Vermutlich schon 30 Tote durch Tropensturm „Harvey“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Erntete Spott in den sozialen Netzwerken: Melania Trump betritt mit High Heels das Flugzeug auf dem Weg nach Texas.

Houston – In den Überflutungsgebieten von Texas fürchten nach dem Tropensturm „Harvey“ Hunderttausende um ihre Existenz.

Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind nach einer Erhebung der „Washington Post“ nicht gegen Flutschäden versichert. Die marktüblichen Versicherungstarife deckten nur Schäden durch Wind wie abgedeckte Dächer ab, nicht aber Verwüstungen durch Hochwasser. Versicherungsexperten schätzen die Sachschäden inzwischen auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Während der Regen in Houston aufhörte, prallte Sturm „Harvey“ gestern zum zweiten Mal auf Land – diesmal an der Grenze zwischen dem Ost-Texas und dem Westen des Bundesstaates Louisiana. Dort bereiteten sich Hunderttausende auf schwere Überflutungen vor. Der Bürgermeister der in der Zone gelegenen Stadt Port Arthur, Derrick Freeman, schreibt auf Facebook: „Die ganze Stadt ist unter Wasser.“

Der Nationale Wetterdienst der USA erwartet in Louisiana, wo bereits vor zwölf Jahren der Hurrikan „Katrina“ die Gegend um New Orleans schwer getroffen hatte, örtliche Rekordregenmengen von mehr als 60 Zentimetern.

In Texas waren binnen weniger Tage bis zu 125 Zentimeter Regen gefallen. Dies bedeutet einen Rekord für das Festland der USA. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer, Stauseen ergossen ihre Fluten über die Dämme. Einige Dämme wurden zur Entlastung geöffnet, was zu weiteren Überschwemmungen führte.

Gestern befanden sich nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde FEMA 30 000 Menschen in Notunterkünften. 200 000 haben sich für Nothilfe registriert. Die Behörde legte erste Hilfs-Programme auf: 35 Millionen Dollar stehen zur Verfügung. Das Karlsruher Institut für Technologie errechnete mögliche Schäden von fast 58 Milliarden Dollar (48,7 Mrd Euro), Schäden etwa durch den Ausfall von Anlagen nicht mitgerechnet.

Prominente zeigten sich solidarisch mit den Opfern – auch finanziell. Schauspielerin Sandra Bullock stellte dem Roten Kreuz eine Million Dollar in Aussicht. Reality-Star Kim Kardashian will eine halbe Million geben. Auch Firmen wie Facebook, Amazon oder Walmart kündigten Millionenbeträge an.

Kurioserweise will sich sogar Venezuela beteiligen. Das Land, selbst krisengeplagt und wegen der autoritären Bestrebungen von Präsident Nicolás Maduro mit den USA im Clinch, will bis zu fünf Millionen Dollar (4,2 Millionen Euro) für betroffene Familien bereitstellen. Außenminister Jorge Arreaza sagte: „Wir werden immer an der Seite des Volkes der USA stehen.“

Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer hat sich gestern noch mal erhöht. Wie der Sheriff von Harris County, Ed Gonzales, bestätigte, kamen in den Fluten sechs Mitglieder einer texanischen Familie ums Leben. Das ältere Ehepaar (81 und 84 Jahr) und deren vier Enkel (6 bis 16 Jahre) starben in einem Kleinbus. Der Vater der Kinder, der den Bus fuhr, konnte sich in letzter Sekunde retten. Damit steigt die von den Behörden genannte Zahl der Toten auf zehn. Die „New York Times“ schrieb sogar von 30 Toten.

Außerhalb von Houston stehen ganze Städte unter Wasser. „Wir erwarten, dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird“, sagte Heimatschutzministerin Elaine Duke. Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, betonte: „Wir sind noch immer dabei, Leben zu retten.“

Neben den sichtbaren Schäden an Häusern, Fahrzeugen und Straßen dürfte „Harvey“ auch unsichtbare Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben. So ging etwa der Benzinpreis in den USA deutlich nach oben, weil wichtige Raffinerien in Texas stillstanden. Dies wiederum verursachte auch einen Einbruch der ohnehin unter Druck geratenen Rohölpreise, weil Raffinerien und andere Ölverarbeiter seit Tagen als Abnehmer ausfallen.

Einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken erntete derweil Donald Trumps Ehefrau Melania, die ihn am Dienstag nach Texas begleitete. Die First Lady war mit Pilotenbrille und auf Stilabsätzen in das Flugzeug in Washington gestiegen, wie Fotos zeigen. Bei der Ankunft in Corpus Christi trug sie weiße Turnschuhe und eine weiße Bluse. Auf Twitter wurde die Outfit-Wahl – insbesondere die High Heels – mit Spott kommentiert. Ein Nutzer bezeichnete Melania als „Katastrophenhilfe-Barbie mit schlechtem Geschmack“.

Zurück zur Übersicht: Welt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare