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Die Hintergründe des Ukraine-Kriegs

Was will Putin? Diese drei Ziele verfolgt der Kriegsherr im Kreml

Was will Putin mit dem Krieg erreichen?
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Was will Putin mit dem Krieg erreichen?
  • Marcus Mäckler
    VonMarcus Mäckler
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Lange wollte der Westen es nicht wahrhaben, jetzt ist es aber Fakt: Wladimir Putin stürzt den Osten Europas in einen neuen Krieg. Welche Ziele verfolgt der Kreml-Herrscher?

München – Für diesen kleinen Mann hat Größe eine zentrale Bedeutung. Deshalb sitzt Wladimir Putin am Montag auch nicht irgendwo, sondern in einem protzigen Säulensaal, vor ihm ein schwerer Schreibtisch, dann lange nichts. Er muss in ein Mikrofon sprechen, damit die Mitglieder seines Sicherheitsrats ihn hören. Sie sitzen 20 Meter entfernt, andächtig, schüchtern fast – er ruft sie einzeln auf, wie Schüler zum Rapport.

Die Szene sagt viel über den Mann, der den Friedenskontinent Europa in einen neuen Krieg gestürzt hat. Selbst die engsten Berater hält sich Putin vom Leib. Wem Russlands Präsident dieser Tage überhaupt noch zuhört, ist auch Insidern ein Rätsel. „Wenn er sich mit irgendjemandem berät, dann mit Gott“, sagte der Chef des Moskauer Carnegie-Zentrums, Dmitrij Trenin, unlängst dem „Spiegel“. So sieht er sich, im Dialog mit Gott.

Das macht Putins Handeln so unvorhersehbar, besonders seine Pläne für die Ukraine. Die Frage ist: Was will er mit dem Krieg erreichen?

Er selbst findet immer wider andere Gründe für das russische Verhalten. Mal muss die Angst vor der Nato als Argument herhalten, mal angebliche Aggressionen der Ukraine. Am Montag sprach er dem Nachbarland in einer fast einstündigen TV-Ansprache mit pseudo-historischen Argumenten das Existenzrecht ab. Den Angriff rechtfertigte er am Donnerstag mit einem angeblich drohenden Genozid, vor dem er die Ukrainer schützen müsse. Das Ziel der „Militäroperation“ sei die „Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine“.

Putin scheint sich weit von der Realität entfernt zu haben. „Er ist für rationale Argumente nicht mehr zugänglich“, sagte Stefan Meister, Russland-Analyst der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, unserer Zeitung. „Er hält sich für eine historische Figur.“ Und als solche wähnt er sich offenbar auch auf historischer Mission. 

Diese drei Ziele verfolgt Putin

Meister geht von drei Zielen Putins aus: „Er will die Ukraine als souveränen Staat abschaffen und sie unter seine Kontrolle bringen“ – ob mithilfe einer Marionetten-Regierung oder durch Integration des Landes in die russische Föderation, das sei unklar. Zweitens gehe es ihm darum, die russische Einflusszone auszuweiten. Immer wieder, zuletzt in seiner Ansprache am Montag, behauptet der Kreml-Herrscher, das Nachbarland sei unter Kontrolle der USA – das will er nun ändern. Mittelfristig schiele Putin aus dem selben Grund auch auf andere Länder, Georgien oder Moldau. „Es besteht eine große Gefahr für diese postsowjetischen Staaten“, sagt Meister. Auch das Baltikum und Polen seien deshalb auf lange Sicht nicht sicher. Durch deren Nato-Mitgliedschaft könnte das schwerwiegende Konsequenzen haben.

Putins Motivlage könnte aber noch viel breiter sein – an Erklärungen mangelt es nicht. Manche halten seine Furcht vor dem Aufkeimen funktionierender Demokratien in der Nachbarschaft für ausschlaggebend. Im eigenen Land lässt er aufkeimende Proteste gegen den Krieg am Tag der Invasion verbieten. Und laut dem Bürgerrechtsportal Owd-Info werden am Donnerstag mehr als 1700 Menschen verhaftet, die es dennoch versuchen. Andere glauben an innenpolitische Motive. Kriege hätten Putin stets geholfen, seine Macht daheim zu festigen, meint etwa Kamil Galeev vom „Wilson Center“ in Washington.

Und dann ist da noch Putins Streben nach alter Größe. Den Zusammenbruch der Sowjetunion nannte er bekanntermaßen mal die „größte geopolitische Katastrophe“ des vergangenen Jahrhunderts. Zumindest ihre Einflusssphäre scheint er wiederbeleben zu wollen. „Es geht hier darum, dass Russland eine andere Weltordnung fordert“, sagte der Militärstratege William Alberque dem „Spiegel“. Angesichts der vielen Truppen an der ukrainischen Grenze glaubt er nicht, dass Putin im Osten des Landes Halt machen wird. „Dieser Aufbau ist offensichtlich dafür da, den Westen zu terrorisieren.“

All das widerspricht sich nicht – die Ballung der Motive ist Teil des Schreckens. Der Westen steht nun erschrocken da und sucht nach Antworten. „Wir müssen jetzt alles aufbieten, was wir haben“, sagt Stefan Meister. Ausschluss Russlands aus dem Zahlungssystem Swift, Stärkung der Ukraine als Staat. Das geht nur zusammen mit den USA. Die neue Geschlossenheit des Westens muss sich jetzt beweisen.