Warum ein Katzenbiss immer ein Notfall ist

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Die Verletzungen sehen harmlos aus. Doch wenn eine Katze zubeißt, ist das immer ein Notfall. Denn in ihrem Maul lauern gefährliche Bakterien. Wie schnell diese eine schwere Infektion auslösen können, erfuhr auch Sarah Schleißheimer, 25.

STIEFS sprechstunde

Die Verletzungen sehen harmlos aus. Doch wenn eine Katze zubeißt, ist das immer ein Notfall. Denn in ihrem Maul lauern gefährliche Bakterien. Wie schnell diese eine schwere Infektion auslösen können, erfuhr auch Sarah Schleißheimer, 25.

Von Sonja Gibis

Prof. Karl-Georg Kanz begutachtet Sarahs rechte Hand. Die steckt in einem Gips, der die Finger vorne freilässt. Der Zeigefinger ist noch etwas zu rosig und ein wenig geschwollen. Doch schon viel weniger als am Tag zuvor. Der Leiter der chirurgischen Notaufnahme im Klinikum rechts der Isar in München, ist zufrieden. Die Infektion klingt ab.

Schuld, dass Sarah im Krankenhaus liegt, ist einer ihrer medizinischen Fälle. „Der Patient hatte starke Luftnot“, erzählt die 25-Jährige – und meint damit einen kranken Kater. Denn in der Kleintierklinik, wo die angehende Veterinärin seit drei Jahren samstags öfter arbeitet, haben die Patienten eben oft vier Beine.

Beim Röntgen war der rotgetigerte Kater noch recht ruhig. Kein Grund also zu extremer Vorsicht, so schien es. Doch dann sollte er eine Infusion bekommen. Um das um Luft ringende Tier zu schonen, verzichtete Sarah auf die Schutzhandschuhe. Sie packte die Katze mit gekonntem Nackengriff, hielt mit der anderen Hand die Pfoten fest. Doch dann packte den kleinen Patienten die Panik. Und wie jeder Katzenbesitzer weiß: Auch ein Schmusekater wird dann zu einem Bündel aus Krallen und Zähnen. Das Tier biss blitzschnell zu, zwei Mal hintereinander. Zurück blieben kleine, aber tiefe Wunden nahe am mittleren Gelenk des Zeigefingers. „Es tat sofort sehr weh“, erzählt Sarah.

In der Tierklinik ist man auf solche Notfälle vorbereitet. Die wichtigste Regel: Sofort zum Arzt, vor allem bei Bissen von Katzen. Obwohl der eines Hundes meist eine schwerere Verletzung hinterlässt, bergen die kleinen Zähne der Stubentiger eine große Gefahr. Dort lebt besonders häufig Pasteurella multocida, ein aggressives Bakterium. Auch wenn die Katze also keine Krankheiten wie die Tollwut überträgt, ist ein Biss immer ein Notfall. Die Löchlein sehen zwar harmlos aus. Durch die spitzen Katzenzähne werden die Keime aber tief ins Gewebe geimpft. „Die Wunde geht oben zu – und drinnen vermehren sich die Bakterien wunderbar“, sagt Kanz.

Eine Bisswunde am Finger ist zudem gefährlicher als etwa eine am Oberschenkel oder sogar im Gesicht. Vor allem Sehnen und Gelenke sind kaum durchblutet. Doch im Blut patrouilliert die Abwehrtruppe des Körpers. Zu wenige weiße Blutkörperchen gelangen zu den Keimen in der Wunde, um sie zu vernichten. Die Bakterien verbreiten sich über die Sehnenscheiden, erst im Finger, dann in der Hand, dem Unterarm. Etwa die Hälfte der Katzenbisse infiziert sich – und das kann lebensgefährlich sein. Selten kommt es sogar mal zu einem Todesfall.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme rät Kanz: „Die Wunde einfach mit Leitungswasser ausspülen.“ Doch ersetzt die Desinfektion nicht den Weg in die Notaufnahme.

Als angehende Tierärztin wusste Sarah das. Eine Prophylaxe gegen Tetanus war nicht nötig. Sarah ist geimpft. In der Notaufnahme im Klinikum rechts der Isar betäubten die Ärzte zunächst ihre Hand, spülten die Wunde und schnitten sie behutsam aus. Sarah erhielt zudem vorbeugend ein Antibiotikum. „Das ist bei einem Katzenbiss immer nötig“, sagt Kanz. Übrigens auch, wenn der Beißer ein Mensch war. Dann besteht ebenfalls erhöhte Infektionsgefahr.

Sarahs Hand kam zudem in einen Verband mit Schiene. Der soll die Hand ruhig stellen. Denn mit jeder Bewegung können sich die Bakterien weiter verbreiten. Am Montag sollte sie zum Verbandswechsel in die Klinik kommen.

Doch schon am Sonntag, also einen Tag nach dem Biss, war unverkennbar: Trotz aller Vorsicht, die Wunde hatte sich infiziert. Der Finger wurde rot, schwoll an, tat scheußlich weh. Sarah entschloss sich, erneut in die Notaufnahme zu gehen – eine richtige Entscheidung, wie ihr die Ärzte bestätigten.

Die Ärzte versuchten die Infektion in den Griff zu bekommen. Die Wunde wurde erneut versorgt. Doch die Bakterien waren stärker: Als Sarah am Montag erneut in die Notaufnahme kam, war klar: Eine Operation war nötig. Diesmal musste Handchirurg Dr. Stephan Deiler in Narkose etwas tiefer schneiden. Er entfernte abgestorbenes und infiziertes Gewebe. Nach dem Eingriff legte er eine Drainage. Die Wunde muss nach einem Biss oft zunächst offen bleiben, damit Entzündungsflüssigkeit und Eiter abfließen können.

Danach musste Sarah erst mal in der Klinik bleiben und erhielt per Infusion Antibiotika. Das wirkte: Der Finger ist schon deutlich abgeschwollen.

An ihrem Ziel, später als Tierärztin zu arbeiten, hat das Erlebte nichts geändert. „Ich werde in Zukunft eben noch besser aufpassen“, sagt Sarah. Wenn Tiere Schmerzen haben, geraten sie leicht in Panik. Doch will sich Sarah deswegen nicht davon abhalten lassen, ihnen zu helfen.

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