Vogelgrippe: Züchter gerüstet

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- Götting (jpö) - Fährt man mit dem Auto durch Götting, sieht man zufriedene Gänse im Wasser plantschen und Puten im Gras umherlaufen. Ein großes Holzschild weist auf den Hof der Familie Kerschl hin.

2500 Geflügeltiere hält Hubert Kerschl in seinem Geflügelbetrieb in Götting. Doch er und seine Züchterkollegen haben derzeit Sorgen: Die Vogelgrippe droht von Russland nach Deutschland überzuschwappen. Auch die regionalen Züchter könnten davon betroffen sein. Der Virus "H5N1" wird Experten zufolge hauptsächlich durch Zugvögel, Einfuhren von Geflügelprodukten oder Kontakt zu Tieren in gefährdeten Ländern wie Asien und Russland auf heimische Tiere übertragen (wir berichteten). Deshalb werden auch in den örtlichen Geflügelbetrieben Vorsorgemaßnahmen getroffen.

Die rund 2000 Hühner auf Kerschls Hof ahnen von den Sorgen ihres Züchters nichts. Sie gackern zu Tausenden in ihrem Stall und picken die Körner vom Boden. An die 1500 Tiere wie Enten, Gänse und Puten schnattern zudem auf dem Hof umher. Die verschiedenen Tiere werden getrennt voneinander gehalten. Enten, Gänse und Puten haben eine Wiese mit Wasser- und Futterstellen für sich. Die Hühner dagegen sind in einem mit Stroh ausgelegtem Stall untergebracht.

Das ganze Jahr über herrscht reger Betrieb auf dem Hof. Rund 1000 Eier werden Kerschl zufolge monatlich mit einer speziellen Maschine sortiert, mit Stempel versehen und in die dazu passenden Eierschachteln gepackt, aber auch Nudeln handgefertigt, Käse selbst hergestellt und das Geflügel geschlachtet. Die Produkte verkaufe man unter anderem in einem eigenen kleinen Hofladen, beschreibt der Landwirt.

Um die Gesundheit seiner Tiere macht sich der Züchter momentan besonders Gedanken. "Die Vogelgrippe ist zwar im Moment noch kein Thema, aber falls es soweit kommt, sind wir gerüstet", so Kerschl. Im Falle einer Virusübertragung werde der Betrieb mit einem Auflagenschreiben vom Tiergesundheitsdienst informiert. "Alle Tiere müssten dann getrennt voneinander in geschlossenen Ställen untergebracht werden", erklärte Kerschl im Gespäch mit unserer Zeitung. Isolation und eine komplette Abdichtung des Stalls nach außen wären die Konsequenz. "Kein Spatz oder anderes Getier, das möglicherweise irgendwelche Erreger übertragen könnte, darf dort hineinkommen", so der Besitzer. Diese Maßnahmen seien aufwändig und zudem kostenträchtig. "An allen offenen Stellen müsste ich Gitter anbringen und zudem die Ställe noch vergrößern", so Kerschl. Hinzu komme, dass auch Kleidung, Schuhe, Kittel und andere Gegenstände, die mit den Tieren in Berührung kommen, jedes Mal entsorgt werden müssten.

Ein weiteres Problem sei, dass die Enten und Gänse genügend Freiraum bräuchten, also Wasser- und Grasflächen. "In Ställen überleben sie nicht", weiß Kerschl. Über die Wintermonate habe er deshalb nur Hühner. Die anderen Tiere würden zu Kirchweih und Weihnachten in der hofeigenen Schlachterei geschlachtet. "Da wir ein relativ kleiner Geflügelbetrieb sind, brauche ich meine Schlachtungen auch nicht anzumelden, sondern schlachte eigenständig das ganze Jahr über." Sechs bis acht Wochen brauche eine Ente, eine Gans ein halbes Jahr bis zur Schlachtreife.

Weitere Maßnahmen gegen eine mögliche Vogelgrippeninfektion trifft der Züchter eigenen Angaben zufolge überdies mit regelmäßigen Impfungen gegen allgemeine Geflügelkrankheiten. Der Impfstoff werde dazu vom Tiergesundheitsamt in das Futter von Altbrot, Körnermais und Weizen gemischt. "In den vergangenen 40 Jahren hatten wir noch keine Geflügelkrankheit," freut sich Kerschl - "seit Gründung des Kerschl-Hofes", der ein Familienbetrieb sei, früher noch mit Landwirtschaft, heute mit Ständen auf Bauernmärkten. Kerschl legt eigenen Angaben zufolge zudem Wert auf die gesunde und natürliche Haltung der Tiere. "Nur dann ist auch deren Gesundheit gewährleistet", sagte Kerschl.

In regelmäßigen Kontrollen würden die Betriebe vom zuständigen Veterinäramt überprüft. Von der Tötung der Tiere, wie aktuell in Russland notwendig, nehme das örtliche Veterinäramt aber noch Abstand. "Wir haben alle Maßnahmen vorbereitet und den Ernstfall virtuell durchgesprochen", erklärte hierzu Dr. Werner Hamp vom Staatlichen Veterinäramt des Landkreises mit Sitz in Bad Aibling auf Anfrage.

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