tatsächlich, denn die Inhaltsstoffe aus dem Quark besitzen eine entzündungshemmende und kühlende Wirkung. Für einen solchen Quarkwickel empfiehlt Schelling Magerquark, der etwa einen halben Zentimeter dick auf ein Tuch aufgetragen wird. Danach wird das Tuch gefaltet und so auf die betroffene Stelle gelegt, dass noch eine Luftschicht zwischen der Haut und dem Tuch bleibt. „Quarkwickel kann man bis zu drei Mal am Tag wiederholen“, sagt Schelling.

-Kann Knoblauch Bluthochdruck entgegenwirken?

Australische Forscher konnten nachweisen, dass mithilfe eines Extrakts aus Knoblauch und zusätzlich eingenommenen Medikamenten tatsächlich der Blutdruck gesenkt werden konnte. Ob der Knoblauch auch alleine den Blutdruck senkt, ist nicht klar. „Vorsicht geboten ist, wenn jemand Knoblauchextrakt gleichzeitig mit Schmerzmitteln oder Gerinnungshemmern einnehmen will“, sagt Schelling.

-Hilft heiße Honig-Milch bei Erkältungen?

Heiße Milch mit Honig wirke nicht bei Erkältungen, sagt Schelling. Die heiße Milch baut einige der antibakteriellen Wirkstoffe im Honig ab.

-Wirken Zwiebeln und Knoblauch bei Halsweh?

Zwiebeln enthalten schwefelhaltige Verbindungen und können gegen eine Entzündung wirken. Knoblauch enthält den Stoff Allicin, der gut gegen Bakterien ist. Das Rezept: Zwiebel und Knoblauchzehe hacken und mit drei Esslöffel Honig in ein Gefäß geben. Etwa zwei Stunden ziehen lassen. Dann kann das Gemisch getrunken werden.

-Hilft eine Meerrettichhalskette wirklich bei Fieber?

Diese Frage beantworten die Experten mit einem „Jein“: Denn die im Meerrettich enthaltenen Senföle wirken zwar gegen Bakterien und sind gute Schleimlöser. Am besten ist es, den Meerrettich dafür zu schälen, zu reiben und beispielsweise mit Honig als Tee zu trinken. „Eine äußerliche Anwendung, also wie bei einer Meerrettich-Kette, ist dagegen umstritten“, so Schelling.

-Sollte ich bei Schnupfen Kamillendampf inhalieren?

Ja, schließlich befeuchtet der Dampf die gereizten Schleimhäute und fördert so die Durchblutung. Zusätzlich kann die Kamille Entzündungen hemmen. „Sie können zwei bis drei Mal täglich für fünf bis zehn Minuten inhalieren“, sagt der Experte. „Wird Ihnen schwindelig, haben Sie zu schnell geatmet.“

-Nützt ein Kastanien-Badezusatz bei Rheuma und Gicht?

Rosskastanien enthalten Aescin. Dieser Stoff hemmt die körpereigene Produktion von Entzündungsstoffen, was bei Rheuma tatsächlich zu einer Schmerzlinderung führen könnte. „Jedoch ist die Wirkung eher umstritten“, sagt Schelling. Denn der Stoff ist zwar gut wasserlöslich. Allerdings ist unklar, wie effektiv er im heißen Wasser von der Haut aufgenommen wird.

-Sind Cola und Salzstangen gut bei Durchfall?

„Diese Kombination ist nicht zu empfehlen“, erklärt Schelling. „Zum einen fehlt das Mineral Kalium und zum anderen wird so viel Salz und Zucker aufgenommen.“ Der Zucker zieht mehr Wasser in den Darm, und so wird der Wasserverlust bei einem Durchfall verstärkt. „Besser ist eine Salzlösung“, sagt Schelling. Dazu werden in abgekochtes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser jeweils ein viertel Teelöffel Kochsalz und Backpulver gerührt. Danach gibt man zwei Esslöffel Zucker oder Honig sowie eine halbe Tasse Orangensaft als Kaliumlieferanten hinein.

-Tut eine Hühnersuppe bei einer Erkältung wirklich gut?

„Eine Hühnersuppe mit Gemüse wirkt tatsächlich entzündungshemmend“, sagt Schelling. Denn erstens regt der Dampf die Schleimhäute an und zweitens verlieren die neutrophilen Granulozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, ihre Beweglichkeit. Die Folge: Die Entzündung kann sich nicht weiter ausbreiten. Die Erkältungssymptome nehmen ab. „Verantwortlich dafür scheint die Kombination der Inhaltsstoffe zu sein“, so Schelling. „Verwenden Sie aber unbedingt Gemüse wie Zwiebeln, Karotten, Petersilie und andere. Denn eine Hühnersuppe ohne Gemüse zeigte keine Effekte.“

-Schafft es eine Rettichsuppe, Fieber zu senken?

Da die im Meerrettich enthaltenen Senföle Schleim lösen und gegen Bakterien wirken, können sie an den Ursachen des Fiebers tatsächlich ansetzen. „Aber nur, wenn Bakterien für das Fieber verantwortlich sind“, sagt Schelling. Das Rezept: Weißen Rettich, Frühlingszwiebeln und Ingwer zehn Minuten im Wasser köcheln lassen.

-Wirkt ein Essigpfeffertuch bei Schnupfen?

Es stimmt, Essig wirkt gegen Bakterien. Aber der Pfeffer reizt zu sehr die Schleimhäute in der Nase. „Die Kombination ist also fragwürdig“, sagt Schelling. „Inhalieren Sie lieber die Dämpfe von Kamillentee.“

-Hilft Quark mit Honig und Leinsamen bei Verstopfung?

Ja, denn in den Schalen der Leinsamen stecken Ballaststoffe, Eiweiße und Schleimstoffe. Letztere wirken im Darm wie ein Quellmittel und die Verstopfung kann sich leichter lösen. Dazu sorgen Quark und Honig nicht nur für einen guten Geschmack, sondern aufgrund des enthaltenen Zuckers gelangt noch mehr Wasser in den Darm. „Wichtig ist, dass Sie geschrotete Leinsamen nehmen und viel trinken“, sagt Schelling. „Eineinhalb Liter am Tag dürfen es schon sein.“

-Wirkt warmes Bier bei Infekten tatsächlich Wunder?

Viele warme Getränke helfen bei Erkältungen und dazu gehört auch Bier. „Der enthaltene Hopfen wirkt schlaffördernd“, sagt Schelling. „Und Schlaf ist bei Erkältungen hilfreich.“ Zu viel Bier aber ist schädlich, denn das schwächt das Immunsystem und entzieht dem Körper Wasser. „Und natürlich ist warmes Bier nur etwas für Erwachsene.“

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